Erste Niederlage unter Damm

Tiefschlag in der 88. Minute: KSV Hessen verliert 0:1 gegen Homburg

Tobias Damm.
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Seine Serie ist gerissen: KSV-Trainer Tobias Damm hatte bislang noch kein Spiel als Chefcoach der Löwen verloren.

Lange blieb es im Spiel KSV Hessen gegen Homburg bei einem 0:0 - doch dann nutzte Homburg seine Chance. Die Folge: Die erste Niederlage der Saison und die erste Niederlage unter Chefcoach Damm.

Kassel – Zwischen Matthias Mink und Patrick Dulleck soll es ja nicht immer gestimmt haben. Der Ex-Trainer des KSV Hessen, der mittlerweile den FC Homburg coacht, stand zwischendurch beim TSV Steinbach an der Linie. Und trainierte da? Genau, Stürmer Patrick Dulleck.

Nach einem Jahr ging der heute 30-Jährige aber weiter zum FC Homburg – und drei Jahre später folgte ihm Mink. Nun saß Dulleck auswärts beim KSV Hessen Kassel zunächst auch nur auf der Bank. Mink, der zwei Jahre in Kassel unter Vertrag stand, wechselte ihn in der 73. Minute ein. Eine Viertelstunde später verpasste Dulleck den Löwen den ersten Tiefschlag in der Fußball-Regionalliga. Aber der Reihe nach.

Den ersten Rückschlag mussten die Gastgeber schon vor dem Anpfiff verkraften. Kapitän Frederic Brill und Tim Brandner fielen aus (siehe Artikel unten). So durfte Brian Schwechel vor der Abwehr ran, Alexander Mißbach als Linksverteidiger. Mahir Saglik war dagegen wieder fit für das Sturmzentrum. Und so begann vor 1750 Zuschauern im Auestadion ein Spiel zwischen einem Aufstiegsaspiranten – Homburg – und einer Mannschaft, die zunächst einmal den Klassenerhalt im Blick hat.

Dass der verletzte KSV-Angreifer Sebastian Schmeer, der auch nicht das einfachste Verhältnis zu Mink hatte, unter ihm ein halbes Jahr nach Fulda verliehen wurde, recht behalten sollte, als er sagte „Er ist ein Taktikfuchs.“, zeigte sich schnell. Die Gäste versuchten nicht, das Spiel zu machen. Es war keine temporeiche Partie. Beide Teams legten den Fokus auf eine stabile Defensive, blieben ihrer Taktik treu.

„Homburg ist respektvoll mit uns umgegangen. Das haben wir uns erarbeitet“, sagte Adrian Bravo Sanchez hinterher, der statt Brill die Kapitänsbinde trug. Das sei für ihn immer wieder etwas ganz Besonderes, eine riesen Ehre als Kasseler und sorge für Gänsehaut, sagte der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler.

Etwas lebendiger wurde es erst nach einer Unterbrechung. Einer unschönen. Homburgs Serkan Göcer verletzte sich ohne Einwirkung eines Gegenspielers am Knie, wurde lange behandelt und musste raus. Kurz nachdem es weiterging, entschied Schiedsrichter Fabian Schneider auf Strafstoß für die Gäste. Jannik Sommer war von Kevin Nennhuber leicht berührt worden, nahm den Kontakt dankend an. Eine Entscheidung, die hart, aber vertretbar war. Kapitän Patrick Lienhard scheiterte aber an Maximilian Zunker. So blieb es lange beim 0:0.

Einem 0:0, bei dem Homburg mehr, die besseren Chancen hatte, diese aber nicht nutzte. Einem 0:0, bei dem der KSV durchaus Nadelstiche setzte und hätte in Führung gehen können. Aber Saglik scheiterte einmal an Torhüter David Salfeld und einmal an der zu scharfen, etwas zu hohen Hereingabe von Lukas Iksal. Und einem 0:0, bei dem die Löwen immer wieder mit dem Schiedsrichter haderten. „Dazu muss ich auch mal was sagen. Er hat jede 50:50-Entscheidung gegen uns getroffen“, ärgerte sich Bravo Sanchez.

