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Nur Kiel zerreißt etwas: MT Melsungen verliert 19:23 gegen einen THW, der früh Kräfte schont

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Von: Maximilian Bülau

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(von links) Elvar Örn Jonsson, Julius Kühn und Kai Häfner.
Enttäuschte Gesichter aufseiten der MT Melsungen: (von links) Elvar Örn Jonsson, Julius Kühn und Kai Häfner während des Heimspiels gegen den THW Kiel in der Handball-Bundesliga. © Dieter Schachtschneider

Der THW Kiel war also das Team, das als Gradmesser für das aktuelle Befinden des Handball-Bundesligisten MT Melsungen diente.

Kassel – Die Melsunger empfingen die Norddeutschen nach der Pause und der deutlichen Pleite zuletzt gegen Gummersbach. Krisengespräche hatte es gegeben. Manager Axel Geerken soll sich fortan aus dem sportlichen Bereich raushalten. Sportlich hätte wohl schon eine knappe Niederlage oder ein Remis ein Ausrufezeichen für die MT sein können. Beim 19:23 (9:14) sparten die Gäste allerdings früh Kraft.

Unter den Augen von Bundestrainer Alfred Gislason in der erstmals mit 4500 Zuschauern ausverkauften Rothenbach-Halle eröffnete Elvar Örn Jonsson nach 50 Sekunden die Partie mit dem ersten Treffer für die MT. Dass neben ihm auch Timo Kastening, Kai Häfner, Julius Kühn, David Mandic, Arnar Freyr Arnarsson sowie Adam Morawski im Tor begannen, zeigte: Trainer Roberto Garcia Parrondo wollte zunächst auf Abwehr-Angriff-Wechsel verzichten. Bei den Gästen saßen die Topstars Sander Sagosen und Domagoj Duvnjak zunächst auf der Bank. Bei den Melsungern stand Rogerio Moraes wieder im Kader.

Führung also für die MT – doch lange hielt diese nicht. Obwohl die Einstellung zunächst deutlich verbessert war, auch der Angriff weniger ideenlos als noch vor der Länderspiel-Pause agierte. Ein Manko: Mandic und später auch Florian Drosten vergaben beste Möglichkeiten von Linksaußen. Nach einem technischen Fehler von Kai Häfner übernahmen die Kieler erstmals die Führung (3:2/6.). Erst Julius Kühn, dann Häfner schafften mit Treffern aus dem Rückraum noch einmal das 5:5 (11.). Zwei Minuten später gelang Kastening mit dem Rücken zum Tor ein Traumpass auf Mandic, doch der Kroate scheiterte an der Latte. Die Kieler zogen erst auf 8:5 (15.), dann auf 10:6 davon (18.). Überragender Mann beim THW bis dahin: Eric Johansson, der fünf der ersten zehn Kieler Treffer erzielte – dabei aber auch mehrmals von abgefälschten Würfen oder einem gefangenen Abpraller profitierte.

Es entstand der Eindruck: Die Gäste setzten sich hier schon im ersten Durchgang mit angezogener Handbremse entscheidend ab. Nikola Bilyk profitierte abermals von einem geblockten Wurf, der ihm in die Hände fiel: 12:7 für die Gäste (21.). Und klar: Die Melsunger zeigten sich trotz allem leicht verbessert. Aber zerreißen – so hatte es Coach Parrondo vorab angekündigt – tat sich vor eigenem Publikum niemand.

An Morawski lag es sicher nicht, dass die Melsunger zur Pause mit 9:14 zurücklagen. Der Pole, der im Hinspiel in Kiel mit 20 Paraden seinen Anteil am knappen 22:24 gehabt hatte, hielt wieder einige Würfe spektakulär. Sein Gegenüber Niklas Landin macht seine Sache aber nicht weniger gut. Die MT-Abwehr zeigte bis hierhin eine ordentliche Partie. Der Angriff wurde aber wieder mehr und mehr zum Schwachpunkt.

Die Kieler schonten sich offensichtlich für das Playoff-Duell in der Champions League am Mittwoch gegen Dinamo Bukarest. Und dennoch reichte es! Im Hinterkopf hatten die Gäste sicherlich auch die Patzer der Konkurrenz aus Magdeburg, Mannheim und Flensburg. Trotz der 4500 Zuschauer wurde es immer leiser, ruhiger. Das Ding war durch.

Es wurde nicht ansatzweise ein Handball-Fest in Kassel. Die Kieler nahmen Tempo raus, verwalteten die stetig wachsende Führung (17:11/ 39., 21:13/46.), die erst gegen Ende wieder schrumpfte. Der zur Pause gekommene Nebojsa Simic verhinderte mit einigen Paraden noch Schlimmeres. Dennoch zerrissen nur die Kieler an diesem Tag etwas – und zwar die Hoffnung der MT auf schnelle Besserung. Und das mit angezogener Handbremse. (Maximilian Bülau)

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