Eishockey: Deutschland gegen Kanada - und alle denken an Draisaitls Penalty 1992

Neuauflage eines Dramas?

Kassel. Beim Eishockey-Drama der Winterspiele von Albertville war Manuel Klinge siebeneinhalb Jahre alt. In der Nacht auf Mittwoch, ab 1.30 Uhr MEZ, kann sich der Stürmer der Kassel Huskies selbst in den Annalen verewigen.

Dann steht die Neuauflage des Puckjäger-Duells Deutschland - Kanada an.

Denn mit einer 3:5-Pleite gegen Superrivale USA haben die frustrierten Olympia-Gastgeber den direkten Einzug ins Viertelfinale überraschend verspielt und müssen nun gegen die Deutschen nachsitzen. Die haben zwar ihre Rückflüge nach Europa schon für Donnerstag gebucht, freuen sich aber nach drei Vorrunden-Pleiten trotz klarster Außenseiterrolle auf ihr Traum-Endspiel zu Beginn der K.o-Runde.

War für Klinge und Co. schon das Lösen der Fahrkarten nach Vancouver ins Mutterland ihres Sports ein Glanzlicht, so ist nun das Kräftemessen mit den Besten der Besten um Marc-André Fleury, Chris Pronger, Scott Niedermayer, Jarome Iginla, Dany Heatley, Joe Thornton und Sid Crosby ein sensationeller Höhepunkt.

Rückblick: Deutschland - Kanada (Olympia 1992)

Und natürlich dient der Rückblick auf 1992 zur Motivation der Mannen um Manuel Klinge. Auch damals im olympischen Viertelfinale von Meribel in Frankreich waren die Deutschen krasse Außenseiter gegen die Stars aus Übersee. Aber sie geben alles. Torwart Helmut de Raaf (Düsseldorf) wächst über sich hinaus, der Berliner Jürgen Rumrich sowie die Düsseldorfer Didi Hegen und Ernst Köpf junior (2:22 Sekunden vor Schluss) erzwingen ein 3:3, die Verlängerung und schließlich sogar ein Penaltyschießen.

Wieder legen die Kanadier vor. Eric Lindros (18) scheitert an de Raaf, doch Jason Wooley und Wally Schreiber treffen. Aber: Rumrich und Andi Brockmann gleichen aus. 2:2. Dramatik pur. Wieder ist Lindros dran, und diesmal trifft er. 3:2 für Kanada. Und die Deutschen haben nur noch eine Chance zum Ausgleich. Peter Draisaitl soll sie nutzen. Der Mannheimer, heute 44 und Trainer bei Zweitligist Ravensburg, läuft auf Torwart Sean Burke zu, will ihm den Puck durch die Beine schieben. Der Kanadier zieht die Schoner zusammen,kippt um. Seine Beine gehen hoch, der Puck fällt hinter ihm wieder raus. Das Hartgummi, 7,62 Zentimeter im Durchmesser, landet auf der Kante, rollt auf die rote Torlinie zu, wackelt und fällt wenige Millimeter zu früh um – genau auf die schmale Torlinie. Burke bleibt liegen, weiß nicht wo der Puck ist. Draisaitl hat abgedreht, Schiedsrichter Mäkälä prüft den Fall - und der legendäre Radioreporter Eddie Körper brüllt zum bitteren Aus der Deutschen mit überschlagender Stimme ins Mikro: „Mein Gott, was für eine dramatische Entscheidung. Peter Draisaitl hat das Elend der Welt auf dem Schläger.“

Davon freilich wollen Manuel Klinge und Co heute verschont bleiben. Aber: Für sie wäre ein 3:3 nach 60 Minuten schon eine Sensation.

Von Gerald Schaumburg

Quelle: HNA

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