So ging es in die Schlussphase. Als der KSV die Drangphase der Gäste eigentlich schon überstanden hatte. Alles irgendwie für ein 0:0 sprach, weil keiner mehr das ganz große Risiko gehen wollte. Ein Punkt gegen Homburg? Ist okay. Und besser mit einem als mit null Zählern die Heimreise antreten. So waren vielleicht die Gedanken. Doch es kam anders.

Mink hatte eben in der 73. Minute für den glücklosen Damjan Marceta einen frischen Stürmer gebracht: Patrick Dulleck. In der 88. Minute kam dann ein Pass zu Dulleck, 20 Meter vor dem Tor. Der fackelte nicht lang, zog ab. „Das war ein außergewöhnlich guter Moment“, sagte Mink später. Denn der Ball titschte noch einmal auf, bekam auf dem nassen Rasen richtig Tempo und schlug unhaltbar für Zunker in der rechten, unteren Ecke ein. Homburg hatte gute Chancen gehabt und nutzte die schwierigste.

„Es ist bitter, durch so einen Weitschuss zu verlieren. Es ist bitter, durch so einen späten Treffer zu verlieren“, sagte KSV-Trainer Tobias Damm. Bitter vor allem auch, weil es die erste Niederlage der Saison war. Die erste Niederlage für den 36-Jährigen als Chefcoach. Nach fast einem Jahr im Amt.

Rund ums Spiel

Eine Rückkehr und viele Verletzungen

Der FC Homburg bleibt ein ungeliebter Gegner des KSV Hessen. Dafür hat Gästetrainer Matthias Mink ein kleines Trauma überwunden. Verletzungen mussten beide Teams verkraften. Geschichten rund um das Heimspiel der Löwen gegen Homburg in der Fußball-Regionalliga.

Der Rückkehrer: Seit Matthias Mink nicht mehr Trainer des KSV Hessen Kassel ist, konnte er gegen den Fußball-Regionalligisten zumindest in der Liga nie gewinnen. Die Ausnahme bildet das Hessenpokal-Finale 2018, als er mit dem TSV Steinbach 2:0 siegte. Sonst gab es aber zwei Remis und zwei Niederlagen, in Kassel zuletzt ein 0:3 2017 durch Treffer von Sebastian Schmeer, Adrian Bravo Sanchez und Lucas Albrecht.

Es kam also nicht von ungefähr, dass Mink sein neues Team aus Homburg nicht aufs Feld schickte und ihnen mit auf den Weg gab, bedingungslos anzugreifen. „Wir sind es mit einer eher abwartenden Rolle angegangen. Ich kann mich an die letzten Spiele in Kassel erinnern. Wir wollten sie so ein wenig überraschen“, sagte Mink nach dem Abpfiff.

Der 53-Jährige freute sich dann nicht nur darüber, einige alte Bekannte getroffen zu haben, sondern auch über den 1:0-Sieg seiner Mannschaft. Für ihn ist ein kleines Trauma überwunden. Der KSV bleibt dagegen auch im zehnten Spiel hintereinander gegen Homburg ohne Sieg. Ein Angstgegner.

Die Verletzten: Bei den Löwen gab es gleich zwei schlechte Nachrichten vor dem Anpfiff. Kapitän Frederic Brill war gar nicht mit dabei, hat sich gegen Pirmasens einen Innenbandriss zugezogen. „Ich habe da schon gemerkt, dass irgendetwas ist. Mir ist ein bisschen schlecht geworden, aber ich habe durchgezogen“, sagt der 28-Jährige. Nun ist aber fünf bis sechs Wochen Pause angesagt. Brills Ziel: gegen Offenbach Anfang November wieder dabei zu sein. Tim Brandner erwischte es dann beim Aufwärmen, eine Zerrung im Adduktorenbereich. Auch er wird für die Partie gegen Elversberg morgen ausfallen.

Noch schlimmer erwischte es wohl Homburgs Serkan Göcer, der in der ersten Halbzeit eine Knieverletzung erlitt und mit dem Krankenwagen abtransportiert werden musste.

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