Deutsche Nationalspieler

Exklusiv-Interview mit MT-Handball-Stars: „Jeder hat ein Laster - ich habe eben Timo“

Die Melsunger Handballer Silvio Heinevetter (links) und Timo Kastening vor dem Schloss Wilhelmshöhe.
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Fototermin vor dem Schloss Wilhelmshöhe: Silvio Heinevetter (links) und Timo Kastening.

Der Start der Bundesliga steht bevor – und damit rücken auch wieder die Stars der Handball-Szene in den Fokus. Gespannt sind die Fans auf zwei prominente Neuverpflichtungen der ambitionierten MT Melsungen: Weltklasse-Torwart Silvio Heinevetter und Handballer des Jahres Timo Kastening.

Kassel - Wir haben die beiden deutschen Nationalspieler zum Interview getroffen. Das Gespräch ist etwas anders verlaufen als geplant.

Herr Heinevetter, wissen Sie eigentlich, wie groß Timo Kastening ist?

Heinevetter: Klein.

Er misst 1,80 m. Reicht das, um Ihn damit häufiger bei Instagram aufzuziehen?

Heinevetter: Er ist 1,80 m?

Kastening: Das steht im Internet.

Heinevetter: Timo, und wie groß bist du wirklich?

Kastening: 1,80 m.

Heinevetter: Und wirklich?

Kastening: Das Internet lügt nie.

Im MT-Trikot: Rechtsaußen Timo Kastening.

Haben sich da zwei gesucht und gefunden?

Heinevetter: Moment mal. Bist du wirklich 1,80 m? Sonst messe ich nach.

Kastening: Du kannst gern messen.

Heinevetter: Ich dachte wirklich, du wärst kleiner.

Ich gebe nicht auf: Haben sich da zwei gesucht und gefunden?

Kastening: Weder noch. Wir kommen einfach super miteinander aus. Umso schöner ist es, dass wir in einem Verein zusammen spielen können. Ich bin froh, dass Heine hier ist. Wir sind beide ohne unsere Familien hier. Und da ist es gut, wenn du einen Menschen um dich herum hast, der in etwa dieselben Interessen hat und mit dem du losgehen und zusammen etwas essen gehen kannst.

Herr Heinevetter, möchten Sie etwas ergänzen?

Heinevetter: Ich kann dazu nichts beitragen. Jeder hat ein Laster, einen Klotz am Bein. Bei mir ist es jetzt Timo.

Im MT-Dress: Torwart Silvio Heinevetter.

Ist Ihnen während der Vorbereitung die Lust am Späßemachen etwas vergangen?

Heinevetter: Gar nicht. Gerade nach der langen Pause habe ich mich sehr auf die erste Einheit gefreut.

Kastening: Ich sehe das ähnlich wie Heine. Gerade nachdem man nicht wusste, wann und wie es weitergeht. Bei Heine und mir stand ja schon länger fest, dass wir nach Melsungen wechseln werden – und wenn du dann so ein bisschen im Ungewissen tappst, dann ist es umso schöner, wenn du endlich loslegen kannst. Obwohl es die längste Vorbereitung war, sind die Wochen recht zügig rumgegangen. Für einen neuen Spieler ist es aber sowieso etwas spannender.

Heinevetter: Hinten heraus wird es jetzt allein mit Training langsam etwas zäh. Denn jetzt ist der Zeitpunkt, an dem du eigentlich schon wieder Punktspiele bestritten hättest. Bei mir kam noch die 14-tägige Quarantäne dazu.

Ein gutes Stichwort. Es gab zwei Ausfälle wegen Quarantäne, das Aus im Europapokal und die anschließende mannschaftsinterne Aussprache. Wie hat die Mannschaft das Ganze verarbeitet?

Heinevetter: Weshalb sollte mir die Lust vergehen? Wir haben die Dinge klar angesprochen und direkt danach in den Tests gegen Wetzlar und Minden von Anfang bis Ende geliefert. Und wir merken ja jetzt: Es geht, wenn alle an einem Strang ziehen – und dazu gehört eben auch, dass man mal zusammen Spaß hat.

Aber das Scheitern in der Europacup-Qualifikation hat sehr geschmerzt, oder?

Kastening: Natürlich, weil du als Sportler in allen drei Wettbewerben eine gute Rolle spielen möchtest. Wir haben zwar das Glück, dass wir aus dem Vorjahr schon im Final Four des DHB-Pokals stehen. Aber gerade mit der Mannschaft, die wir haben, rechnest du dir auch gute Chancen im Europapokal aus. Dass wir dann so auf die Schnauze geflogen sind, war heftig. Es kann aber auch ein Augenöffner gewesen sein.

Heinevetter: Das Duell mit Silkeborg kam zu einem richtig dummen Zeitpunkt: zwei Spieler in Quarantäne, Lefti (Michael Allendorf, d. Red.) angeschlagen. Und dann haben wir eben auch nicht das geboten, was wir uns gewünscht haben: Es war viel Klein-klein, keine Mannschaftsleistung. Doch das ist jetzt vorbei.

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Melsunger Mannschaft?

Heinevetter: Erst einmal müssen wir die Vorbereitung abhaken. Und dann gibt es für mich nur ein Ziel: Sieg in Balingen.

Kastening: Im Umfeld eines Klubs wird immer auch über Platzierungen gesprochen. Für uns selbst ist es wichtig, dass wir uns auf jedes einzelne Spiel fokussieren. Diese Mentalität müssen wir hier reinbekommen. Ich möchte unbedingt für etwas stehen: für Teamgeist, für einen hohen Wiedererkennungswert. Wenn es uns gelingt, diese Vorgaben zu erfüllen, dann kann es eine gute Saison werden. Natürlich wollen wir erfolgreich sein, das würde ich aber nicht an einer Platzierung festmachen wollen.

Die MT hat die European League verpasst und dadurch etwas weniger Spiele als die anderen Topteams. Ein Vorteil?

Kastening: Wenn du dann eine Super-Saison in der Bundesliga spielst, dann sagst du zwar Ja. Ich finde aber, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Man kann sich das immer je nach Saisonverlauf so auslegen, wie man es gerade braucht. Mannschaften wie Kiel, Flensburg und die Rhein-Neckar Löwen sind diesen Rhythmus seit Jahren so gewohnt. Dementsprechend erlaube ich mir da kein Urteil.

Heinevetter: Man kann es drehen und wenden, wie man möchte. Fakt ist: Wir hätten gern Europapokal gespielt. Wenn wir weitergekommen wären, hätte ich gesagt: Super, nun kommen wir in einen tollen Lauf, da ist es egal, wie viele Spiele du hast. Nun musst du es eben in die andere Richtung positiv sehen: Wir haben ein bisschen mehr Regenerationszeit und können uns voll auf die Liga konzentrieren. Das macht es letztlich nicht leichter.

Wir haben mit einer Frage an Silvio angefangen. Zum Abschluss eine Frage an Timo: Wenn in der Liga alles nach Plan läuft und auch die Nationalmannschaft die großen Turniere spielt, dann sind Sie bis zum nächsten Sommer immer mit Silvio zusammen. Kann das gut gehen?

Kastening: Das sehen wir dann. Wenn wir nicht mehr zusammen zum Training kommen, dann wisst Ihr Bescheid. Ich bin da eher optimistisch, ich weiß nicht, wie es bei Heine ist.

Herr Heinevetter, möchten Sie dazu etwas sagen?

Heinevetter: Ich dachte, die letzte Frage geht nur an Timo.

Sie können gern noch etwas beisteuern.

Heinevetter: Die Nationalmannschaft ist noch weit weg. Ich sage es aber mal so: Wenn wir zusammen sind, dann heißt es, dass wir beide nicht verletzt sind – oder zusammen in der Reha sind … Nein, also wenn Timo und ich die ganze Saison zusammen aktiv auf dem Spielfeld erleben könnten, wäre das eine schöne Sache. (Björn Mahr)

Zu den Personen: Silvio Heinevetter und Timo Kastening

Silvio Heinevetter (35), gebürtig aus Bad Langensalza in Thüringen, ist seit diesem Sommer bei der MT Melsungen. Seine vorherigen Profi-Stationen: Concordia Delitzsch, SC Magdeburg, Füchse Berlin. Der deutsche Nationalspieler gewann mit der DHB-Auswahl 2016 Olympia-Bronze. Heinevetter ist mit Schauspielerin Simone Thomalla liiert.

Timo Kastening (25) wechselte in diesem Sommer vom Bundesliga-Konkurrenten TSV Hannover-Burgdorf zur MT Melsungen. Der Handballer des Jahres stammt aus Stadthagen in Niedersachsen. Seit 2019 läuft der Rechtsaußen für die Nationalmannschaft auf. Kastening ist ledig.

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