„Mehr Verantwortung für Spieler“

Huskies-Trainer Rico Rossi: Das waren Fehler, das wird sich ändern

Kassel. Nach zwei durchwachsenen Spielzeiten geht Rico Rossi nun in seine fünfte Saison mit den Kassel Huskies. Im Interview übt er Selbstkritik und blickt auf Veränderungen und Perspektiven.

Unser Sommer war heiß und lang. Und Ihrer?

Rico Rossi: Heiß und wie immer zu kurz... Im Ernst: Wir haben die Zeit genutzt, noch in der vergangenen Saison mit der Kaderplanung begonnen und das ganz gut hinbekommen.

Die vergangenen beiden Spielzeiten waren wenig begeisternd. Bitte machen Sie für uns den Jogi Löw und analysieren Sie – was lief schief?

Rossi: Die gesamte Saison war ein Auf und Ab, es fehlte uns an Konstanz. Und weil es aufgrund sehr individueller Charaktere am Teamgeist gefehlt hat, sind die Playoffs nach einer 2:0-Führung gegen Frankfurt auch noch schiefgegangen. Es kamen viele Aspekte zusammen, auch die Verpflichtung von James Wisniewski hat uns nur zu Beginn gutgetan.

Wie fällt Ihre Selbstkritik aus?

Rossi: Ich bin ein dominanter Mensch und Trainer, will meinen Kopf durchsetzen. Aber ich hätte mehr auf die Führungsspieler hören müssen. Wir haben die Stimmung im Team falsch eingeschätzt und nicht gemerkt, dass es schlecht läuft. Da hat es an Ehrlichkeit und Offenheit zwischen den Spielern, mir und Joe Gibbs gefehlt. Die personellen Veränderungen im Kader haben die Spieler mehr belastet, als wir gedacht haben. Neal und Povorozniouk hätten wir eher haben sollen, Gron war eine der besten Verpflichtungen der vergangenen Jahre.

Nachdenklich, selbstkritisch: Trainer Rico Rossi geht mit den Huskies in sein fünftes Jahr als Trainer. Archivfoto: Andreas Fischer

Was ändern Sie jetzt im 23. Trainerjahr?

Rossi: Ich habe viel gelernt und muss offener sein für Veränderungen. Natürlich bleibe ich trotz der tollen Unterstützung durch Manu Klinge der Chef und werde die Entscheidungen treffen. Aber der Weg dorthin wird anders. Wir werden mehr miteinander reden, die Spieler mehr einbeziehen und ihnen mehr Verantwortung übertragen. Aber die Spieler müssen mir zeigen, dass ihr Weg der richtige ist und zum Erfolg führt. Er darf nicht zu mehr Gemütlichkeit führen.

Gibt es da schon aktuelle Beispiele?

Rossi: Vor Heimspielen haben wir ein Anschwitzen morgens. Statt 60 Minuten reicht es nun, wenn die Spieler – wie gewünscht – erst 45 vorher in der Kabine sind. Ein normales Training dauert nun auf dem Eis nicht mehr 75, sondern nur noch 60 Minuten, ist aber intensiver und schneller. Krafttraining absolvieren die Jungs nun selbstverantwortlicher. Ich bin gespannt. Wer nicht fit ist, läuft Gefahr, weniger Eiszeiten zu bekommen.

Zum ersten Mal habe ich den Kapitän wählen lassen. Das sorgt im Team für mehr Akzeptanz, für ein Wir-Gefühl. Da gehen die Kasseler Jungs voran mit Alex Heinrich als Kapitän, und mit Michi Christ und Richie Mueller als Assistenten haben wir eine gute Mischung.

Wie sollen sich die Änderungen auf dem Eis zeigen?

Rossi: Ich werde auf die Ideen der Spieler eingehen, insbesondere bei der Organisation des Überzahlspiels. Es gibt Leute, die sagen, wir wären zu leicht auszurechnen. Doch in dieser Liga weiß jeder Alles über jeden. Da gibt es taktisch wenig Freiraum oder Überraschendes. Aber: Unser Forechecking wird anders aussehen, damit wir dem Gegner weniger Zeit und Raum lassen. Wir wollen dann nicht mehr drei Stürmer und zwei Verteidiger auf dem Eis haben, sondern fünf Mann, die kompakt agieren. Dafür brauchen wir mehr Fitness, mehr Bewegung und auch Zeit. Das ist ein Prozess über Monate, zumal jeder Stürmer jede Rolle spielen können muss.

2017 kamen u. a. Della Rovere, McGrath, Kuchejda und dann Wisniewski – ältere Spieler. Nun sind die meisten neuen wieder deutlich jünger. Zufall?

Rossi: Nein. Wir wollten schnellere, aggressivere Leute. Da haben jüngere natürlich Vorteile. Richie Müller macht mit 36 den Schnitt zwar kaputt, aber er flitzt wie ein 22-Jähriger.

Von den 16 Neuzugängen 2017/18 sind nur neun übrig.Dürfen wir im Personalpoker nun wieder auf eine höhere Erfolgsquote hoffen?

Rossi: Auch wir versuchen in jedem Jahr das Beste und hoffen diesmal wieder auf eine bessere Quote. 2017 haben wir auf große und erfahrene Spieler gesetzt. Jetzt sind wir zuversichtlich, dass es mit wendigen, schnellen und bissigen Huskies besser klappt.

Mit Pimm, McGrath und Wisniewski sind die Topscorer fort. Wer sind jetzt die Torgaranten?

Rossi: Dieses Thema bereitet mir überhaupt keine Kopfschmerzen. Null. Carciola und Meilleur haben jeder 20 Tore geschossen. Auch Gron und Mueller wissen, wie es geht. Hinzu kommen Neal und Povorozniouk mit je drei Toren in nur einer Playoff-Runde.

Aber wie könnte ein endgültiger Verlust von Manuel Klinge kompensiert werden?

Rossi: Eins zu eins gar nicht, das hat die letzte Saison gezeigt. Sein Ausfall hat uns sehr weh getan. Wir können das nur als Team ausgleichen, wenn jeder seine Rolle akzeptiert und Verantwortung für sich und die anderen übernimmt. Das bedeutet auch, dass sich beispielsweise Meilleur und Müller aus der Rolle als Talente weiterentwickeln und vorangehen.

Eigentlich war für das Frühjahr 2019 der Aufstieg in die DEL das Ziel – was wird aus dem alten Fünfjahresplan?

Rossi:Der ist Geschichte. Tatsächlich beginnt für Joe, Manu und mich nun eine neue Zeitrechnung mit der Planung für 2021, wenn endlich der Aufstieg in die DEL wieder möglich ist. Das wird eine spannende Zeit. Wer ist bereit, den nächsten Schritt zu gehen? Wer wird dann wie alt sein, wie fit, wie gut? Wir betreten kein Neuland, aber es ist einer der größten Einschnitte in meiner Zeit in Deutschland. Weil wir endlich ein mittelfristiges Ziel haben.

Wie sind da die Perspektiven für die erste Etappe?

Rossi: Teamgeist versetzt Berge, da gibt es keine Grenzen. Das haben wir selbst als Meister 2016 bewiesen. Wir wollen natürlich wie immer oben mitspielen. Und dann gesund, vollzählig und als ein Team in die Playoffs gehen. Die stärksten Gegner? Frankfurt, Bietigheim, Ravensburg, Kaufbeuren und Bad Nauheim. Und irgendein Überraschungsteam gibt es auch immer.

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