Erpressungsvorwürfe und drohender Ausverkauf: Löwen kämpfen an mehreren Fronten

Diese Köpfe bestimmen bei den Rhein-Neckar Löwen derzeit die Schlagzeilen abseits des Handball-Parketts: Dieter Matheis, Chef des Wirtschaftsbeirates (oben), Geschäftsführer Thorsten Storm (links) und Jesper Nielsen. Fotos: dpa/Montage: Köberich

Mannheim. Die Vorwürfe aus Kiel haben sie getroffen in Mannheim. Als Uwe Schwenker, Ex-Manager des THW Kiel, die Verantwortlichen der Rhein-Neckar Löwen vor einer Woche der versuchten Erpressung bezichtigte, schreckte das Beiräte und Gesellschafter auf.

Handball-Bundesliga

Die Rhein-Neckar Löwen sind Gegner der MT Melsungen am Sonntag (17.30 Uhr) in der Kasseler Rothenbachhalle.

In diesen Gremien sitzen honorige Leute aus der deutschen Wirtschaft, Daniel Hopp etwa, Sohn des SAP-Gründers Dietmar Hopp. Löwen-Geschäftsführer Thorsten Storm, auf den die Vorwürfe gemünzt waren, musste reagieren. „Storm hat uns sofort in einer E-Mail informiert darüber, dass diese Vorwürfe jeglicher Grundlage entbehren“, berichtet der Chef des Wirtschaftsbeirats, Dieter Matheis, auf Anfrage der HNA. „Da war überhaupt nichts“, sagt er.

Die Geschichte, um die es geht, liegt schon gut zwei Jahre zurück. Bevor die Vorwürfe gegen Schwenker im Februar 2009 laut wurden, er und Trainer Noka Serdarusic hätten den Champions-League-Sieg 2007 durch Schiedsrichterbestechung gekauft, pokerten die Löwen und der THW um die beiden THW-Stars Nikola Karabatic und Vid Kavticnik. Beide Profis wollten ihrem Lehrmeister Serdarusic folgen, der inzwischen in Mannheim unterschrieben hatte. Der THW forderte eine Rekordablöse (3,5 Millionen Euro), das Angebot der Löwen lag weiter darunter (1,35 Mio.). Mit dem vermeintlichen Wissen um die Bestechungen hätten Storm, Serdarusic und Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen den THW um die Differenz (also 2,15 Millionen Euro) erpressen wollen, behauptet Schwenker.

Matheis versteht die Welt nicht mehr: „Wenn das so war, warum hat Schwenker dann, als die Vorwürfe ans Licht kamen, nicht die Erpressungsvorwürfe kundgetan?“, fragt er. Auf die Antwort darauf wird man noch einige Monate warten müssen, denn der Prozess gegen Schwenker und Serdarusic, der eigentlich am 29. März vor dem Landgericht Kiel beginnen sollte, wurde aus Krankheitsgründen um Monate verschoben.

Es ist aber nicht die einzige Front, an der Storm derzeit kämpft. Löwen-Gesellschafter Nielsen hat mit seiner Ankündigung, sich in Zukunft auf AG Kopenhagen konzentrieren zu wollen, für große Unruhe gesorgt. Sollte der Wille Nielsens geschehen, dann stünden die Löwen vor einem sportlichen Steinbruch, denn der Mäzen will die Löwen-Profis Olafur Stefansson, Gudjon Valur Sigurdsson, Robert Gunnarsson und Karol Bielecki in die dänische Hauptstadt mitnehmen. Und auch HSV-Rückraumstar Krzysztof Lijewski, der ursprünglich ab Sommer 2011 in Mannheim spielen sollte, wird stattdessen in Kopenhagen spielen, sagt Nielsen. Letztlich muss Storm auch befürchten, dass auch der dänische Torhüter Niklas Landin, eins der größten Torwarttalente der Welt, 2012 nicht wie geplant den Weg nach Mannheim findet, sondern in seiner Heimat bleibt.

Zu all dem tauchten zu Beginn der Woche noch Gerüchte auf, Storm werde den Klub verlassen und ab Sommer Präsident des HSV Hamburg. Storm selbst hat darauf geantwortet, er höre davon zum ersten Mal. Aber ausdrücklich dementiert hat er nicht. Auch dieses Detail dürfte die Gesellschafter und Beiräte interessieren.

Von Erik Eggers

Quelle: HNA

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