KSV-Präsident Rose: "Starker Umbau steht bevor"

Kassel. Dem Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel steht ein starker personeller Umbau bevor. Das kündigte Präsident Jens Rose im Interview mit unserer Zeitung an.

Herr Rose, der KSV gibt derzeit kaum Anlass zur Freude: Das Ziel Aufstieg ist verspielt, der Fußball schlecht, die Fans bleiben aus. Sind Sie sehr frustriert?

Rose: Eigentlich nicht. Man muss eben auch seine Grenzen kennen und akzeptieren, dass Geld doch Tore schießt. Tabellenführer Aalen hat einen Etat, der zweieinhalbmal so hoch ist wie unserer. Da durfte niemand davon ausgehen, dass wir automatisch aufsteigen. Wir wissen, dass der Weg ein schwieriger ist und dass solche Phasen dazugehören.

Zu dem schwierigen Weg gehört auch, dass es finanziell nicht sonderlich rosig aussehen soll.

Rose: Durch den Rückgang der Zuschauerzahlen, den Wegfall von alten Sponsoren und vor allem auch den Wegfall der Haupttribüne im Auestadion fehlt uns Geld. Auch wenn wir einiges an Siegprämien eingespart haben: Da müssen wir gegensteuern, indem wir neue Sponsoren auftreiben und uns womöglich von dem ein oder anderen Spieler trennen, der nicht ins Gehaltsgefüge passt.

Die Rede ist von einem Defizit von 300 000 Euro.

Rose: So viel ist es nicht. Aber den Betrag werde ich erst auf der Jahreshauptversammlung bekanntgeben. Da müssen wir auch über Möglichkeiten sprechen, wie wir den Etat um zehn bis 15 Prozent kürzen, ohne dass es uns wehtut. Klar ist: Wenn es schwierig wird, rücken wir zusammen.

Werden dann  auch die Ziele für die kommende Saison zurückgeschraubt?

Rose: Auch in der nächsten Saison wird es nur ein Ziel geben: den Aufstieg. Wir werden es wieder versuchen. Und wenn alles so bleibt, stehen die Chancen nicht schlecht. Es sieht nicht so aus, dass ein Absteiger aus der Dritten Liga zu uns in die Regionalliga kommt und dass andere Vereine groß aufrüsten werden. Im Gegenteil.

Apropos Aufrüsten. In der Winterpause hat der KSV allenfalls Ergänzungsspieler verpflichtet. War die Personalpolitik da zu vorsichtig?

Rose: Ich kann jeden Fan verstehen, der das vermutet. Aber nur wir können beurteilen, welches finanzielle Risiko wir eingehen können. Wir haben bis zur Verpflichtung von Markus Unger am Anfang der Saison auf vier Positionen nachgebessert. Mehr konnten wir nicht machen. Alles andere wäre fahrlässig gewesen. Und wenn es mit diesem Kader nicht reicht, reicht es eben nicht.

Nichtsdestotrotz wird die Mannschaft in der kommenden Saison ein anderes Gesicht haben?

Rose: Es steht ein starker Umbau bevor, ja. Das heißt auch, dass wir uns von einigen Spielern trennen werden, die eigentlich noch einen Vertrag haben, ohne dass ich hier einen Namen nennen werde.

Das heißt: Schluss mit lustig?

Rose: Wir müssen uns schon die Frage stellen, ob nicht auch der Verein an sich zu lieb und es bei uns insgesamt zu kuschelig war. Es ist ja schon auffällig, dass uns die Aggressivität fehlt, sobald der Anpfiff ertönt und dass der letzte Biss nicht vorhanden ist, sobald es nicht von allein läuft. Die Mannschaft ist in der Lage, ein schönes 5:0 zu erreichen, aber kein dreckiges 1:0. Das ist das Problem.

Und deshalb gibt der Verein einen härteren Kurs vor?

Lesen Sie auch:

Es geht um die Verträge

KSV: Sorgen um Suslik

Rose: Vielleicht ist ein Umdenken erforderlich: Es darf eben nicht nur alles harmonisch sein, um das Ziel zu verwirklichen. Und deshalb müssen wir schauen, wer uns in der nächsten Saison weiterhilft und wer nicht.

Dann verraten Sie uns doch zumindest, auf wen Sie auf alle Fälle bauen wollen?

Rose: Natürlich hoffen wir, dass die Achse mit Marcel Stadel in der Abwehr, Enrico Gaede und Markus Unger im defensiven und Kevin Wölk im offensiven Mittelfeld sowie Thorsten Bauer bestehen bleibt. Aber wenn diese Spieler Angebote von höherklassigen Vereinen annehmen, dann haben wir damit auch keine Probleme. Es ist genügend Ersatz auf dem Markt, weil viele Vereine ihre Personalkosten senken wollen.

Und der Trainer bleibt Mirko Dickhaut?

Rose: Ja, er macht seinen Job ordentlich und anständig und kümmert sich um viele Dinge fernab der Trainingsarbeit.

Was muss sich dann neben dem Umbau der Mannschaft ändern?

Rose: Gar nicht so viel. Denn es ist ja nicht so, dass wir in diesem Jahr nichts schaffen würden. Die Rahmenbedingungen verbessern sich. Die Haupttribüne wird im Herbst stehen, das neue Vereinsheim im nächsten Jahr. Dann werden wir auch auf dem Kunstrasenplatz unter Flutlicht trainieren können.

Das bedeutet: Sollten wir den Sprung in die Dritte Liga mal schaffen, werden wir die Infrastruktur dafür haben. Bis dahin muss der KSV aber noch in einer unattraktiven Regionalliga spielen.

Rose: Das ist durchaus ein Problem. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Liga attraktiver machen, wenn es der Deutsche Fußball-Bund nicht macht. Die zweiten Mannschaften und die Kunstgebilde wie Sonnenhof Großaspach stehen im Widerspruch zu dem, was den Fußball ausmacht: Emotion und Leidenschaft.

Von Frank Ziemke und Florian Hagemann

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare