Der Geschäftsführer über Playoffs, Zufriedenheit und einen Transfer-Coup

Huskies-Chef Joe Gibbs: „Privat bin ich sehr pflegeleicht“

Die Eishalle ist sein zweites Zuhause: Joe Gibbs auf der Haupttribüne. Foto: Schachtschneider

Kassel. Das Jahr der Huskies, es hielt für die Fans des Kasseler Eishockeys wie für seine Macher einiges bereit – vom bitteren Playoff-Aus gegen einen Erzrivalen bis zur Verpflichtung eines NHL-Stars.

Wir haben Joe Gibbs in seinem Büro getroffen und 2017 Revue passieren lassen. Das Jahr des Geschäftsführers in Stichworten:

PLAYOFF-DERBYPLEITE

Nach der Meisterschaftssaison und den zahlreichen Abgängen war es keine einfache Situation. Die Frankfurter haben ihre Meisterfähigkeit bewiesen und hochverdient gewonnen. Der Sweep hat uns auf den Boden geholt. Er hatte aber auch eine gute Seite, denn wir haben gesehen, was wir ändern müssen für die nächste Saison. Wir haben mehr Talent und mehr Schnelligkeit geholt.

SAISONFAZIT

Wir haben in der letzten Saison das Halbfinale erreicht. Unzufrieden müssen wir also nicht sein. Die Huskies sind sehr konstant seit dem Aufstieg. Du musst realistisch bleiben: Gemessen an unserem Budget ist das in Ordnung.

ZUFRIEDENHEIT

Zufrieden darfst du nie sein. Wir wollen ja immer besser werden. Trotzdem: In unserem Fünfjahres-Plan liegen wir gut. Privat? Ich bin sehr zufrieden. Ich bin privat aber auch sehr pflegeleicht. Kassel ist längst meine Heimat. Ich habe hier viele Freunde. Mein Job ist auch mein Hobby. Besser geht es kaum. Nur das Wetter in Kassel könnte schöner sein.

LIEBLINGSPLÄTZE

Natürlich ist das vor allem die Eissporthalle. Es ist egal, ob ich im Büro bin, in der Kabine oder beim Spiel auf der Tribüne sitze. Das ist mein Zuhause. In Kaufungen bin ich am liebsten im Wald, auf dem Weg zum Steinertsee. Ich gehe da viel spazieren. Ich muss ja täglich 10.000 Schritte machen. Sagt mein Fitnessarmband.

SCHWERE ENTSCHEIDUNGEN

Die müssen wir manchmal treffen. Auch am Ende der letzten Saison. Die Trennung von Austin Wycisk war eine ganz schwere Sache. Austin ist ein Supertyp mit einer Superfamilie. Bei uns geht es familiär zu. Seine drei Kinder waren immer dabei. Da tut eine Trennung weh. Aber du musst dann unterscheiden: Das ist der Mensch Austin und der Spieler Austin.

HALLENÜBERGABE

Es ist der Wunsch von Familie Kimm, dass das Eishockey in Kassel fortgesetzt wird. Dafür müssen viele Dinge passieren. Es ist wichtig, dass wir auf dem Weg zur zweiten Eisfläche sind. Familie Kimm und mir ist es wichtig, dass wir den Kasseler Nachwuchs weiter fördern. Für mich persönlich ist das eine Entwicklung, die 1979 begonnen hat, als ich nach Deutschland gekommen bin. Den Job in der Halle muss ich nun vollständig machen. Ich bin nicht mehr nur für den Sport zuständig. Ich erhalte in vielen Bereichen sehr viel Unterstützung. Die Übernahme der Halle ist ein Entwicklungsprozess, der noch andauert. Aber gemeinsam mit den Fans und Sponsoren verspricht sie Stabilität und Kontinuität für die Zukunft. Und es ist mir eine große Ehre, dass das mit mir passiert.

VERLETZUNGS-SCHOCK

Der Kapitän fehlt. Das hat uns alle und natürlich vor allem ihn tief getroffen. Für die Mannschaft ist einer wie Manuel Klinge nicht zu ersetzen. Derzeit hilft er häufig in der Geschäftsstelle. Wir werden alles tun, Manu über seine aktive Laufbahn hinaus an uns zu binden.

TRANSFER-COUP

Die Verpflichtung von James Wisniewski ist ein großer Glücksfall für uns. Ich habe mit einem guten Bekannten, der Manager des US-Olympiateams ist, gesprochen. Das war nur so eine Idee. Aber dann hat er den Kontakt zu James hergestellt. Jetzt ist er hier, hat sofort eingeschlagen. Und er wird ja immer noch von Spiel zu Spiel besser. Wir genießen jeden Tag, den er hier ist. Er ist der Leader, so etwas wie unser zweiter Co-Trainer. Er hebt das Team auf ein anderes Level.

PERSPEKTIVE

Der Saisonbeginn ist immer schwer. Da gilt es, neue Spieler in unser System einzubauen. Das braucht Zeit. Einige Fans haben da nicht die Geduld. Ich habe sie. Und dazu großes Vertrauen in die Arbeit von Rico Rossi und Hugo Boisvert. Wir gehören jetzt zu den Topteams der Liga.

