Cramers Vertrag wurde angepasst

KSV Hessen Kassel steigt aus Regionalliga ab - Trainer bleibt

Kassel. Das Wunder ist ausgeblieben: Der KSV Hessen Kassel steigt aus der Fußball-Regionalliga Südwest ab und spielt nur noch fünftklassig. Trainer Tobias Cramer bleibt weiter Trainer.

Aktualisiert um 17.23 Uhr - Am Tag, an dem der Abstieg endgültig besiegelt war, gab es auch eine gute Nachricht beim KSV Hessen Kassel: Tobias Cramer wird auch in der Fußball-Hessenliga Trainer der Löwen bleiben. Das gab der Klub am Sonntag während einer Pressekonferenz bekannt. Die fand statt zu einem Zeitpunkt, als die Aufstiegsspiele zur Dritten Liga noch nicht begonnen hatten. Die Resthoffnung lebte da noch. Vier Stunden später aber stand der sportliche Sturz in die Fünftlassigkeit fest.

DER ABSTIEG 

Es hätte ja ohnehin mehr als ein kleines Wunder passieren müssen. Es passierte nicht. Die beiden Vertreter der Südwest-Staffel, der 1. FC Saarbrücken und Waldhof Mannheim, scheiterten in den Aufstiegsspielen zur Dritten Liga. Beide hätten durchkommen müssen, um den KSV zu retten. Das schien schon nach den Niederlagen in den Hinspielen unmöglich. 

Saarbrücken allerdings, das die erste Partie 2:3 verloren hatte, lag am Sonntag bei 1860 München 2:0 vorn. Sascha Mölders (66.) per Foulelfmeter und Simon Seferings (83.) glichen aber aus und ließen die Münchner jubeln. Die Partie in Mannheim gegen Uerdingen wurde kurz vor dem Ende abgebrochen. Die Gäste hatten nach dem 1:0 im Hinspiel 2:1 geführt. Neben dem KSV ist so auch Koblenz abgestiegen. Tobias Cramer hatte vorher schon nicht mehr an ein Wunder geglaubt: „Es hat für uns trotz der starken Rückrunde nicht gereicht“, sagt er. Dritter Aufsteiger in die Dritte Liga ist Energie Cottbus (0:0 gegen Flensburg). 

Spielabbruch in Mannheim

Beim Stand von 1:2 brach Schiedsrichter Patrick Ittrich nach langer Unterbrechung das Relegationsrückspiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem KFC Uerdingen ab. Grund dafür waren Rauchbomben, Raketen und Böllerschüsse auf den Tribünen des Mannheimer Carl-Benz-Stadions. Weil immer wieder neue Knallkörper von Mannheimer Anhängern gezündet wurden, beorderte Ittrich die Spieler nach 89 Minuten in die Kabinen. Uerdingen hatte das Hinspiel 1:0 gewonnen. Mannheim hat bereits in den vergangenen beiden Jahren den Aufstieg in die 3. Liga in der Relegation verpasst.

DER AUSBLICK 

„Wir haben so auch gleich einen Trainer für den Fall der Regionalliga-Rückkehr“, sagt Rose lachend mit Blick auf die Vertragsmodalitäten Cramers. Und gibt damit zugleich die Zielsetzung für die Fünftklassigkeit vor. Auch Cramer erklärt: „Wir wollen das wieder geraderücken.“ 

Der sofortige Wiederaufstieg soll es also sein. Angesichts starker Konkurrenz wie Watzenborn-Steinberg und der fusionierten Klubs Fulda und Lehnerz wird das kein Selbstläufer. Die Kaderplanung wird nach dem Abstieg nun schwer. Nach Sergej Schmik scheinen auch die Abgänge der Innenverteidiger Cedric Mimbala und Lucas Albrecht sicher. Albrecht liegen konkrete Drittliga-Angebote vor. Neben Frederic Brill und Sascha Korb könnte es auch schwer werden, die Nachwuchs-Leute Steven Rakk und Brian Schwechel zu halten. 

