Nach dem 0:3 in Hoffenheim ist der KSV bemüht, die Pleite nicht überzubewerten

Mayer versteckt sich nicht

Getümmel vor dem Hoffenheimer Tor: Wie in dieser Szene schaffte es der KSV am Freitagabend nicht, den Ball im Gehäuse der Hoffenheimer unterzubringen. Hier versuchen es Enrico Gaede (rotes Trikot, Nummer acht) und Michael Zepek. Foto: Eibner

Hoffenheim. Als alles gerichtet war und der Bus abfahrbereit auf dem Parkplatz stand, fehlte nur noch einer. „Wo ist der Bobo?“, war eine der häufigsten Fragen knapp eine Stunde nach Abpfiff im Dietmar-Hopp-Stadion. Nach der 0:3-Niederlage bei 1899 Hoffenheim II wollten Spieler und Betreuer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel eigentlich nur noch nach Hause. Aber Bobo war nicht aufzufinden.

Es hätte ja einen Grund gegeben für ihn, sich zu verstecken an diesem Abend: Er war es, der das Spiel entscheidend beeinflusst hatte. Beim Stand von 1:0 für die Gastgeber scheiterte er mit einem Strafstoß an Hoffenheims Torhüter Jens Grahl – eine Schlüsselszene.

Da es sich bei Bobo aber um Andreas Mayer handelt, musste wirklich niemand damit rechnen, dass der Ex-Hoffenheimer tatsächlich in einen der hintersten Winkel des kleinen Kraichgau-Örtchens geflüchtet war. Denn ein Bobo versteckt sich nicht. Und vor allem redet er sich nicht heraus: „Ich bin selbstkritisch genug, um zu sagen: Wenn ich treffe, geht die Partie anders aus“, erklärte er am Sonntag, als sich längst wieder gefunden hatte, was zusammengehört. Und Mayer meinte damit nicht, dass Kassel dann eben 1:3 verloren hätte.

Er gehört schließlich zu der großen KSV-Gruppe, die aus der zweiten Niederlage in dieser Saison kein Drama machen und das eigene Spiel nicht so schlecht sehen will, wie es das Ergebnis vielleicht vermuten lässt. „Uns hat das Quäntchen Glück gefehlt“, erklärte Ken Asaeda, der selbst mit einem Handspiel den Strafstoß vor der Hoffenheimer Führung verursacht hatte. Und KSV-Trainer Mirko Dickhaut befand: „Das hört sich jetzt vielleicht doof an, aber das Resultat ist viel zu hoch.“

Ist es auch. Und es ist keineswegs so, dass Hoffenheim den Spitzenreiter zerlegt hätte, wie es die örtliche Zeitung am nächsten Tag schrieb. Allerdings bleibt festzuhalten: Unverdient ist der Hoffenheimer Sieg nicht. Vor allem erlaubten sie sich nicht so viele Auszeiten wie der KSV. Die Kraichgauer wirkten zu Beginn einer jeden Halbzeit wacher, sie nutzten die Unsicherheiten in der Kasseler Abwehr und sie profitierten bei der entscheidenden Szene davon, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Zumindest feierten sie den gehaltenen Elfmeter als Folge einer umfangreichen Videoanalyse. Der Torhüter habe einen Hinweis bekommen, wohin Mayer schieße, erklärte Trainer Markus Gisdol nachher.

Ernsthafter Konkurrent

Er räumte auch mit dem Irrtum auf, Hoffenheim habe nur den Klassenerhalt als Saisonziel. „Ich habe immer gesagt, dass wir uns in der Regionalliga etablieren wollen.“ Das klingt etwas anders. Mehr und mehr entpuppt sich das Team als harter KSV-Konkurrent im Kampf um den Drittliga-Aufstieg.

Andreas Mayer will von alledem nichts wissen. „Wir müssen uns auf uns konzentrieren, und das tun wir auch.“ Außerdem: Er werde auch weiter Elfmeter schießen. Nur nächsten Samstag gegen 1860 München II nicht, da ist er nach der fünften Gelben Karte gesperrt.

Bleibt noch eine Frage: Wo war er denn nun kurz vor der Abfahrt, der Bobo? „Ich habe ja da noch alte Freunde“, sagte er, „mit denen habe ich noch gequatscht. Aber ich hatte den Bus immer im Auge.“ Er hatte ihn sich besser ausgeguckt als den Torwart beim Elfmeter.

Von Florian Hagemann

Quelle: HNA

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