AUFSTIEG

Ist ein Muss im Eishockey. Ich verstehe die Mentalität in der DEL da nicht. Auch für die Fans ist es abwechslungsreicher, neue Teams in der Liga zu sehen. Ich bin sicher, dass wir und einige andere Klubs sich gut verkaufen würden.

WÜNSCHE

Mein größer Wunsch? Dass junge deutsche Spieler noch bessere Chancen haben, zu spielen. Wir haben eine tolle Basis. Das müssen wir nutzen.

Joseph Gibbs (57) stammt aus Toronto/Kanada und kam 1979 als Eishockey-Mittelstürmer nach Deutschland. Von 1999 bis 2005 arbeitete er erstmals als Geschäftsführer des DEL-Klubs Kassel Huskies. Nach einem Jahr in Nürnberg war er von 2009 bis 2015 Europa-Scout für das NHL-Team der Toronto Maple Leafs. Seit Juli 2014 ist er wieder Geschäftsführer des Zweitligisten Kassel Huskies, wurde 2015 als Manager des Jahres in der DEL2 ausgezeichnet und wurde 2016 mit den Huskies Meister. Er ist seit 1991 verheiratet mit Katherine, Vater einer Tochter und zweifacher Großvater. Er lebt in Kaufungen.

Das Jahr der Huskies  - eine Chronik

3. Januar: Toni Ritter erzielt das erste Tor im neuen Jahr schon nach knapp drei Minuten. Endstand: 5:2 gegen Crimmitschau, die Huskies belegen Rang drei.

5. März: Eine Niederlage am Ende: Nach einem 1:4 gegen Bietigheim beschließen die Huskies die Hauptrunde mit 96 Punkten hinter Frankfurt (104) und Bietigheim (109).

24. März: Ausgerechnet die Ex-Lausitzer Toni Ritter (2) und Steve Hanusch sowie Thomas Merl und Jack Downing erzielen die Tore zum 5:3 gegen Weißwasser. Mit 4:1 Siegen (4:1, 1:2, 6:1, 5:1, 5:3) setzen sich die Kasseler im Playoff-Viertelfinale gegen das Überraschungsteam aus Weißwasser (6.) durch.

7. April. Schluss, Aus, Ende: Ein Jahr nach dem Sweep der Huskies gegen Frankfurt nehmen die Löwen eindrucksvoll Revanche. Das 6:7 im vierten Duell besiegelt nach 1:4, 2:5 und 1:3 das bittere Saisonende des Kasseler Titelverteidigers im Halbfinale.

13. April: Abschlussfeier mit Frankfurt-Blues. Und mit dem Abschied vom 24-fachen Torschützen Jack Downing, von Mapes, Hanusch, Mathias Müller, MacKenzie, Lehikoinen, Boiarchinov, Wycisk und DeBlois.

25. April: DEL2-Meister sind? Die Löwen Frankfurt! Haben Bietigheim in der Serie 4:2 bezwungen.

1. August: Auf ein Neues, Trainingsauftakt – zwei Wochen eher als üblich. Trainer Rico Rossi startet in seine vierte Saison mit acht Neuen: Leon Hungerecker, John Rogl, Florian Kraus, Mike Little, Andy Reiss, Patrick Klöpper, Stefan Della Rovere und Lukas Koziol. Hinzu kommen Evan McGrath und David Kuchejda, außerdem die Förderlizenzler Mark Ledlin und Yannik Valenti sowie später die Eigengewächse Tim Lucca Krüger, Bastian Schirmacher, Nico Schnell und Frederik Schwieger.

8. August: Weltklasse zu Gast in Kassel: Drei Tage lang wirbeln Stars der Eliteklasse KHL übers Eis. Vityaz Podolsk gewinnt ungeschlagen den Wingas-Cup vor Dinamo Riga. Die Huskies begeistern beim 3:2 gegen Bratislava.

15. September: Die Punktspiel-Premiere 2017/18 gelingt. Braden Pimm (2) und Patrick Klöpper treffen zum 3:1 gegen Dresden.

3. Oktober: Au backe, das war ’ne Heimpleite: Nach 2:0- und 3:2-Führung kommen die Kasseler gegen Riessersee unter die Räder: 5:9 nach 0:5 im letzten Drittel.

8. Oktober: 2:0, wieder einmal, führen die Huskies in Bad Nauheim. Am Ende steht’s 3:5 – und nicht nur die Punkte gehen verloren. Schlimmer noch: Kapitän Manuel Klinge (33) bleibt mit einer Kufe im Eis hängen. Das linke Knie ist kaputt. Saison zu Ende. Die Karriere vielleicht auch.

13. Oktober: Beim 6:1 gegen Freiburg trägt James Wisniewski erstmals das Huskies-Trikot Der einstige NHL-Star bereitet drei Tore vor. Mit ihm gewinnen die Huskies 13 der nächsten 16 Spiele.

8. Dezember: Nach 87 Sekunden der Verlängerung erzielt Goldhelm Braden Pimm sein 18. Saisontor – es ist das 4:3 gegen Frankfurt. Der erste Derbysieg nach zuvor sechs Pleiten in Folge.

28. Dezember: Das letzte Heimspiel, zu Gast in der Eissporthalle ist der SC Riessersee, der Tabellenvierte. Und die Huskies – sie sind erneut Dritter. (sam)

Quelle: HNA

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