Gerade dieses Duo liegt Cramer mit Blick auf die regionale Ausrichtung sehr am Herzen. „Viel Urlaub wird das nicht“, sagt er angesichts der anstehenden Personalien. Jens Rose verspricht unterdessen: „Wir nehmen die Hessenliga an. Wir freuen uns auf die Spiele gegen Baunatal und Lohfelden“. Und er hofft, „dass die Fans uns weiter so großartig unterstützen. Sie sind derzeit unser wichtigstes Kapital und größter Sponsor“.

Cramers Vertrag wurde angepasst

Tobias Cramer wird auch nach dem Abstieg Trainer des KSV Hessen Kassel bleiben. Das gab der Klub am Sonntag während einer Pressekonferenz bekannt und bestätigte damit die Berichterstattung unserer Zeitung vom Samstag. "Ich gehe mit dem KSV auch in die Hessenliga", sagte Cramer und bedankte sich für das Vertrauen von Vorstand und Aufsichtsrat. 

Nun wurde es bestätigt: Tobias Cramer bleibt weiterhin KSV-Trainer.

Der Vertrag des Coaches musste dafür modifiziert werden. Ursprünglich lief dieser bis 2020, galt aber nur für die Regionalliga. Für die Saison 2018/19 ist nun auch die Hessenliga eingearbeitet, in der Cramer ebenfalls als Vollzeittrainer arbeiten wird. Zusätzlich wurde seine Kompetenz um die Zuständigkeit für den gesamten Jugendbereich erweitert. 

"Wir haben so auch gleich einen Trainer für den Fall des Wiederaufstiegs", scherzte Vorstandsmitglied Jens Rose. Und fügte an: "Wir freuen uns, dass Tobias Cramer den Weg weiter mit uns geht." 

Der KSV Hessen Kassel: Chronik des Abstiegs

17. April 2017: Ostermontag. Der KSV Hessen empfängt im Auestadion die TuS Koblenz. Ein erneuter Appell der Vereinsführung, ein Zeichen für den Regionalliga-Fußball zu setzen, entfacht eine Diskussion unter den Fans. Der KSV verliert das Heimspiel gegen Koblenz mit 1:2.

23. April 2017: Offenbach und Kassel trennen sich 2:2.

25. April 2017: "Wie steht es finanziell wirklich um den KSV Hessen Kassel?", fragt die HNA in ihrer Ausgabe. Immer wieder ist auch eine Insolvenz Thema in der Diskussion. Sportlich steht der KSV gut da. Die Mannschaft ist weit weg von den Abstiegsplätzen.

27. April 2017: Der Verein macht seine Finanznot öffentlich. Neben langfristigen Darlehen in Höhe von etwa 1,1 Millionen Euro belasten den Fußball-Regionalligisten kurzfristige Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 400.000 Euro. Eine Insolvenz hat der Klub noch nicht angemeldet.

29. April 2017: "Löwen geben niemals auf". Fans des Regionalligisten marschieren durch die Kasseler Innenstadt zum Rathaus, um für den Erhalt ihres Vereins zu demonstrieren. Etwa 200 Fans waren dabei. Das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart II verliert der KSV mit 0:4.

Im Mai 2017: Fans und Sympathisanten organisieren Spendenaktionen für den nordhessischen Verein.

5. Mai 2017: Der KSV verliert bei Wormatia Worms mit 1:0.

13. Mai 2017: Im letzten Heimspiel der Saison trennen sich der KSV Hessen und Astoria Walldorf 1:1. Mit Tobias Damm und Henrik Giese verlassen zwei Aushängeschilder den Verein. Damm wechselt als Co-Trainer an die Seitenlinie, Giese wechselt zum Hamburger SV.

17. Mai 2017: Der KSV werde in dieser Saison keinen Insolvenzantrag mehr stellen, teilt der Klub mit.

20. Mai 2017: Das letzte Saisonspiel verliert der KSV Hessen in Saarbrücken mit 1:2. Mit 49 Punkten und 41:49-Toren beenden die Nordhessen die Spielzeit auf dem zehnten Rang.

