MT-Trainer holte City-Cup

Roth gewann als Spieler Vorgänger des EHF-Cups: „Mach’s noch einmal, Schorle“

Pure Freude: Johannes Bitter (links) und der heutige Melsunger Per Sandström nach dem Hamburger Europapokalsieg 2007.

Melsungen. Nein, an guten Wünschen und Aufmunterung mangelt es der MT Melsungen vor dem Start in ihre erste Europapokal-Saison, die am Mittwoch mit dem Hinspiel gegen Fenix Toulouse beginnt (20.15 Uhr Rothenbach-Halle), nicht. Eine davon: „Mach’s noch einmal, Schorle.“

Gemeint ist Michael Roth, Trainer des heimischen Handball-Bundesligisten, der sich diesen Spitznamen einst verdiente, als er einmal auf einem Weinfest ein Tablett mit 20 Weinschorlen an den Tisch brachte. Gemeint ist aber auch der Gewinn des City-Cups – ein Vorläufer des EHF-Cups – mit TuSEM Essen 1994, an dem der damalige Rückraumspieler maßgeblich beteiligt war.

Die Erinnerung an die beiden Endspiele gegen den schwedischen Spitzenclub Halmstad ist geprägt von „einer überragenden Leistung“ von Stefan Hecker. Der Nationaltorhüter, gefüttert von Co-Trainer Bob Hanning mit den nötigen Wurfbildern, hielt im ersten Spiel (27:17) mehr als die Hälfte aller Bälle, sodass das zweite für die Mannschaft von Jürgen Hahn nur noch Formsache (31:26) war.

Ein solcher Triumph war Michael Roth im Finale des Europapokals der Pokalsieger 1987 gegen Barcelona mit dem TV Großwallstadt noch verwehrt geblieben. Seinen Heimatverein, den er 2007 als Coach in den EHF-Cup führte, wo aber in der dritten Runde (gegen Juschni) Endstation war.

Erfahrungen, die der MT Melsungen helfen sollen, um bei ihrem ersten Auftritt auf Europas Bühne im elften Bundesligajahr eine gute Figur zu machen. „Ein völlig anderes Terrain für meine Mannschaft“, sagt der Handball-Lehrer. Eins mit völlig anderem Reglement. Mit Hin- und Rückspiel nämlich, „in denen man alles richtig machen muss.“ Nämlich: „Vorlegen, ohne sich dabei zu sehr unter Druck zu setzen und zu verkrampfen.“

Oder wie Rückraumspieler Nenad Vuckovic, einst mit Chambery in der Champions-League (2006/2007) und mit Roter Stern Belgrad im City-Cup (2002/2003) im Einsatz, betont: „Einfach cool bleiben.“

Komische Sachen

Das gelang dem HSV Hamburg 2007 in den beiden engen Finals gegen Aldemar Leon im Europapokal der Pokalsieger. Und mit den Hanseaten dem heutigen MT-Torwart Per Sandström, der zuvor schon mit dem schwedischen Meister Sävehof Champions-League-Erfahrungen gesammelt hatte. „Da passieren schon komische Sachen“, sagt er über seine kontinentalen Auftritte. Die Gegner seien viel schwerer einzuschätzen und die Schiedsrichter bisweilen unberechenbar: „Da wird ganz anders gepfiffen als in der Bundesliga.“

Das kann Momir Rnic, der dritte Europapokalsieger (im EHF-Cup) im Melsunger Kader, nur bestätigen. Ein Wettbewerb mit eigenen Gesetzen, den der Rückraumspieler 2012 mit Göppingen gewann. Da ritt der Traditionsclub auf einer Welle der Euphorie von Runde zu Runde. Träumte einen Traum, der letztlich Wirklichkeit wurde. Einer, der erst mit Erinnerungen und dann mit Taten genährt wurde.

Von Ralf Ohm

Quelle: HNA

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