Eine besondere Beziehung im Spitzenhandball: MT-Trainer Michael Roth und HSV-Präsident Martin Schwalb

Aus Kollegen wurden Freunde

Hilft Michael Roth, wann immer er gebraucht wird: Martin Schwalb (Präsident des HSV Hamburg). Foto: dpa

Melsungen/Hamburg. Mit Freundschaften im Spitzensport ist das so eine Sache. Oft gilt: Aus den Augen - aus dem Sinn. Doch es geht auch anders. Wie im Fall der beiden früheren Handball-Nationalspieler Michael Roth und Martin Schwalb, zwischen denen der Kontakt selbst nach mehr als drei Jahrzehnten nie abgerissen ist.

„Diese Verbindung ist etwas ganz Besonderes“, sagt Roth. Jede Woche telefonieren der Trainer des Bundesligisten MT Melsungen und Schwalb miteinander. Und reden über Gott und die Welt. Zum einen über die Erfolge des HSV Hamburg, bei dem „Schwalbe“ nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Frühling den Job des Coachs für die Tätigkeiten als Präsident und Geschäftsführer aufgegeben hat. Natürlich auch über ihr Wiedersehen am kommenden Samstag, wenn die MT ab 20.15 Uhr (O2 World Arena) in der Hansestadt beim HSV zu Gast ist.

Kann sich auf Martin Schwalb hundertprozentig verlassen: MT-Trainer Michael Roth. Foto: Fischer/nh

Zum anderen aber auch über Privates. Schwalb erfuhr 2009 als einer der ersten davon, als Michael Roth und dessen Zwillingsbruder Uli an Prostata-Krebs erkrankten. „Das war ein Schock. Mein zweiter Gedanke war: Wie kann ich helfen?“, erzählt Schwalb. Er kümmerte sich sofort darum, dass sein Trainer-Kollege und guter Freund einen Termin bei einem Spezialisten in Hamburg bekam. „Martin“, betont Roth, „hat mir in dieser Zeit sehr geholfen.“ Kein Wunder also, dass er und sein Bruder auf die Unterstützung Schwalbs in ihrem Buch „Unser Leben - unsere Krankheit“ eingingen.

Zusammen verreisen

Ihr letztes Treffen liegt noch keine vier Wochen zurück. Der Anlass war kein schöner: die Trauerfeier für die verstorbenen Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe. Dabei fiel Roth (49 Jahre) und Schwalb (48) etwas auf: „Wir sind die einzigen verbliebenen, die man aus unserem Jahrgang noch so trifft.“ Ihr größter gemeinsamer Erfolg war der Gewinn von Olympia-Silber 1984 in Los Angeles. Von 1986 bis 1988 agierten sie Seite an Seite im Rückraum des TV Großwallstadt. Kennengelernt hatten sich Roth, aus Heidelberg stammend, und der gebürtiger Stuttgarter Schwalb bereits in den Jugend-Nationalmannschaften. Heute verbringen sie und ihre Familien den Urlaub zusammen.

Dass Schwalb mittlerweile nicht mehr als Handball-Lehrer des HSV fungiert, kann Roth durchaus verstehen: „Als Trainer musst Du immer flexibel bleiben. Aber Martin fühlt sich in Hamburg so wohl, dass er da noch lange bleiben möchte.“ Da sind die Aussichten als Präsident und Geschäftsführer etwas günstiger.

Andererseits hatte Schwalbs berufliche Veränderung durchaus Auswirkungen auf seine Kontaktpflege zu Roth. „Der Martin“, so Roth schmunzelnd, „ruft mich inzwischen immer öfter am Wochenende an.“ Klar, während „Schwalbe“ als Coach selbst an Sams- und Sonntagen den für ein Bundesliga-Spiel üblichen Stress hatte, kann er nun dann etwas häufiger entspannen und sich um die Dinge kümmern, für die er nun von Montag bis Freitag nicht mehr so viel Zeit hat - um die eigene Familie und Freunde. Wozu eben auch Roth gehört.

Von Björn Mahr

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare