Porträt: Torwart-Talent Frederik Schwieger träumt von einer Karriere als Eishockey-Profi

Der ruhende Pol im Kasten

Mehr als ein Hobby: Huskies-Nachwuchs Frederik Schwieger brennt für seine Leidenschaft Eishockey. Foto:  Fischer

kassel. Bequemlichkeit ist schuld daran, dass Frederik Schwieger im Eishockey-Tor steht. Der 18-Jährige wollte das Bandenspringen umgehen, dass die Trainer in seiner Heimatstadt Brackwede denjenigen auferlegten, die eine Übung nicht richtig verstanden hatten. „Weil nur die Feldspieler über die Banden springen mussten, habe ich mich für den Platz zwischen den Pfosten entschieden“, lacht Schwieger, wenn er sich an seine Anfänge vor mehr als einem Jahrzehnt erinnert.

Heute bestimmt Eishockey sein Leben. Zwei- bis viermal die Woche fährt er die 130 Kilometer von seinem Wohnort Bielefeld nach Kassel, um mit der DNLII-Mannschaft oder – wenn Trainer Rico Rossi anruft – mit der ersten Mannschaft der Kassel Huskies zu trainieren. Einmal stand er schon als dritter Torwart auf dem Spielberichtsbogen der Profis. „Es wäre toll, wenn ich Eishockey zu meinem Beruf machen könnte“, träumt der Schüler, der im nächsten Jahr Abitur machen wird.

Auch Plan B steht: Schwieger möchte Soziale Arbeit oder Lehramt studieren, um mit behinderten Kindern arbeiten zu können. Dank seiner besonnenen Art kann man sich den Torwart in dieser Rolle gut vorstellen. Er ist der ruhende Pol im Kasten. Einmal in der Woche trainiert er den Nachwuchs in Brackwede. Dort stand er mit sechs Jahren erstmals selbst auf dem Eis. „Ich bin mit meinem Vater gern zum Schlittschuhlaufen gegangen“, erzählt er. Einmal war er enttäuscht, als kein öffentlicher Lauf stattfand. Aber Vater Stefan Schwieger hatte einen Trumpf im Ärmel: Statt zum Schlittschuhlaufen ging’s zum Eishockey. Gleich bei seiner Premiere mit Puck und Schläger machte „Freddy“ bei einem Nachwuchs-Turnier mit.

Der Sport gefiel ihm. Nach zwei Jahren im Feld wechselte er ins Tor. Anfangs brauchte er viel Zeit, um seine Ausrüstung anzulegen. „Beim ersten Mal musste ich mich wieder ausziehen, weil ich die Schienen falsch an hatte“, lacht der 1,88 Meter große Mann mit der Rückennummer 30. Inzwischen klappt das in 15 Minuten.

„Ich gehe lieber zum Training als in die Disco.“

Frederik Schwieger (18), Eishockey-Talent

Nach den ersten Jahren in Brackwede spielte Schwieger für die Iserlohn Roosters und wurde gleich in seinem ersten Jahr DNLII-Meister. 2016 wechselte er zu den Moskitos Essen, war dort aber nicht zufrieden. Über Jan Bönning entstand der Kontakt nach Kassel und zu DNLII-Coach Jürgen Trattner. „Ich bin dann mitten in der Saison zu den Young Huskies gewechselt und habe mich gleich wohlgefühlt.“

Die Stadt kennt er kaum, sieht meist nur Kabine und Eisfläche. Dass für andere Hobbys keine Zeit bleibt, stört Schwieger nicht. „Ich gehe lieber zum Training als in die Disco“, sagt er. Allein ist er dabei selten. Meist sitzt sein Vater auf der Tribüne. „Ich fahre Frederik regelmäßig nach Kassel und fiebere natürlich bei den Spielen mit“, sagt Stefan Schwieger.

Frederiks Vorbild ist NHL-Goalie Marc-André Fleury, der für die Vegas Golden Knights spielt. „Vielleicht kann ich ihn mal live spielen sehen“, hofft Schwieger. Bis dahin wird er weiterhin viel tun, um sich seinen Traum von der Profikarriere zu erfüllen. „Es gibt immer viel, woran man arbeiten kann.“ Keine Spur mehr von Bequemlichkeit.

Von Carina Wagener

Quelle: HNA

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