Neun KSV-Spieler verlassen den Klub und werden noch einmal gefeiert

Ein Nachmittag der Abschiede bei den Löwen

Fast eine ganze Elf, die geht: Der KSV Hessen verabschiedete vor dem Spiel gegen Ulm gleich acht Spieler, die den Klub verlassen: Adrian Bravo Sanchez schreitet hier die Reihe ab, in der Mahir Saglik, Sebastian Schmeer, Nils Pichinot, Robin Urban, Luis Allmeroth, Alexander Mißbach, Jonas Labonte und Niklas Hartmann (von links) bereits stehen.
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Fast eine ganze Elf, die geht: Der KSV Hessen verabschiedete vor dem Spiel gegen Ulm gleich acht Spieler, die den Klub verlassen: Adrian Bravo Sanchez schreitet hier die Reihe ab, in der Mahir Saglik, Sebastian Schmeer, Nils Pichinot, Robin Urban, Luis Allmeroth, Alexander Mißbach, Jonas Labonte und Niklas Hartmann (von links) bereits stehen.

Es ist ein Abschiedsspiel, dieses letzte Heimspiel des KSV Hessen Kassel in der Corona-Saison der Fußball-Regionalliga Südwest. Nicht nur, weil die Saison zuende geht – erfolgreich für den Aufsteiger, der nicht absteigt, der dieses letzte Heimspiel gegen Ulm 3:1 gewinnt.

Es ist der Nachmittag des Abschieds von gleich neun Spielern, darunter einigen, die diesen KSV der letzten Jahre entscheidend prägten. Wie Stürmer Sebastian Schmeer, der den Löwen einst ein Tor des Monats schenkte. Wie Adrian Bravo Sanchez, der im Mittelfeld Kilometer erlief wie kaum ein anderer. Wie Mahir Saglik, dessen Tore dem KSV den Aufstieg sicherten.

Und neben Nils Pichinot, Robin Urban, Luis Allmeroth, Alexander Mißbach, Jonas Labonte sowie Physio Tobias Bredow ist das auch der langjährige Torhüter Niklas Hartmann, der wie Schmeer seine Laufbahn nun beendet – nach einer schweren Verletzung. Nach dem Abpfiff kann sich der 31-Jährige noch nicht vom Rasen trennen, holt seinen zweijährigen Sohn aufs Feld und spielte ihm den Ball zu. „Es hat noch einmal richtig Spaß gemacht, hier im Auestadion auflaufen zu dürfen. Das letzte Spiel für den KSV habe ich vor zwei Jahren gemacht“, erzählt Hartmann, der immer wieder Probleme mit seinem Knie hatte und nach einem seltenen Infekt sogar fürchtete, dass sein Bein für immer steif bleiben würde.

Zum Glück ist es am Ende nicht so gekommen. Stattdessen bejubelten die 100 Zuschauer im Auestadion noch einmal seine Paraden. „Das waren schon sehr emotionale 90 Minuten, auch wenn ich mich natürlich wie bei jedem meiner Spiele professionell vorbereitet habe“, sagt Hartmann. Nun allerdings ist dieses Kapitel beendet, und so richtig begreifen kann es der Schlussmann noch nicht. „Ich bin mit 15 zu Arminia Bielefeld gewechselt und habe seitdem dem Fußball vieles untergeordnet. Jetzt werden andere Dinge im Vordergrund stehen. Wir haben gerade ein Haus gekauft, und die Familie wird mehr Aufmerksamkeit bekommen“, sagt Hartmann, der bei Volkswagen Originalteile Logistik arbeitet.

Dass Abschiede Zeit brauchen, das ist nach dem Schlusspfiff auch bei einigen anderen Spielern spürbar. Und sichtbar. Den Rasen, das Stadion wollen die meisten nicht sofort verlassen. Saglik tollt mit Tochter umher, Bravo Sanchez verteilt an der Tribüne Wasserflaschen, führt Gespräche, macht Fotos – unter anderem von einem Plakat für Schmeer: „Papa, ich bin stolz auf dich. Dein Jannis“, steht da.

„Es ist schon sehr emotionmal“, sagt Bravo Sanchez, der zum West-Regionalligisten Rödinghausen wechselt. Und mit Blick auf die 100 Zuschauer, die endlich wieder dabei sein dürfen: „Klar, wir hätten gern auch 4000 Zuschauer hier gehabt. Aber Gänsehaut hatte ich auch so, als ich vom Platz bin. Es waren hier fünf tolle Jahre.“

Das Wort „Wehmut“ fiel auch bei Sebastian Schmeer, als der seinen letzten Gang von einem Fußball-Platz hinter sich gebracht hatte. „Klar, die ist da“, sagt der 34-Jährige, der seine aktive Laufbahn beendet. Während der Partie und bei seiner Auswechslung in der 72. Minute war er immer wieder von der Tribüne aus bejubelt worden. „Das war schön für uns, dass zumindest 100 Zuschauer dabei sein konnten“, sagt Schmeer, der 2012 vom KSV Baunatal zu den Löwen gewechselt war, wo er bis auf ein Intermezzo in Fulda auch blieb.

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