„32 Mannschaften sind definitiv zu viel“

Interview: Wie Islands Trainer Gudmundsson von der MT Melsungen die WM erlebt

Mit Island bei der WM dabei: Gudmundur Gudmundsson.
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Mit Island bei der WM dabei: Gudmundur Gudmundsson.

Er gehört zu den erfahrensten Trainern im Handball-Geschäft. Der 60 Jahre alte Isländer Gudmundur Gudmundsson, der im Hauptberuf Coach des Bundesligisten MT Melsungen ist, steht mit der Nationalmannschaft seines Heimatlandes bei der Weltmeisterschaft in Ägypten in der Hauptrunde. Wir haben vor dem Auftritt mit Gudmundsson über die WM und das Leben in einer Blase gesprochen.

Kassel – Er gehört zu den erfahrensten Trainern im Handball-Geschäft. Der 60 Jahre alte Isländer Gudmundur Gudmundsson, der im Hauptberuf Coach des Bundesligisten MT Melsungen ist, steht mit der Nationalmannschaft seines Heimatlandes bei der Weltmeisterschaft in Ägypten in der Hauptrunde. Gestern Nachmittag verlor er mit seinem Team 18:20 gegen die Schweiz. Wir haben vor dem Auftritt mit Gudmundsson über die WM und das Leben in einer Blase gesprochen.

Herr Gudmundsson, wo erreichen wir Sie gerade?

Jetzt bin ich endlich in meinem Hotelzimmer und schaue mir das Spiel zwischen Deutschland und Ungarn im Fernsehen an. Aber warten Sie bitte einen Moment: Ich muss gerade mal gucken, ob sich mein Melsunger Spieler Julius Kühn in dieser Szene gerade verletzt hat? (kurze Pause) Nein, er steht schon wieder – alles gut.

Kein Problem.

Also wir waren den ganzen Tag unterwegs, weil wir in die Hotelanlage in Gizeh umgezogen sind, in der das deutsche Team bislang gewohnt hat. Ich habe sogar meine beiden Melsunger Spieler Tobias Reichmann und Timo Kastening mal kurz gesehen.

Sie waren schon bei vielen großen Turnieren. Wie erleben Sie die Handball-WM in Ägypten?

Ich kann nur sagen, dass bisher alles sehr gut gelaufen ist. Auch am Essen gibt es nichts auszusetzen. Es wurde an unserem ersten Spielort mit dem Namen Neue Hauptstadt Ägyptens sehr genau auf die Einhaltung des Hygienekonzepts geachtet. Und sportlich können wir mit den bisherigen Leistungen unserer jungen Mannschaft zufrieden sein. Wir haben zwei Punkte mit in die Hauptrunde genommen.

Wie sicher fühlen Sie sich in der Blase?

Der fantastische Blick auf die Pyramiden, die Hotelanlage in Gizeh hat schon viel Schönes. Allerdings ist es hier etwas enger. Im Hotel in der Neuen Hauptstadt Ägyptens haben wir noch etwas isolierter gewohnt. Aber im Großen und Ganzen ist alles in Ordnung.

Alfred Gislason für Deutschland, Dagur Sigurdsson für Japan, Halldor Sigfusson für Bahrain und Sie für Island – die Isländer stellen nach den Spaniern die zweitmeisten Trainer bei diesem Turnier. Welchen Austausch gibt es mit den Landsleuten?

Zurzeit findet der nicht statt. Während eines solchen Turniers bleibt dafür einfach keine Zeit. Mit Alfred habe ich allerdings vor der WM telefoniert, und Dagur treffe ich immerhin mal, wenn ich in Reykjavik bin. Das ist aber auch schon einige Monate her.

Wie bewerten Sie das Niveau bei dieser WM?

Eines muss ich festhalten: 32 Mannschaften sind definitiv zu viel. Es ist besser, mit nur 24 Nationen ein solches Turnier auszutragen. Es sind Teams dabei, die einfach nicht die Qualität für solch einen Wettbewerb haben. Ansonsten fällt es mir jetzt schwer, das Niveau einzuschätzen. Spanien, Frankreich, Norwegen und Dänemark scheinen schon am stabilsten zu sein. Aber fragen Sie mich besser noch mal nach der Hauptrunde. (Björn Mahr)

Zur Person: Gudmundur Gudmundsson

Gudmundur Gudmundsson (60) übernahm im Februar 2020 zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Nationalcoach Islands noch den Trainerjob bei der MT Melsungen. In der Bundesliga trainierte er auch schon Dormagen und die Rhein-Neckar Löwen. 2016 gewann er mit Dänemark Olympia-Gold. Der Mann aus Reykjavik ist verheiratet und hat vier Kinder.

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