"Das war das wichtigste Tor, das ich für den KSV geschossen habe"

Sergej Evljuskin: Wenn der KSV Hessen ihn braucht, ist er da

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Sprung ins Glück: Sergej Evljuskin (Mitte) traf gegen Völklingen zum 3:2 und sicherte den Löwen so drei Punkte. Im Hintergrund: (von links) Sebastian Szimayer, Marco Dawid, Cédric Mimbala und Brian Schwechel.

Kassel. Sergej Evljuskin kann sich noch an alle Tore erinnern, die er für den KSV Hessen Kassel erzielt hat. Ist auch nicht so schwierig. Denn seit er beim Fußball-Regionalligisten unter Vertrag steht, waren das in Pflichtspielen genau drei.

Und eines davon machte er am vergangenen Wochenende beim 3:2 (2:0)-Erfolg gegen Völklingen. Evljuskin sagt: „Das war das wichtigste Tor, das ich für den KSV geschossen habe.“

Da ist was dran. Die Löwen stecken mitten im Abstiegskampf und haben sich in den vergangenen Wochen wieder in eine bessere Ausgangsposition gebracht. Gegen den Tabellenletzten hatte das Team von Trainer Tobias Cramer eine Stunde lang alles im Griff, führte völlig verdient 2:0. Sebastian Szimayer hatte die frühe Führung erzielt (2.), Adrian Bravo Sanchez per Strafstoß nach Foul an Szimayer erhöht (22.).

Doch dann kamen zwei Minuten, die im Auestadion alles durcheinanderwirbelten. Erst wurde Torwart Niklas Hartmann im Fünfmeterraum gefoult, Schiedsrichter Lars Erbst ließ aber weiterlaufen und Gäste-Verteidiger Jannik Luca Meßner nutzte das zum Anschlusstreffer (61.). Dann traf Cédric Mimbala beim Klärungsversuch den Völklinger Mike Andreas, und von dem trudelte der Ball erneut ins Tor. Ausgleich innerhalb von zwei Minuten. Völlig unverdient, aber wahr. Die Moral gebrochen?

Nein, nicht mit dem KSV Hessen Kassel in diesen Wochen. Manche Teams würden nach so einem Spielverlauf vielleicht einknicken. Die Löwen sind momentan aber so stabil, dass ihnen auch dieser Rückschlag nichts anhaben konnte. Sie spielten weiter, sie wurden belohnt. In der 77. Minute war es eben Evljuskin, der den KSV erneut in Führung köpfte. Eine Führung, die schließlich zum Sieg reichte. Beim Blick auf die Ergebnisse der Konkurrenz wäre selbst ein Unentschieden ein herber Rückschlag gewesen.

Evljuskin kommentierte seinen Treffer mit den Worten: „Wenn ich gebraucht werde, bin ich da. Der Trainer weiß das und kann sich auf mich verlassen.“ Das hat beim Mittelfeldspieler, der derzeit in der Innenverteidigung aufläuft, einen Hintergrund.

Denn eigentlich ist der 30-Jährige beim KSV ohnehin eine Bank gewesen, fand sich zuletzt aber immer häufiger auf dieser wieder. In den ersten 15 Saisonspielen fehlte er nicht eine Minute. Dann musste er verletzt einige Partien aussetzen. Und weil er wegen seiner Berufsausbildung nun nicht regelmäßig trainieren kann, stand er zuletzt nicht in der Startelf.

Nun drückt personell aber der Schuh. Gegen Völklingen fehlten mit Sascha Korb, Sebastian Schmeer, Tim Brandner und Ingmar Merle vier potenzielle Stammspieler. Lucas Albrecht saß mit Problemen an der Achillessehne zunächst draußen. Und da ist ein Evljuskin eben da. Routiniert. Erfahren. Verlässlich. Und nun auch noch torgefährlich. Eine Konstante in einem Team, das diesen Namen verdient. Denn die Löwen sind derzeit vor allem eine Mannschaft.

Ergebnisse, Tabellen, Statistiken zur Regionalliga Südwest

Fotos vom Spiel des KSV Hessen Kassel gegen Völkingen

Unterstützung aus dem Norden: Fans von Holstein Kiel kamen zur Partie gegen Völklingen.

Rund ums Spiel: Fans aus Kiel, Fans auf der Bande

Es gab einen Moment vor dem Anpfiff dieser Regionalliga-Partie zwischen dem KSV Hessen Kassel und Völklingen, da verstummte das ganze Fußballstadion, horchte, dann wurde getuschelt. Gerade waren beide Teams auf den Rasen gelaufen, stellten sich an der Mittellinie auf. In diesem Moment wehten von außerhalb des Stadions Fangesänge herein, wurden immer lauter. Niemand wusste, woher diese kamen. 

Menschen standen auf, schauten, was los ist. Kommen die Gesänge vielleicht von Völklinger Fans? Die Auswärtskurve war bis dahin noch verwaist. Außerhalb des Stadions näherte sich eine Gruppe, vielleicht 50 Menschen, singend, zogen aber weiter in Richtung Nordkurve. 

Völklinger waren es also nicht. Und nachdem die Partie schon einige Minuten lief, Sebastian Szimayer bereits das 1:0 für die Löwen erzielt hatte, da tauchte diese Fangruppe oben in der Nordkurve wieder auf und gesellte sich zu den Anhängern in Block 30. 

Doch wie sich später herausstellte, waren das keine Kasseler Anhänger, die sich nur verspätet hatten. Nein, diese Fangruppe kam aus Kiel nach Kassel – Anhänger des Zweitligisten Holstein Kiel. Der Klub aus dem Norden hatte wegen der Länderspielpause frei, Kassel und Kiel pflegen eine Fanfreundschaft. 2013 hatte Kiel die Aufstiegsrelegation gegen die Löwen gewonnen und spielt mittlerweile eben in Liga zwei um den Bundesligaaufstieg mit. 

Bereits wegen der Insolvenz hatte Holstein den KSV finanziell unterstützt, hatte Geld für die Rettung der Löwen gesammelt. Nun kamen die Kieler selbst nach Kassel. Die kürzeste Strecke über die Autobahn: 406 Kilometer. Im Rückblick auf die Fangesänge, die da kurz vor dem Anpfiff ins Auestadion wehten: einfach nur Gänsehaut. 

Fanbande im Auestadion 

Und noch etwas Beeindruckendes hatte der Samstag zu bieten. Ebenfalls vor dem Anpfiff der Partie wurde die neue Fanbande im Auestadion offiziell vorgestellt. 167 Anhänger hatten sich vorgenommen, den Verein als Bandensponsor zu unterstützen. Dafür zahlten sie auf ein Treuhandkonto ein – und jetzt ist die acht Meter lange Bande mit 167 Namen der Spender fertig und im Südosten des Auestadions angebracht. So kamen insgesamt 8000 Euro für den Verein zusammen.

Quelle: HNA

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