Hüttenbergs Trainer Jan Gorr: „Nur gemeinsam sind wir stark“

Vater des Erfolges beim TV Hüttenberg: Jan Gorr, der jüngste Trainer der Handball-Bundesliga. Foto: Hahn

Hüttenberg. Als der TV Hüttenberg 1985 nach 13 Jahren aus der 1. Handball-Bundesliga abstieg, war Jan Gorr gerade mal acht Jahre alt. Mit 33 führte er sie zurück ins Handball-Oberhaus. Ein Erfolgsweg, der ganz deutlich die Handschrift des Handballtrainers trägt.

Denn als er die Mittelhessen 2005 übernahm, waren diese dem Abstieg aus der 2. Liga nur wegen der Lizenzverweigerung für einen Konkurrenten entgangen. Unter Gorr ging‘s von da an kontinuierlich aufwärts. Im HNA-Interview offenbarte er, wie der TVH in der 1. Liga und zum Saisonstart bei der MT Melsungen (So. 17.30 Uhr Rothenbach-Halle) bestehen will.

Wie fühlt man sich als jüngster Trainer in der stärksten Handball-Liga der Welt?

Jan Gorr: Nun ja, das mit dem Alter ging mir ja auch schon in der 2. Liga so. Das wirklich Neue und Tolle für mich ist, nun Trainer in der 1. Liga zu sein.

Als Sie den TV Hüttenberg 2005 mit 26 Jahren übernommen haben, war mindestens ein Viertel der Mannschaft älter als Sie. Gab‘s im Laufe derJahre wirklich nie Autoritätsprobleme?

Gorr: Ich weiß schon noch, wie ich zum ersten Training gegangen bin und mir darüber Gedanken gemacht habe, wie wir zusammenarbeiten können. Wichtig war der gegenseitige Respekt und das Streben, gemeinsam Ziele zu erreichen. Das hat von Anfang an geklappt, so dass mein Alter danach kein Thema mehr war.

Ein geschlossenes Auftreten von Trainer und Mannschaft als Erfolgsrezept?

Gorr: Das ist sicherlich unser großes Faustpfand. Da wir keine überragenden Einzelspieler haben, müssen wir als Kollektiv mehr bieten als die Summe der Einzelspieler.

Sie gelten in der Szene als hervorragender Stratege sowie als ein akribischer und zielstrebiger Arbeiter. Sind Sie der Tuchel der Handball-Bundesliga?

Gorr: (lacht …) Das weiß ich nicht. Diese Attribute werden mir nachgesagt und ich freue mich darüber, denn das ist meine Art zu arbeiten. Uns verbindet vielleicht, dass eine neue Trainergeneration auf höchstem Niveau eine Chance bekommt und diese auch zu nutzen weiß.

Inwieweit hat Ihnen Ihre Spielerlaufbahn als Mittelmann der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen II bei Ihren späteren Karriere als Trainer geholfen?

Gorr: Zum Traineramt gehören mittlerweile viele Facetten. Man braucht zum Beispiel eine gute Spielstrategie und Mannschaftstaktik. Genau diese Umsetzung überschneidet sich mit den Aufgaben eines Spielmachers.

Sie haben seit der Übernahme der Mannschaft konsequent auf Talente aus der Region gesetzt. Wie groß war die Versuchung, nach dem sensationellen Aufstieg in die 1. Liga von diesem Konzept abzuweichen statt den Kader hauptsächlich wie gehabt durch Hüttenberger Jungs zu ergänzen?

Gorr: Sicherlich hätten wir die Gunst der Stunde nutzen und einige Förderer zu einem größeren Engagement überreden können, um einen vermeintlichen Star zu verpflichten. Aber man muss das Gesamtgebilde sehen und genau das gilt es zu pflegen. Wir haben es mit jungen Spielern aus der Region in die 1. Liga geschafft. Und denen wollen wir nun auch ermöglichen, auf höchstem Niveau weiter zu lernen.

Sie sagen: „Wenn wir versuchen, uns auf konventionelle Art mit anderen zu messen, ziehen wir den Kürzeren.“ Also soll die unkonventionelle Spielweise ihrer Mannschaft weiter stabilisiert werden. Worauf muss sich dabei die Konkurrenz einstellen?

Gorr: Bei Teams mit gleichem Handball gibt die individuelle Qualität den Ausschlag und da ziehen wir sicherlich den Kürzeren. Also müssen wir uns Nischen überlegen, in die andere nicht hinein wollen.

Nämlich?

Gorr: Wir sind eine der wenigen Mannschaften, die offensiv verteidigt d.h. mannbezogen, um den Gegner stets in Zweikämpfe zu verstricken. Das hilft uns, in die erste und zweite Welle und zu leichten Toren zu kommen.

Und was kommt auf die MT, Ihrem ersten Gegner, noch zu?

Gorr: Wir wollen das Spiel offen angehen und dabei an unsere Grenzen gehen. Immer dann, wenn es emotional wird, sind wird stark.

Von Ralf Ohm

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare