Ex-Löwe liefert ein Beispiel, wie schnelllebig das Fußball-Geschäft sein kann

Thomas Brechler: Plötzlich im sportlichen Abseits

Die Orangerie im Hintergrund: Thomas Brechler trainiert beim KSV Hessen, seine Freundin Jessica Czakon studiert hier Architektur. Die beiden Berliner fühlen sich wohl in Kassel, auch wenn Brechler derzeit vertragslos ist. Foto: Malmus

Kassel. Wenn Thomas Brechler über den Fußball an sich spricht, dann sagt er Sätze wie diesen: „Es ist kein leichtes Geschäft – mal so, mal so.“ Gerade durchläuft der 24-Jährige eine Phase, in der er die negative Seite kennenlernt.

Beim Drittligisten VfR Aalen ist der ehemalige Stürmer des Regionalligisten KSV Hessen Kassel ausgemustert worden. Brechler, der vom Fußball lebt, ist vertragslos, trainiert als Gast bei den Löwen und hofft auf eine Anstellung – beim KSV oder anderswo. Er liefert ein Beispiel, wie schnell ein Spieler plötzlich um die sportliche und damit zugleich berufliche Zukunft bangen muss.

Brechlers Geschichte geht so: Im Sommer 2009 wechselt er von der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg nach Kassel – als Alternative zu Thorsten Bauer. Brechler überzeugt. Er schießt wichtige Tore, darf bald auch mal von Anfang an spielen. Am Ende weist er eine Bilanz auf, die sich sehen lassen kann: 27 Einsätze, elf Tore.

Im Pokal gegen Schalke

Nach der Saison erhält er ein Angebot vom Drittliga-Aufsteiger Aalen. „Ich wollte den Schritt wagen“, sagt er. Der gebürtige Berliner stößt zu einer Mannschaft, die ein festes Gerüst hat. Neuen fällt es schwer, Anschluss zu finden. Und doch bekommt Brechler Einsatzzeiten – in der Vorbereitung, in den ersten Spielen. Auch im Pokal gegen den FC Schalke 04 wird er eingewechselt. Das Problem: „Ich musste meist auf der rechten Seite spielen.“ Brechler ist aber ein Stürmer, der im Zentrum wühlt. In Aalen kann er seine Qualität nicht unter Beweis stellen. Nur einmal gehört er zur Startelf. Das war es.

Als er im Training einmal hart einsteigt, gerät er in Streit mit dem Trainer. Fortan spielt er kaum mehr eine Rolle. Brechlers Freundin Jessica Czakon, mit der seit zweieinhalb Jahren zusammen ist, sagt: „Unsere Beziehung hat das schlimmste Tief durchgemacht.“ Im Januar, so schildert er es, bekommt er gesagt, dass er separat trainieren muss – mit den ausgemusterten Akteuren. Kontakt mit der Mannschaft sei ihm untersagt. Da reicht es Brechler. Er kassiert eine Abfindung und verabschiedet sich.

Jetzt steht er vor der Frage, wie es weitergeht. Mit 24 und ohne Verein ist sie nicht leicht zu beantworten. Er setzt weiter auf den Fußball, hofft auf einen Anruf seines Beraters, der womöglich noch einen Klub findet – bis Ende Januar, dann endet die Transferperiode. Tut sich nichts, hängt er ein halbes Jahr fest. Er will dann aber nicht aufgeben, denn: „Ich will mir nicht irgendwann vorwerfen, es nicht versucht zu haben.“

Trotzdem möchte sich Brechler nach Alternativen zum Fußball umschauen, womöglich eine Ausbildung beginnen. Zwar wird er ein halbes Jahr ohne Vertrag rein finanziell überbrücken können, aber länger ohne Wettkampfpraxis zu sein, erhöht seine Chance auf dem Fußballmarkt nicht.

Seine Freundin unterstützt den Plan. Auch Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VdV, rät in einem solchen Fall dazu, zweigleisig zu fahren. Er kennt das Problem: auf der einen Seite die rosige Aussicht, wenn es klappt, auf der anderen Seite das Risiko im Fall des Scheiterns. Baranowsky sagt, viele Spieler bewegten sich im Pendelbereich. Brechler ist einer davon.

Von Florian Hagemann

Quelle: HNA

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