Nach der emotionalen Versammlung: Mehr Miteinander beim KSV?

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Werden sie zusammenstehen für die Löwen? Der KSV-Aufsichtsrat mit (von links) Dr. Frank Walter, Frank Greizer, Matthias Uffelmann (neu gewählt), Wolfgang Linnenbrink, Jochen Gabriel und Dirk Lassen.

Kassel. Die Jahreshauptversammlung des KSV Hessen Kassel ist vorbei – doch ist nun alles geklärt? Fragen und Antworten rund um den KSV Hessen Kassel.

Mitglieder äußerten die Befürchtung, der Verein müsse bald Insolvenz anmelden. Wie ist die finanzielle Lage?

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Da die Einnahmen durch weniger Spenden im Jugendbereich und vor allem durch einen sinkenden Umsatz bei den Tageskarten zurückgegangen sind, muss sich der Verein konsolidieren, erklärte KSV-Vorstand Klaus Schüttler. Derzeit halten den KSV kurzfristige Darlehen des Aufsichtsrates und anderer Vereinsmitglieder am Leben. Schüttler machte deutlich, dass für die Sicherung der künftigen Liquidität die Verlängerung dieser Darlehen notwendig sei. Das sei nichts Außergewöhnliches und auch in den vergangenen Jahren so gehandhabt worden (siehe auch Bericht unten).

Welche Auswirkungen hat ein geringerer Etat?

Es steht weniger Geld für das Personal zur Verfügung. Deshalb soll der Kader verkleinert werden auf 15 Feldspieler und zwei Torhüter. Jens Rose erklärte, man wolle lieber in Qualität investieren. Sollte es doch noch überraschende Einnahmen geben, könnte der Kader noch aufgestockt werden. Hätte, wenn und aber: Vorerst hat die Kaderplanung zur Folge, dass der Aufstieg wohl nicht als Ziel ausgegeben wird.

Dirk Lassen und Wolfgang Linnenbrink haben trotz Entlastung einen Denkzettel bekommen, bleiben aber ganz normal im Aufsichtsrat. Werden sie auch weiter so in Erscheinung treten wie bisher?

Damit ist nicht zu rechnen, da die Einflussreichen beim KSV mittlerweile wieder im Vorstand sitzen. Sie heißen Jens Rose und Bernd Mart. Das wurde auf der Jahreshauptversammlung am Mittwoch mehr als deutlich. Erst nach ihren Wortbeiträgen sind Lassen und Linnenbrink überhaupt entlastet worden. Beide werden deshalb in Zukunft dem Vorstand kaum widersprechen oder ihm vorschreiben, wie er die Geschicke des Klubs zu lenken hat. Anders also als zu Zeiten des Geschäftsführers Giuseppe Lepore, der einerseits vom Aufsichtsrat getrieben wurde, anderseits selbst auch die Konfrontation suchte. Lassen und Linnenbrink werden nun automatisch in den Hintergrund gedrängt. Eine Personalentscheidung dieses Gremiums wie die Verpflichtung des Sportlichen Leiters Rüdiger Abramczik wird es so kaum noch geben.

Mit Matthias Uffelmann hat der Aufsichtsrat ein neues Mitglied. Welches Signal geht von dieser Personalie aus?

Der Kasseler Wirtschaftswissenschaftler Uffelmann ist der Kandidat der Fan-Initiative „Perspektive KSV“, die mit der einstimmigen Wahl Uffelmanns einen Sieg gefeiert hat. Somit hat die Entscheidung auch einen nicht zu unterschätzenden Symbolwert: Auch wenn die Fan-Initiative ihr Ziel nicht erreicht hat, die Aufsichtsräte Lassen und Linnenbrink aus dem Amt zu drängen, so kann sie doch für sich verbuchen, dass der Verein auf sie zugeht. Dazu passt, dass Jens Rose ankündigte, ein Fan-Gremium gründen zu wollen. Bei all der Disharmonie am Mittwoch gab es während der Veranstaltung auch erste Hinweise darauf, dass eintritt, was Rose zu Beginn forderte: „Wir müssen wieder mehr miteinander reden, nicht übereinander. Das können wir schaffen.“

Wie geht es weiter mit Trainer Uwe Wolf?

Auffallend war, dass Jens Rose den Trainer fast überschwänglich für seine akribische Arbeit lobte. Ein solches Bekenntnis zum Trainer war zuvor ausgeblieben. Wolf sagte am Mittwoch nichts – was womöglich besser für ihn war. Sollte er eingesehen haben, dass der Verein die Linie vorgibt und nicht er, dann könnte es doch eine Zukunft für ihn in Kassel geben – zumal der Sportliche Leiter Rüdiger Abramczik vor dem Aus steht. Es ist kein Geheimnis, dass sich Wolf und Abramczik nicht wirklich gut verstehen.

Von Frank Ziemke und Florian Hagemann

Quelle: HNA

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