Interview zur Lage bei der MT

MT-Aufsichtsratschefin Barbara Braun-Lüdicke: „Mit der Kritik muss man leben“

Steht arg in der Kritik: Melsungens Trainer Gudmundur Gudmundsson (weißes Shirt, hier während einer Auszeit seiner Mannschaft).
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Steht arg in der Kritik: Melsungens Trainer Gudmundur Gudmundsson (weißes Shirt, hier während einer Auszeit seiner Mannschaft).

Heute vor einer Woche traten die Handballer des Bundesligisten MT Melsungen beim Final Four an – und scheiterten praktisch sang- und klanglos im Endspiel gegen den TBV Lemgo Lippe.

Kassel – Danach sorgte Barbara Braun-Lüdicke, die Aufsichtsratschefin der MT, mit einem offenen Brief an die Fans und der Aufforderung nach Verbesserungsvorschlägen für Aufsehen. Wir haben mit der 65-Jährigen über die aktuelle Lage gesprochen.

Eine Woche ist das Final Four nun vorbei. Wie groß ist noch die Enttäuschung nach der Pokalfinal-Pleite gegen Lemgo?
Ich bin noch gar nicht dazu gekommen, die Niederlage zu verarbeiten. Es passiert bei mir auch abseits des Handballs sehr viel.
Wie viele Rückmeldungen haben Sie auf Ihren Facebook-Eintrag erhalten?
Ich war erstaunt, wie viele Reaktionen ich bekommen habe. Direkt zu meinem Eintrag gab es fast ausnahmslos nur positive. Aus meiner Sicht war es wichtig zu zeigen, dass wir jetzt nicht die Hände in den Schoß legen und kommentarlos zur Tagesordnung übergehen. Mehrheitlich bezogen sich die Einträge der Fans jedoch verständlicherweise auf das verlorene Finalspiel selbst. Dabei wurde ein breites Spektrum an Kritik abgedeckt.
Wie erleben Sie den Umgang mit dem MT-Team in der Öffentlichkeit?
Es ist wie im richtigen Leben. Wenn die MT gewinnt, dann wird sie gefeiert. Wenn sie verliert, dann heißt es: Schaut sie euch an, wie schlecht die gespielt haben. In einem Geschäft wie dem Handball-Profibereich muss man mit Kritik leben und umgehen können.
Es prasselt viel Kritik auf Trainer Gudmundur Gudmundsson ein. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?
Es ist alles möglich. Man muss als Verein immer auch einkalkulieren, dass es nicht nach Wunsch läuft.
Und in Bezug auf den Trainer?
Ein Trainer muss damit leben, dass er kritisiert wird. Er hat schließlich die größte Verantwortung dafür, wie die Mannschaft auftritt. Ich kann jetzt nur so viel sagen: Ich stehe mit unserem Trainer, aber auch mit dem gesamten Team in einem ständigen und konstruktiven Austausch.
Inwieweit sind die Melsunger Verantwortlichen gefordert, jetzt etwas Druck von der Mannschaft zu nehmen?
Den Druck macht sich die Mannschaft selbst. Und damit müssen Profis nach meinem Verständnis auch klarkommen.
Welche Erwartungen haben Sie an die Restrunde?
Ich hoffe auf so viele Siege wie möglich. Alles Weitere bemessen wir nach der Saison. Wenn es dann mit einem Europapokalplatz nicht geklappt hat, dann sind wir selbst schuld.

Zur Person

Barbara Braun-Lüdicke (65) ist die Aufsichtsratsvorsitzende des Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Mit ihrem Ehemann Martin Lüdicke betreibt sie in Melsungen das Hotel Centrinum. Beim Familienunternehmen B.Braun ist sie Vorstandsmitglied der B. Braun Stiftung. Zudem ist die Mutter dreier erwachsener Kinder in der Melsunger Kommunalpolitik engagiert.

Von Björn Mahr

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