Fußballer des Regionalligisten KSV Hessen Kassel

Zollstockgespräch mit Ingmar Merle: „Ich habe kein Netflix, ich habe keine Zeit dafür“

Sportredakteur Maximilian Bülau (links) und KSV-Spieler Ingmar Merle.
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Vor dem Brunnen am Schloss Schönfeld: Sportredakteur Maximilian Bülau (links) und KSV-Spieler Ingmar Merle beim Gespräch auf Abstand.

Es gab viele Lockerungen, doch die Corona-Pandemie ist längst nicht überstanden. Wir führen in dieser Zeit in unregelmäßigen Abständen Gespräche mit Sportlern aus der Region – auf Abstand, versteht sich.

Kassel – Heute: Ingmar Merle, Spieler des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel. Der 30-Jährige war zuletzt angeschlagen, ist aber wieder fit und bereit für den Saisonstart am 5. September in Stuttgart.

1. Was nervt derzeit am meisten, und was würden Sie gern wieder tun?

Ich würde gern mal wieder ganz normal rausgehen. Das wäre nicht schlecht. Oder einfach mal einkaufen ohne Maske. Die kleinen Dinge. Aber ich hätte auch gern wieder Zuschauer im Stadion. Eine normale Atmosphäre. Es wäre schön, wenn da etwas passieren würde.

2. Was ist die größte Herausforderung?

Inzwischen hat man sich ein bisschen an alles gewöhnt. Aber es ist die Einschränkung, immer achtsam zu sein. Weil man seine Automatismen hat. Da eine Maske zu haben, sich dort zu desinfizieren. Das ist schon eine Herausforderung. Auch im Alltag Abstand zu halten.

3. Was hat Sie in dieser Zeit überrascht?

Wie gut es mir persönlich ging. Ich habe die Zeit mit meiner Tochter sehr genossen. Die Kitas waren geschlossen. Wir konnten kein Fußball spielen. Waren anfangs angehalten, kein gemeinsames Training zu machen. Dadurch habe ich die Familienzeit sehr genossen. So eine Zeit hat man im normalen Alltag einfach nicht.

4. Wie hat sich Ihr Sporttreiben verändert?

Man durfte ja lange nur alleine Sport treiben. Ich bin ein Mannschaftssportler, wir stehen normalerweise mit mehr als 20 Leuten auf dem Feld. Dann heißt es von heute auf morgen: Jeder macht für sich Training. Von daher war es für uns alle nicht so schön, alleine laufen zu müssen, nicht auf dem Fußballplatz zu stehen. Das war nicht unbedingt Mannschaftssport.

5. Ist der Fernsehkonsum gestiegen?

Nein. Ich war viel im Garten. Ich muss dazu sagen: Meine Tochter ist jung. Sie durfte mal eine Serie schauen, mehr aber nicht. Ich habe kein Netflix, ich habe keine Zeit dafür. Aber hätte ich keine Tochter, hätte ich mir wahrscheinlich eine Serie nach der anderen reingezogen.

6. Stört der Mundschutz am meisten?

Man vergisst ihn momentan schnell. Weil man in der näheren Umgebung wieder einen relativ normalen Umgang gefunden hat. Vor allem mit der Familie. Aber das dauerhafte Desinfizieren – und ja, auch der Mundschutz, wenn 30 Grad sind, und man schwitzt darunter – ist störend. Man tut damit aber etwas Gutes. Das ist auch alles richtig. Trotzdem wäre es schön, wenn wir den bald wieder ablegen könnten.

7. Haben Sie ein verrücktes Corona-Erlebnis?

Ich bin verwundert, wie viele Menschen auf Demonstrationen unterwegs sind. Das halte ich für sehr, sehr verrückt.

8. Gibt es auch etwas, das Sie angenehm finden?

Für mich war es definitiv die familiäre Zeit. Natürlich ist das auch mal anstrengend, ab und zu mal stressig. Das darf man nicht unterschätzen. Aber mit meiner kleinen Tochter so viel Zeit zu verbringen, das werde ich wahrscheinlich nie wieder in meinen Leben haben.

9. Wie sieht Ihre Normalität aus?

Ich bin berufstätig bei VW. Wir sind auch angehalten, nicht zu viel im Büro zu sein. Wir wechseln uns mit Homeoffice ab. Ich bin von morgens bis zum Training bei der Arbeit, dann ist Fußball, dann Zeit mit der Familie. Nebenbei ein bisschen Hausbau. Es wird nicht langweilig. Dadurch, dass ich nicht so oft einkaufe, bekomme ich manchmal draußen gar nicht so viel mit (lacht).

10. Wie haben Ihre Sommerpläne ausgesehen?

Wir hatten eigentlich vor, dieses Jahr eine Italien-Tour zu machen. Das ist defintiv dann weggefallen. Aber der Hausbau macht sich nicht von alleine. Das steht klar im Vordergrund. Es hat sich ja alles verschoben, und man ist eingeschränkt in seinen Möglichkeiten. Jetzt will ich einfach fit werden für die Saison und die dann mit einem positiven Ergebnis abschließen. So ist der Plan. Für den Sommer und auch darüberhinaus.

Hinweis: Der KSV Hessen Kassel hat gestern bekanntgegeben, dass das Kreispokal-Finale am Dienstag, 1. September, ab 19 Uhr im Auestadion stattfinden wird. Der Vorverkauf ist gestartet. Tickets kosten zehn Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder und sind online sowie im Fan Point erhältlich. (Maximilian Bülau)

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