Handball-Bundesliga: Melsungens Coach übt offen Kritik an Spielern – Ausnahme Christian Zufelde

Schlechte Leistung: Michael Roth redet Tacheles

Kritisiert offen seine Spieler: MT-Trainer Michael Roth.

Melsungen. Wenn der Schlussmann Mitleid erregt, muss es um seine Vorderleute schlecht bestellt sein. „Der Ärmste ist Mario Kelentric“, sagte der Kommentator der Live-Übertragung auf Sport 1, als der in der zweiten Hälfte eingewechselte Melsunger Tormann durch Ivan Nincevic den dritten Tempogegenstoßtreffer zum 23:12 (40.) für die Füchse Berlin kassierte.

Keine Frage, dem heimischen Handball-Bundesligisten drohte in der Hauptstadt ein Debakel, aus dem schließlich eine 21:33-Abfuhr beim Tabellenzweiten wurde.

Natürlich hätte sich Trainer Michael Roth bei der Analyse der Schlappe darauf zurückziehen können, dass er gegen den Champions-League-Teilnehmer in Bestbesetzung auf vier Spieler (Grigorios Sanikis, Christian Hildebrand, Patrik Fahlgren, Michael Allendorf) verzichten musste und dass vom restlichen Kader auch noch drei Akteure (Per Sandström, Savas Karipidis, Michael Schweikardt) angeschlagen waren. Tat Michael Roth aber nicht. „Das war zu wenig“, kommentierte er die Leistung seiner Schützlinge.

Einziger MT-Lichtblick bei der Pleite in Berlin: Christian Zufelde. Foto: Eiobner

Zu wenig Gegenwehr, zu wenig Kampf, zu wenig taktische Disziplin, zu wenig spielerische Mittel. Offenbarte Defizite, die sich der 49-jährige Ex-Nationalspieler nicht mehr gefallen lassen will: „Das Spiel hat gezeigt, dass wir reagieren müssen. Dabei muss jeder Spieler auf den Prüfstand.“ Durch die Prüfung in Berlin fielen die, die sonst weniger zum Zuge kamen, sich nun aber keineswegs aufdrängen konnten.

Alin Sania war im linken Rückraum ohne Bindung und ohne Durchschlagskraft. Der temporären Spielleitung von Michael Schweikardt fehlte es an Konstanz und Linkshänder Jens Schöngarth an Stabilität. Glorreiche Ausnahme: Christian Zufelde. „Ich habe jede Minute meines Einsatzes genossen“, erklärte der Allendorf-Vertreter auf Linksaußen.

Und spielte auch so. War als Erster vorn und als Erster hinten, meldete in der Anfangsphase als vorgezogene Spitze einer 5:1-Deckung Torjäger Petterson ab, ließ seine Tempogegenstoßstärke aufblitzen, wurde aber im viel zu eng angelegten Positionsangriff viel zu wenig einbezogen. „Er hat seine Chance genutzt“, lobte der Melsunger Trainer den 23-Jährigen, auf den er gern auch über die laufende Saison hinaus bauen würde.

Ansonsten aber sind personelle Wechsel angesagt. Vielleicht schon in der Winterpause angesichts einiger „überforderter Spieler“ (Roth) sowie der großen Fragezeichen hinter der Rückkehr von Grigorios Sanikis und Patrik Fahlgren. Beim Schweden wurde nach dem Spiel gegen N-Lübbecke ein Bruch der Speiche im Wurfarm diagnostiziert, die ihn mit Sicherheit auch die Teilnahme an der Europameisterschaft in Serbien kostet. Eine Spielpause mit Feuer unterm MT-Dach, das für konstruktive Veränderungen genauso notwendig erscheint wie der Kurzurlaub für die Regeneration der Spieler.

Von Ralf Ohm

Quelle: HNA

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