„Ein bisschen Spaß muss zwischendurch sein“

Interview mit Silvio Heinevetter: Melsunger Nationaltorwart auf dem Weg Richtung 50. WM-Spiel

Silvio Heinevetter schneidet Mannschaftskollege David Schmidt (vorn) bei der WM die Haare. Links im Bild: Kapitän Uwe Gensheimer.
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Nebenbei noch Team-Friseur: Silvio Heinevetter schneidet Mannschaftskollege David Schmidt (vorn) die Haare. Links im Bild: Kapitän Uwe Gensheimer.

Er gehört zu den bekanntesten Handball-Profis im deutschen WM-Team: Silvio Heinevetter. Wir haben mit dem Nationaltorwart über seine Rolle in der DHB-Auswahl gesprochen.

Kassel - Es war am 25. Januar 2009. An jenem Sonntag bestritt Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter sein erstes Spiel bei einer Weltmeisterschaft. Damals rückte er in Kroatien für Carsten Lichtlein in den deutschen Kader und unterstrich trotz der 24:25-Niederlage gegen Norwegen seine Extraklasse.

Nun, zwölf Jahre später, ist der Schlussmann des Bundesligisten MT Melsungen immer noch dabei. Übrigens: Beim 43:14-Auftaktsieg am Freitag gegen Neuling Uruguay bildete der 36-Jährige mit Johannes Bitter genauso das Gespann wie bei seinem WM-Einstand. Wir haben mit Heinevetter über seine Rolle im Team gesprochen und dabei das Thema Corona mal außen vor gelassen.

Herr Heinevetter, das Spiel gegen Uruguay war bereits ihr 196. Länderspiel. Kennen Sie überhaupt noch so etwas wie Anspannung?

Natürlich spüre ich eine besondere Anspannung. Es wäre ja schlimm, wenn es die nicht gäbe. Gerade vor unserem ersten Auftritt bei dieser WM war ich angespannt. Und das ist auch gut so. Wenn man aber erst mal im Turnier so richtig drin ist, stellt sich auch ein Stück weit Normalität ein.

Auf Videos und Fotos bei Instagram zeigen Sie sich im Teamhotel eher relaxt – sogar oft im weißen Bademantel.

Wenn man so viel zusammen ist, dann muss man zwischendurch auch ein bisschen Spaß miteinander haben. Das ist ganz wichtig. Entscheidend ist wiederum aber auch, dass man zum richtigen Zeitpunkt nie den Fokus verliert. Und das, so denke ich, bekomme ich immer ganz gut hin.

Sie sind mit Ihrem alten Berliner Teamkollegen Paul Drux in einem Zimmer. Wie geht er damit um, wenn Sie auf der Terrasse den Bluetooth-Lautsprecher aufstellen und die Hymne von Union Berlin oder den Song Freiheit von Marius Müller-Westernhagen abspielen?

Paul habe ich damit erst einmal in die Union-Welt eingeführt. Ich würde sagen: Er ist jetzt schon mal Sympathisant der Eisernen. Und Müller-Westernhagen? Das weiß ich nicht. Paul ist musiktechnisch eher neutral aufgestellt.

Sie haben seit Freitag schon 45 WM-Spiele in Ihrer Karriere absolviert. Bei dieser Weltmeisterschaft könnten Sie auf 50 Einsätze kommen. Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle im Team?

Ganz egal, ob jung oder alt, ob wenige oder viele Länderspiele – was zählt, ist, dass wir als Mannschaft gut auftreten. Und da gehören natürlich auch ein paar erfahrene Akteure dazu, die die Abläufe bei solch einem Turnier kennen und die jungen Spieler ein bisschen an die Hand nehmen. Allerdings sollte man auch das nicht überinterpretieren. Denn: Keiner, der in der deutschen Handball-Nationalmannschaft spielt, ist wirklich unerfahren.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihren ersten WM-Auftritt? Kleine Hilfe: Es war 2009, eine Hauptrundenbegegnung gegen Norwegen.

Eigentlich nur an Heiner Brand. Wie er mit erhobener Faust stampfend auf den Schiedsrichter zuläuft und ihm zeigt, was er von dessen Entscheidung in der Schlusssekunde gehalten hat, die Zeit nicht angehalten zu haben.

Und wenn Sie noch etwas länger darüber nachdenken?

Ich erinnere mich noch daran, dass wir damals eine gute Chance hatten, das Spiel zu gewinnen. Aber das ist Vergangenheit. Meine ganze Konzentration liegt nun auf der Weltmeisterschaft in Ägypten. Und da haben wir mit unserem Team noch einiges vor. (Björn Mahr)

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