Glücklos und unkonzentriert

Zu viele falsche Entscheidungen: KSV Hessen unterliegt Großaspach 0:2

Von links: Philipp Reitermayer, Sebastian Schmeer, Lukas Iksal und Tim Brandner.
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Bild mit Aussagekraft: Schiedsrichter Philipp Reitermayer (links) steht vor den KSV-Spielern (von links) Sebastian Schmeer, Lukas Iksal und Tim Brandner, die mit einer seiner Entscheidungen nicht zufrieden sind.

Es war symptomatisch für diesen Tag. Diese erste Partie des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel im Jahr 2021.

Kassel – Schon länger hatte der Gegner an diesem Samstag, die SG Sonnenhof Großaspach, das Offensivspiel eingestellt. Die Löwen waren angerannt. Sie hatten große Chancen ausgelassen. Nun – in der 90. Minute – war Ingmar Merle gefoult worden. An der Strafraumkante. Und für solche Dinge hat der KSV zwei Spezialisten. Merle selbst. Und Alban Meha. Meha schnappte sich den Ball, bekam noch einen Klaps mit von Merle. Er legte sich das Spielgerät zurecht, nahm Anlauf. Der Ball hob ab, senkte sich hinter der Mauer. Dann klatschte er an die Latte und sprang wieder vom Tor weg.

So oder so ähnlich verlief der Nachmittag im Auestadion. Häufig waren die Löwen nah dran. Am Ausgleich. Am Anschlusstreffer. Doch am Ende unterlagen sie dem Drittligaabsteiger Großaspach 0:2 (0:1). Was nicht unbedingt verdient war. Aber auch nicht unverdient. Weil der KSV einen absolut glücklosen Auftritt hinlegte und in entscheidenden Situationen unkonzentriert war.

„Das war ein Dreckstag“, sagte ein noch sichtlich aufgebrachter Tim Brandner kurz nach dem Schlusspfiff. „Heute hat nicht die bessere Mannschaft gewonnen. Wir müssen unsere Chancen nutzen. Aber der Schiedsrichter hat auch seinen Teil dazu beigetragen“, fügte er an. Der 29-Jährige wurde dabei von vorbeilaufenden Mitspielern beruhigt. Das half nur wenig. „Ich kann doch meine Meinung sagen“, kommentierte er diese Versuche. Er meinte einige Entscheidungen von Schiedsrichter Philipp Reitermayer und seinen Assistenten, die auf dem Platz und auch auf der Bank der Löwen für Ärger sorgten. „Das war schlecht“, befand Brandner.

Reitermayer hatte den Gästen in der 20. Minute einen Strafstoß zugesprochen, als Andreas Ivan und Marco Dawid einen Abpraller im KSV-Strafraum sichern wollten, Dawid dabei einen Schritt zu spät kam. Ivan fiel, Reitermayer pfiff und Nicolas Jüllich verwandelte. „Wenn er diesen Elfer gibt, dann müssen wir in der zweiten Hälfte zwei bekommen“, befand Brander. Einmal lag Sergej Evljuskin im gegnerischen Strafraum am Boden (59.), der den verletzten Frederic Brill vor der Abwehr vertrat. Doch Reitermayer ließ das Spiel weiterlaufen. Die klarste Fehlentscheidung.

In dieser zweiten Hälfte, die mit dem schnellen 0:2 durch einen Kopfball von Marvin Cuni nach einer Ecke begonnen hatte, hob Reitermayers Assistent noch häufig die Fahne. Immer dann, wenn es hätte gefährlich werden können, wenn ein KSV-Spieler allein durch war, auf dem Weg zum 1:2. Dann wurde dieser gestoppt.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Löwen sich an diesem Tag selbst im Weg standen. Als Lukas Iksal aus spitzem Winkel schießen kann oder vorher zum mitgelaufenen Mahir Saglik hätte spielen können, zu lange mit dem Abspiel wartet und die Chance so vergibt. Ähnliches passierte im zweiten Durchgang mit Dawid und Saglik, nur schoss Dawid dieses Mal und hätte abgeben müssen. Und direkt nach der Einwechslung von Sebastian Schmeer und Nils Pichinot köpfte Schmeer nach einer Ecke, der Ball wäre ins Tor gegangen. Doch Pichinot hielt noch die Fußspitze hin – und stand dabei im Abseits.

So bilanzierte ein enttäuschter KSV-Trainer Tobias Damm: „Das Ergebnis passt.“ Es passt zu diesem Tag. (Maximilian Bülau)

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