„Unsere Enttäuschung überlagert alles“

Nach frühem Aus der Kroaten: Melsunger Handball-Profi Marino Maric zieht WM-Bilanz

Kroatiens Kreisläufer Marino Maric setzt sich in dieser Szene gegen zwei dänische Gegner durch.
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Oft nicht zu stoppen: Kroatiens Kreisläufer Marino Maric (vorn) setzt sich in dieser Szene gegen zwei dänische Gegner durch.

Mit dem Melsunger WM-Teilnehmer Marino Maric blicken wir auf das enttäuschende Abschneiden der kroatischen Handballer bei der Weltmeisterschaft in Ägypten.

Kassel – Nicht nur die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat ihr Ziel bei der Weltmeisterschaft in Ägypten verfehlt: Auch Vize-Europameister Kroatien verpasste den Einzug ins Viertelfinale. An Marino Maric vom Bundesligisten MT Melsungen lag es nicht: Der 30-Jährige setzte als Kreisläufer viele Akzente und war mit 26 Toren bei sechse Spielen bester Werfer seiner Mannschaft.

Bevor er in der kommende Woche wieder ins Training bei der MT einsteigt, darf er sich noch ein paar Tage ausruhen. Zurzeit weilt er mit seiner Familie in Kroatiens Hauptstadt Zagreb. Dort haben wir auch gestern telefonisch erreicht.

Marino Maric über …

seine eigene Leistung: „Ich habe mich gut gefühlt und habe auch sehr ordentlich ins Turnier gefunden. Ich kann aber leider nicht sagen, dass ich mich darüber besonders freuen kann. Unser enttäuschendes Abschneiden im Team überlagert doch alles. Wir haben seit 20 Jahren nicht mehr so schlecht bei einem großen Turnier abgeschnitten.“

den Verlauf der Weltmeisterschaft: „Ich war als junger Handballer schon mal bei den Mittelmeerspielen in Ägypten. Deswegen war für mich einiges nicht ganz neu - wie beispielsweise die ägyptische Küche. Auch, dass wir von zehn Polizeiwagen eskortiert wurden, war kein Überraschung. Ich finde, dass der WM-Gastgeber das Bestmögliche für die Sicherheit getan hat. Was bei einer Mega-Stadt wie Kairo nicht ganz leicht ist. Das Leben in der WM-Blase war in Ordnung, aber auch kein Vergnügen. Wir hatten wirklich kaum Freiheiten. Wir durften auch nicht zuschauen, wenn unsere Gegner vor oder nach uns in der gleichen Halle gespielt haben.“

den Rücktritt von Trainerlegende Lino Cervar: „Das war sicher nicht geplant und kam für die gesamte Mannschaft überraschend. Lino Cervar geht nach dieser WM dennoch als erfolgreichster Coach Kroatiens in die Geschichte ein. Er hat uns viele Medaillen und und etliche Finals beschert. Jetzt wird ein neuer Trainer kommen und mit uns daran arbeiten müssen, dass wir einen moderneren, einen schnelleren und effektiveren Handball spielen.“

die Reaktionen auf das kroatische Abschneiden: „Die Kroaten sind enttäuscht. Und das ist auch okay, weil wir ein recht leichtes Programm hatten und das Viertelfinale hätten erreichen müssen. Die Dänen waren am Montag unser erster europäischer Gegner. Wir haben aber auch inzwischen viel Zuspruch von den Fans bekommen.“

die Unterstützung für die Opfer des Erdbebens Ende Dezember in der Nähe von Zagreb: „Wir haben innerhalb des kroatischen WM-Teams Geld gesammelt. Wir haben uns dazu entschieden, damit ein paar Familien in der Kleinstadt Petrinja zu helfen, die es besonders schwer getroffen hat.“

das spielerische Niveau bei der Weltmeisterschaft: „Wenn man mal von Kap Verde absieht, dann haben alle Mannschaften gespielt. Damit geht eine klare Botschaft von diesem Turnier raus: Der Handball lebt. Ein schönes Erlebnis ist es aber nicht, wenn du vor leeren Rängen spielst. Es hat in den Arenen die Atmosphäre gefehlt.“ (Björn Mahr)

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