11. Juni 2017: Der KSV Hessen Kassel erhält für die Spielzeit 2017/2018 die Zulassung ohne Auflagen. Ob der KSV dort tatsächlich spielen kann, ist ungewiss.

13. Juni 2017: Nach den Konkursen 1993 und 1997 stellt der KSV Hessen Kassel zum dritten Mal einen Insolvenzantrag. Mit etwa 2,5 Millionen Euro Schulden ist der KSV nun zahlungsunfähig.

17. Juni 2017: Der KSV teilt mit: Der Spielbetrieb ist vorerst gesichert. Die Planungen für die neue Saison laufen, der Trainingsbetrieb kann starten.

19. Juni 2017: Trainingsauftakt beim KSV mit den Neuzugängen.

21. Juni 2017: Die Regionalliga Südwest belegt den KSV Hessen Kassel aufgrund des Insolvenzverfahrens mit einem Abzug von neun Punkten.

29. Juni 2017: Mit einem 2:1-Sieg gegen Waldhof Mannheim startet der KSV Hessen Kassel in die Spielzeit 2017/2018.

28. August 2017: Die Mannschaft zeigt Kämpferherz und Moral: Das schreibt die HNA in eine erste Zwischenbilanz der Saison. Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel hat nach sechs Spieltagen zehn von 16 möglichen Zählern geholt. Der Abzug von neun Punkten in Folge des Insolvenzantrages ist damit aufgeholt.

1. September 2017: Das Insolvenzverfahren des KSV Hessen Kassel wird eröffnet.

13. November 2017: Nach einer 1:3-Niederlage in Stadtallendorf beendet der KSV Hessen Kassel die Hinrunde der Regionalliga als Letzter. Schwächen in der Abwehr, zu wenig Tore. Die Gründe für die brenzlige Situation sind vielfältig.

16. Januar 2018: Der KSV ist schuldenfrei: Um 11.14 Uhr steht fest, der Insolvenzplan des KSV wurde einstimmig angenommen. Somit ist der Verein nun wieder schuldenfrei.

7. März 2018: Kaum zu glauben, aber wahr: Seit nun mehr einem halben Jahr ist der KSV in der Regionalliga ohne Sieg. Am 2. September gelang gegen Steinbach ein 3:0. Gegen die TSG Hoffenheim II gelingt der lang ersehnte 2:1-Sieg. Der KSV startet danach eine Aufholjagd.

20. April 2018: Der dritte Sieg in Folge war zum Greifen nah. Doch in einer turbulenten Schlussphase hat Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel bei Wormatia Worms noch den bitteren Ausgleich kassiert.

25. April 2018: Abstiegskampf in der Regionalliga: Neben dem KSV bangen fünf weitere Mannschaften um den Verbleib in der Regionalliga.

5. Mai 2018: Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel hat den Abstiegskrimi in Koblenz verloren. Nach dem 0:1 (0:1) in einem dramatischen Spiel können die Nordhessen den Klassenerhalt aus eigener Kraft nicht mehr schaffen.

12. Mai 2018: Was für eine wilde Fahrt am letzten Spieltag im Auestadion. 2:0 geführt, Ausgleich kassiert und am Ende mit 3:2 Stadtallendorf geschlagen. Das große Zittern geht los.

21. Mai 2018: Der KSV Hessen Kassel verliert das Hessenpokalfinale gegen den TSV Steinbach mit 0:2. Mit einem Sieg hätte der KSV am DFB-Pokal teilnehmen können.

24. Mai 2018: Damit der KSV in der Regionalliga bleiben kann, müssen der 1. FC Saarbrücken und Waldhof Mannheim die Aufstiegsrelegation gewinnen. Die Hinspiele verlieren beide. Saarbrücken unterliegt 1860 München 2:3, Mannheim verliert 0:1 bei Uerdingen.

27. Mai 2018: Das Wunder bleibt aus: Der KSV steigt ab. Mannheim und 1860 können die Relegationsrückspiele nicht mehr drehen.

Quelle: HNA

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