Nach der Kritik von Matthias Hamann bezieht der KSV Hessen Stellung zum Jugendkonzept

Ideen sind da, das Geld aber nicht

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Die Jugend des KSV Hessen Kassel muss hart kämpfen: Hier im Bild bestreitet Eric Kroll (links) aus der U 19 einen Zweikampf gegen Youngik Son vom OSC Vellmar.

Kassel. Die Thesen des ehemaligen Löwen-Trainers Matthias Hamann zur Jugendarbeit des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel haben für Aufregung gesorgt. Jetzt nehmen KSV-Sportvorstand Claus Schäfer, Trainer der U17, und Nachwuchskoordinator Marc Sittig, Trainer der U19, zu Hamanns Punkten Stellung.

THESE 1

Talente an den Verein binden. Hamanns These: „Talente aus der Region müssten Kassel als erste Anlaufstation sehen und nicht sonst wohin wandern.“

KSV-Vorstand und Trainer der U 17: Claus Schäfer.

Das deckt sich mit dem Ziel Schäfers und Sittigs. Allerdings haben sie derzeit noch zu kämpfen mit dem Vereins-Hopping von Spielern und Trainern, das in der Jugend vorherrscht. Deshalb sagt Sittig: „Die Jugendlichen müssen wieder heiß darauf sein, beim KSV zu spielen. Wir müssen sie früh an den Verein binden.“

Nur: Wie? Scouting in der Region ist eine Frage der Zeit und des Geldes. Geld hat der Verein kaum, die Jugendtrainer arbeiten nicht hauptberuflich beim KSV, ihre Zeit ist knapp. Sittig und Schäfer verweisen auf Leitbilder für Trainer, Spieler und Eltern. So soll frühzeitig eine Identifikation geschaffen werden. Es gibt zum Beispiel regelmäßig Elternabende und Trainerfortbildungen. Fakt ist: Hier ist noch Luft nach oben.

THESE 2

Die Kooperationen mit dem VfL Wolfsburg und mit Schulen. Hamanns These: „Die Kooperation mit dem VfL Wolfsburg bringt wenig, wichtiger ist eine Zusammenarbeit mit den Schulen.“

Nachwuchskoordinator und Trainer der U 19: Marc Sittig.

Die Kooperation mit Wolfsburg verteidigt Schäfer: „Einen Spieler wie Steffen Dieck hätten wir für die erste Mannschaft so nicht bekommen.“ Außerdem: „Ein Austausch mit den Großen ist enorm wichtig.“ Ein Talenttag mit Trainern des VfL schaffe einen Anreiz für die KSV-Jugendlichen. Auch Nachwuchstrainer der Löwen profitierten. Dass die Zusammenarbeit mit dem Bundesligisten nur eine Chance für die Wolfsburger sei, Talente aus Nordhessen zu binden – dieser These widerspricht Sittig: „Sonst wäre ja unser Talent Benjamin Trümner nach Wolfsburg gegangen und nicht nach Hoffenheim.“

Bleibt die Zusammenarbeit mit den Schulen. Eine Kooperation mit dem Goethegymnasium gibt es, allerdings ist der Einfluss des KSV auf die Trainingsarbeit in der Schule gering. Und sonst? Erinnern Schäfer und Sittig an Besuche des Ex-Trainers Uwe Wolf und Regionalligaspieler in Schulen. Sie erinnern an eine Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer, die den Talenten zur Berufsorientierung dienen soll. Und sie erinnern an den Sportkindergarten des KSV.

Eine Eliteschule des Fußballs, wie sie Hamann ins Spiel bringt, sei aber vorerst utopisch. „Solche Schulen sind an ein Leistungszentrum gebunden“, sagt Sittig. Ein Leistungszentrum mit hauptamtlichen Trainern kostet Geld. Geld, das der KSV derzeit nicht hat.

THESE 3

Ein Sponsorenpool für die Jugend. Hamanns These: „Ich bin überzeugt, dass die Sponsoren der Region für ein nachhaltiges Jugendkonzept zu begeistern wären.“

Matthias Hamann

Da hat Hamann einen wunden Punkt getroffen. Einen eigenen Sponsorenpool für die Jugend gibt es beim KSV nämlich nicht. Der Nachwuchs bekommt einen Teil des Gesamtetats zugesprochen. Schäfer und Sittig stellt das nicht unbedingt zufrieden. Auf einen eigenen Sponsorenpool müsse man hinwirken, sagen sie. Allerdings dürfe das nicht in Konkurrenz zu der Sponsorensuche für das Regionalliga-Team stehen, denn das sei und bleibe das Aushängeschild. Schäfer weiß aber, dass die Bereitschaft bei Sponsoren vorhanden ist, Geld zweckgebunden für die Jugend zur Verfügung zu stellen.

Von Frank Ziemke und Florian Hagemann

Quelle: HNA

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