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Schnellcheck zum Handballderby: Melsungen - Wetzlar trennen sich 28:28

Kassel. Die MT Melsungen und die HSG Wetzlar haben sich in einem packenden Spiel der Handball-Bundesliga am Samstag vor 2786 Zuschauern in der Kasseler Rothenbachhalle mit 28:28 getrennt. Melsungen bleibt damit im Mittelfeld der Tabelle - mit 7:7 Punkten. Der HNA-Schnellcheck von Florian Hagemann.

Wie war das Spiel?

Packend, spannend - inklusive atemberaubender Schlussphase. Schlicht: eines Derbys würdig.

Aber der Reihe nach. Die MT Melsungen begann konzentriert und gut - Grundlage waren die starken Paraden von Torwart Mikael Appelgren und ein Michael Müller, der an seine hervorragenden Leistungen bei der Nationalmannschaft anknüpfte. Die Folge: eine schnelle 4:1-Führung. Als dann auch noch der vor allem in der Abwehr starke Philipp Müller Tore warf, war der gute Start perfekt: 9:4 nach zwölf Minuten, in der die Gastgeber vor allem auch MT Deutschland waren: Alle fünf zuletzt bei der Nationalmannschaft eingesetzten Spieler standen in Abwehr und Angriff auf dem Feld.

Wetzlar aber fand ins Spiel, kämpfte sich heran. Der Vorsprung der MT schmolz fast ein wenig unbemerkt, weil Melsungen nicht erkenntlich nachließ, Wetzlar aber präsenter war und im Torabschluss konsequenter. Zur Pause stand es 16:14 - und es sollte sich ein packendes Hessenderby entwickeln. Spätestens als Kent Robin Tönnesen in der 37. Minute ausglich, war klar, dass dies an diesem Tag ein enges Ding werden würde. Jetzt ging es hin und her: Führung Wetzlar, Führung Melsungen durch den Treffer des verbesserten Neuzugangs Monir Rnic zum 21:20, Zwei-Tore-Führung Wetzlar zum 25:23 durch Tobias Hahn. Ausgleich durch Monir Rnic zum 26:26 nach 55 Minuten. Siebenmetertor durch den Wetzlarer Tobias Rompf. Die Zuschauer in der Rothenbachhalle standen jetzt, sie versuchten die MT zum Sieg zu tragen, Ausgleich Monir Rnic. Hektik - noch zwei Minuten, noch 90 Sekunden.

MT Melsungen - HSG Wetzlar 28:28

MT Melsungen - HSG Wetzlar 28:28

Dann haben die Melsunger den Ball, aber die Schiedsrichter Lars Geipel und Marcus Helbig haben etwas dagegen. Nach einem Foul an Tönnesen sieht Philipp Müller die Rote Karte. Aber Wetzlar vergibt die Chance zur Führung, Michael Allendorf trifft mit dem Tempogegenstoß zum 28:27. Die Lautstärke hat jetzt internationales Niveau. Nur als Rompf zum 28:28 trifft, wird es kurz leise. Noch 45 Sekunden. MT-Trainer Michael Roth setzt Patrik Fahlgren als sechsten Feldspieler für Torwart Appelgren ein. Aber es hat nicht sollen sein. Es bleibt beim 28:28.

Ist das Ergebnis gerecht?

Irgendwie schon. Wetzlar präsentierte sich als der erwartet starke Gegner, der Melsungen alles abverlangte.

Wer war Mann des Tages?

MT-Torwart Mikael Appelgren brillierte mit 20 Paraden. Vor allem am Anfang und am Ende war er der prägende Spieler dieser Partie.

Gab es einen Aufreger?

Zumindest gab es für den einen oder anderen Zuschauer, der mit dem Auto zur Rothenbachhalle gekommen war, ein bisschen Grund, sich aufzuregen. Da gleichzeitig in den Messehallen der Herbstzauber stattfand, dauerte die Parkplatzsuche extrem lange. Einerseits. Andererseits ist das für Besucher eines Spiels der Fußball-Bundesliga Alltag. Außerdem: Die 2786 Zuschauer in der Rothenbachhalle bekamen ja schließlich auch ein wenig Herbstzauber geboten. Die frühe Anwurfzeit kam im Übrigen zustande, weil der Hessische Rundfunk seine Sendung Heimspiel aus der Rothenbachhalle produzierte. Das Spiel an sich bot eher Spannung als Aufreger - mal abgesehen von der Roten Karte gegen Philipp Müller. Aber es war aufregend.

Wie viel Frankreich steckte schon in der Partie?

Mittwoch feiert die MT ja ihre Premiere im Europapokal gegen das französische Team von Fenix Toulouse. Da gab es im Vorfeld des Hessenderbys gegen Wetzlar die leise Befürchtung, die Partie auf internationaler Bühne würde schon in den Köpfen der MT-Spieler herumspuken. War aber nicht. Die Melsunger traten von Beginn an konzentriert auf - als wollten sie den Verdacht auch gar nicht aufkommen lassen. In der Hallenzeitung stand auch das Wetzlarspiel im Vordergrund, der Bäcker in der Halle verkaufte keine Croissants. Nur MT-Torwart Mikael Appelgren schien sich schon mal ein bisschen vorzubereiten auf Mittwoch. Die prächtigsten von vielen Glanzparaden zeigte er gegen Wetzlars Guillaume Joli, gegen den einzigen Franzosen auf dem Feld.

MT Melsungen – HSG Wetzlar 28:28 (16:14)

MT: Appelgren (28 GT/20 P.), Sandström (n.e.) - Maric, Sellin 2, Fahlgren 1, Schröder, Hildebrand, Danner 3, P. Müller 3, Boomhouwer, Rnic 7, Allendorf 7/3, Vuckovic 1, M. Müller 4.

HSG: Hombrados (14 GT/8 P.), Wolff (14 GT/5 P.) – Prieto, Tiedtke 2, Rompf 5, Weber 2, Tönnesen 6/1, Laudt 2, Hahn 2, Bliznac 4, Harmandic, Joli 2, Balic 3.

SR: Geipel/Helbig (Landsberg/Steuden). - Z: 2786. - Siebenmeter: 3/3:4/2. - Zeitstrafen: 4:12 Minuten. - Rote Karte: P. Müller (59., Foulspiel).

Spielstände: 2:0 (3.), 7:3 (11.), 9:4 (12.), 10:8 (15.), 16:12 (26.), 16:14 – 16:15 (34.), 17:19 (38.), 19:19 (40.), 21:20 (43.), 23:25 (50.), 28:27 (59.), 28:28.

Von Florian Hagemann

Quelle: HNA

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