"Ständige Trainerentlassungen sind nicht unser Weg“

Kassel Huskies: Geschäftsführer Joe Gibbs stärkt Trainer Rico Rossi den Rücken

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Huskies-Trainer Rico Rossi.

Kassel. Es war ein phasenweise deprimierender Abend in Kassels Eishalle. Die Ränge spärlich besetzt. Die Stimmung schwankend zwischen Ärger, Hohn und Hoffnung.

Auf dem Eis eine Mannschaft, die einen Auftritt zwischen katastrophalen Fehlern, der verzweifelten Suche nach Form, Linie, Selbstvertrauen und Phasen kurzzeitiger Steigerung hinlegte. Am Ende blieben vor allem Zahlen des Misserfolgs: Eine 5:7-Niederlage gegen Ravensburg, der Verlust des mit Blick auf die Playoffs so wichtigen vierten Tabellenplatzes, fünf von neun Spielen im neuen Jahr verloren. Das ist nicht desaströs, aber eben deutlich zu wenig für ein Team mit den Ansprüchen der Kassel Huskies.

Und ja, das ist eine Krise und die erste richtig schwere Phase in der Amtszeit von Rico Rossi. Dem Trainer schlägt Jahr für Jahr von einem Teil der Huskies-Fans ungewöhnlich heftige Kritik entgegen. Seine sportliche Bilanz, gekrönt vom Meistertitel 2016, gab da stets die passende Antwort. Am Freitag gab es Kritik auch offen in der Halle. Auf dem Heuboden hielten einige Fans die Zeile „Rossi Raus“ in die Höhe, es gab Rufe und Sprechchöre gegen den Trainer. Vor allem aber war es häufig fast gespenstig still.

Geschäftsführer Gibbs: Läuft nicht so wie wir es geplant haben"

Joe Gibbs

Rossi selbst sagt: „Natürlich verstehe ich die Fans. Was wir derzeit zeigen, ist nicht unser Anspruch.“ Genauso sieht es Joe Gibbs: „Es läuft nicht so wie wir es geplant haben. Der Ärger der Fans ist deshalb natürlich berechtigt.“ Aber er sagt auch: „Wir werden nichts schönreden, aber auch nicht alles schlecht.“ Und: Der Geschäftsführer gibt seinem Trainer klipp und klar Rückendeckung: „Ich stehe voll hinter Rico. Ständige Trainerentlassungen wie im Fußball sind nicht unser Weg.“

Mannschaft ist verunsichert

Viel Arbeit aber bleibt für Rossi. Sein Team ist verunsichert. Das beste Beispiel lieferte Markus Keller mit zwei kapitalen Böcken, die zu einem denkwürdig frühen Torhüterwechsel in der vierten Minuten führten. Die Nummer eins der letzten beiden Spielzeiten kommt mit der Rotation dieser Saison offenbar nicht zurecht. Und seine Vorderleute tappen derzeit immer wieder in die Falle, die das System des risikoreichen Forecheckings und hohen Aufrückens birgt. Sie kassiert Tor und Tor nach Kontern. Rossi stellt das System deshalb aber nicht infrage. Er sagt: „Es werden zu viele falsche Entscheidungen getroffen. Die Jungs sind verkrampft. Statt der einfachen Lösungen nehmen Sie die komplizierte.“ In intensivem Videostudium will er das seinen Spielern demonstrieren.

Höhen und Tiefen im Spiel gegen Ravensburg

Material dafür lieferte das Ravensburg-Spiel in Hülle und Fülle. Beispielsweise Toni Ritters schlimmen Querpass vor dem 0:3, als die gesamte Mannschaft in der Vorwärtsbewegung war. Sogar James Wisniewski, mit den Gedanken irgendwie schon bei Olympia, lieferte einige solcher Beispiele.

Es gab aber auch andere Phasen des Spiels. Im Mitteldrittel etwa, als die Gastgeber dem Ausgleich nah waren. Um am Ende wurde die häufig geäußerte Behauptung, Rossi erreiche seine Mannschaft nicht, widerlegt. Als der Trainer fast fünf Minuten vor Spielende eine Auszeit nahm und dann den Torhüter vom Eis holte, da erntete er Hohn und Spott. Klar, es stand 3:6. Etwas seltsam mutete das an. Doch seine Mannschaft verstand das Signal, verkürzte auf 5:6, drückte auf den Ausgleich. Plötzlich war es wieder da, das Huskies-Gefühl. Auch auf den Rängen. Was fehlte, war das Happy End. Das wäre an diesem missratenen Abend aber auch des Guten zu viel gewesen.

Kassel Huskies gegen Ravensburg Towerstars

Quelle: HNA

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