Kasseler heute mit Bergischem HC Gast der MT

Warum der Kasseler Handballer Sebastian Damm jede Sekunde genießt

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Daumen hoch: Sebastian Damm (links) mit Teamkollege Jeffrey Boomhouwer.

Für Sebastian Damm ist der Auftritt heute ab 19 Uhr in der Kasseler Rothenbach-Halle fast ein Heimspiel. Und das, obwohl der Bundesliga-Handballer nicht im Trikot der gastgebenden MT Melsungen, sondern im Dress des Bergischen HC aufläuft.

Doch der 24-Jährige ist ein waschechter Kasseler. Und so sind allein 25 Plätze im Gäste-Block von ihm reserviert – für Familie und Freunde.

Die Damms sind handballbegeistert. Auch die beiden Brüder Christian und Julian haben sich in diesem Sport schon einen Namen gemacht. Als Julian, der mittlerweile nach Emsdetten gewechselt ist, im Dezember 2018 gegen Flensburg sein erstes Bundesliga-Spiel für die MT bestritt, war Sebastian als Zuschauer dabei. „Ein besonderer Moment“, erinnert sich Damm. Zu dieser Zeit saß er im Rollstuhl – die Folge eines schweren Unfalls. Was war passiert?

Damm steckte im Stau auf der Autobahn – der Fahrer eines nachfolgenden Fahrzeug erkannte die Situation zu spät. Es kam zum Aufprall. Der damalige Spieler von Lübeck-Schwartau trug schwere Verletzungen an Armen und Beinen sowie ein Schädel-Hirn-Trauma davon, als er mit seinem Wagen unter einen Lkw gedrückt wurde. Sechs Wochen verbrachte er im Krankenhaus. Es überrascht deshalb nicht, wenn Damm nun solche Sätze sagt: „Ich genieße jede einzelne Sekunde in dieser Saison.“

Die MT hat dem mittlerweile 24-Jährigen damals sehr geholfen – Jugend-Koordinator Axel Renner sorgte dafür, dass Damm nicht weit von seiner Heimatstadt beim Melsunger Partner Blu in Guxhagen an seinem Comeback arbeiten konnte. Obwohl noch nicht absehbar, wann Damm wieder zum Handball greifen kann, erhielt er während dieser Zeit einen Anruf von BHC-Trainer Sebastian Hinze. Er wollte den talentierten Linksaußen verpflichten. „In den ersten Wochen bist du tief unten. Da puscht es dich, wenn du so ein Angebot erhältst“, erklärt Damm rückblickend. Er fuhr dann mit seinem Vater Karsten nach Solingen, um sich mit Hinze und Manager Jörg Föste für die Vertragsverhandlungen zu treffen. Bis zur Unterschrift musste der Nordhesse, der aus der Jugend der SVH Kassel stammt und bereits mit 13 Jahren ins Internat nach Großwallstadt wechselte, nicht lange überlegen.

Seit dieser Saison ist nun das Bergische Land Damms sportliche Heimat. Den Job auf der linken Außenbahn teilt er sich mit Jeffrey Boomhouwer, einem Ex-Melsunger Publikumsliebling. „Ich kannte Sebastian vorher nicht. Wir kommen trotzdem gut miteinander zurecht und sind ein gutes Team“, erklärt der Niederländer. „Wir geben uns gegenseitig Tipps.“ Das kann Damm nur bestätigen: „Wir sind auf einer Wellenlänge.“

Da Boomhouwer in seiner Freizeit auch gern mal die alten Kollegen in Melsungen besucht, kommt es schon vor, dass er mit dem gebürtigen Kasseler eine Fahrgemeinschaft nach Nordhessen bildet. Das Autokennzeichen des Holländers weckt heimatliche Gefühle: MEG – für Melsungen.

Damms letzter Auftritt in dieser Region liegt schon einige Zeit zurück. Vor fünf Jahren verlor er in der 2. Bundesliga mit Bayer Dormagen 32:35 bei Eintracht Baunatal.

Quelle: HNA

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