Handball-Bundesliga: Darum ist das Duell Melsungen gegen Wetzlar so besonders

Wieder lockt das Derby

Melsungen/Wetzlar. Am Sonntag ist es wieder so weit: Derbyzeit in der Handball-Bundesliga. Dann nämlich, wenn die MT Melsungen bei der HSG Wetzlar (So. 17.15 Uhr Rittal-Arena) ihre Visitenkarte abgibt.

Ein Gipfeltreffen der besonderen Art, wenn hier die beiden einzigen hessischen Teams aus dem Oberhaus aufeinandertreffen. Doch es gibt weitere gewichtige Gründe, warum diese Partie in beiden Fanlagern mehr Emotionen als ein „normales“ Spiel auslöst.

Besondere Gesetze

Allgemein werden dem Derby „besondere Gesetze“ unterstellt. Bei der MT gegen Wetzlar trifft das in besonderem Maße zu. Vermeintliche Favoritenstellungen wurden missachtet, etwa als die Melsunger direkt nach dem Aufstieg 2005 den Nachbarn gleich zweimal düpierten. Der war auch in der letzten Spielzeit Favorit, erschien mit breiter Brust und einem Fabelstart von 6:0-Punkten in der Rothenbach-Halle - und verlor mit 25:28 gegen einen vermeintlich angeschlagenen Gastgeber.

Historische Wurzeln

Die Rivalität zwischen den Nord- und den Mittelhessen geht bis ins Unterhaus zurück. Als die MT 1992 aufstieg, war der TSV Dutenhofen (ab 1992 HSG Dutenhofen/Münchholzhausen, seit 2004 HSG Wetzlar) dort bereits Dauergast - und den Melsungern immer einen Schritt voraus. Trainer Rainer Dotzauer, der sich auf Eigengewächse wie Wolfgang Klimke oder die Inderthal-Zwillinge - bei den Melsunger Fans damals besonders „beliebt“ - bauen konnte, führte die Mannschaft 1998 in die 1. Liga. Doch die Nordhessen zogen nach - und gleich.

Spielerbewegung

Die Liste der Spieler, die in beiden Clubs gespielt haben, ist lang. Wobei sich die Wechsel-Waage in dieser Saison Richtung Melsungen geneigt hat: Spielt derzeit mit Daniel Valo nur ein Ex-MTer bei der MT, sind es umgekehrt mit Michael Allendorf, Christian Hildebrand, Philipp und Michael Müller gleich vier ehemalige Wetzlarer im Melsunger Trikot. Der bekannteste Wandler zwischen den Rivalen: Rechtsaußen Savas Karipidis, von 2005 bis 2007 bei der HSG und von 2007 bis 2013 bei der MT.

Roth-Faktor

Der spektakulärste Wechsel war der des aktuellen Melsunger Trainers Michael Roth. Zum Ende der Hinrunde 2010/2011, als sich die MT einen kapitalen Fehlstart leistete und sich deshalb von Matjaz Tominec trennte, folgte der Ex-Nationalspieler dem Ruf der Nordhessen.

Personelle Vorzeichen

Die 17. Bundesliga-Auflage des Kampfes um die Vorherrschaft im hessischen Handball steht personell unter ganz besonderen Vorzeichen. Mit dem größten Coup der Vereinsgeschichte, der Verpflichtung von Ex-Welthandballer Ivano Balic, zog bei den eher bodenständigen Mittelhessen Glamour ein. Abgefedert durch zwei weitere Verpflichtungen vom ehemaligen spanischen Spitzenclub Atletico Madrid: die Torhüter Magnus Dahl und José Javier Hombrados. Dem können die Melsunger unter anderem die Müller-Zwillinge gegenüberstellen - das Herz der Wetzlarer Mannschaft der letzten Saison. Ihr Empfang in der Rittal-Arena ist vorhersehbar.

Von Ralf Ohm

Quelle: HNA

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