20 Jahre Skisprung-Weltcup in Willingen

Andreas Goldberger gewann, wollte aber nicht tanzen

Willingen - Exakt vor 20 Jahren: Am 7. und 8. Januar 1995 fand in Willingen erstmals ein Skisprung-Weltcup statt. Zum Jubiläum blicken wir zurück aufs Sportliche, noch mehr aufs Drumherum. Im zweiten Teil der Serie geht’s um allerlei Prominenz – und wie sich der erste Sieger um einen Tanz drückte.

25.000 Mark mussten die Willinger für den Charterflug berappen, der die Weltcup-Premiere direkt nach dem letzten Springen der Vierschanzentournee in Bischofshofen ermöglichte. Ein Koffer, der am Ende doch noch detektivisch an seinen Besitzer weitergegeben werden konnte, machte Probleme. Ansonsten lief alles reibungslos – bis auf die Tatsache, dass die Finnen in ihrem total ausgebuchten Hotel eine Nacht auf dem Flur schlafen sollten und mit Trainer Hannu Lepistö mitten in der Nacht ein neues Quartier einforderten. Es wurde dann im „Hochsauerland 2010“, wo seit 1995 auch die deutsche Mannschaft residiert, gefunden.

Der Star der Premiere war Jens Weißflog. Hatten die Willinger ihn vergeblich immer wieder als Wunschkandidat für einen der Europacups beim DSV angefordert, war der Doppel-Olympiasieger jetzt der gefragte Mann an der Schanze, bis der Japaner Funaki auf die neue Rekordmarke von 134 Metern flog und Andreas Goldberger als erster Willinger Weltcupsieger gefeiert werden konnte.

Die Schirmherrin und Regierungspräsidentin Inge Friedrich bat den Österreicher bei der Siegerehrung im Hotel „Sauerlandstern“ zum Tanz. „Ich kann aber nicht führen“, sagte Goldberger „Für einen Mann aus dem Walzerland ungewöhnlich“, konterte die schlagfertige Politikerin, während die anderen Skispringer ihre in Willingen immer wieder üppigen Siegerpreise wie ein Fernsehgerät oder ein Mountainbike meistbietend unter den Fans zu Geld machten. Die Japaner bedankten sich unterdessen mit einem musikalischen Ständchen (dem Marlene-Dietrich-Song „Vor der Kaserne?...“) für die Gastfreundschaft.

Erstmals eine Springerin

Willingen bot aber noch eine andere Premiere: Mit der Österreicherin Eva Ganster ging erstmals eine Skispringerin unter der Regie ihres Trainers Peter Leiner über die Großschanze. Sie sollte eigentlich die Jazz-Kapelle „Salzsiefer“ aus Bad Salz­uffeln durch das Publikum ziehen und für gute Stimmung sorgen, was aber angesichts der vielen Tausend Fans, die sich im Auslauf drängten, nicht umzusetzen war.

„Weltcup ausverkauft“, meldete der Ski-Club Willingen schon an Weihnachten, als Sven Hannawald und Martin Schmitt um den Jahrtausendwechsel zu ihren Höhenflügen ansetzten, wie Popstars gefeiert wurden und die jungen Mädchen schon morgens um acht das Stadion stürmten und dank ihrer Pampers-Windeln ihren Stehplatz in der ersten Reihe an der Mixed-Zone auch bis zur Siegerehrung am Abend halten konnten.

Der Willinger Weltcup-Wahnsinn sprach sich schnell herum, als RTL einstieg, gab es Rekordquoten und fanden Regisseur Volker Weicker oder Box-Weltmeister Henry Maske nur einmal nicht den Weg ins Upland, weil sie das falsche Willingen, das im Westerwald, in ihr Navi eingegeben hatten. Neben den Boxern kamen auch die Formel-1-Prominenz Niki Lauda, Ralf Schumacher, Gerhard Berger und Norbert Hauck, die Fußballer Manuel Neuer, Stephan Kießling, Hans-Joachim Watzke, Neven Subotic, die Handball-Weltmeister von Heiner Brand oder die Nationalspieler aus Lemgo an die größte Großschanze der Welt. Dort waren der heutige IOC-Präsident Thomas Bach oder sein Nachfolger als DOSB-Präsident, Alfons Hörmann, Schirmherren – neben politischer Prominenz wie den Ministerpräsidenten Hans Eichel, Roland Koch und Volker Bouffier oder mit Manfred Kanther auch ein leibhaftiger Bundesinnenminister.

Ohne Ausweis kein Einlass

Apropos Hörmann: Der damalige Präsident des Deutschen Skiverbandes wagte sich ausgestattet mit seiner Akkreditierung auch in den Weltcup-Trubel im Brauhaus. Um zu telefonieren, verließ er den Bier- und Feiertempel ohne Jacket und den Weltcup-Ausweis. Die abgestellte Security am Einlass folgte ihrem Auftrag gewissenhaft und ließ Hörmann, ohne seinen Ausweis, nicht mehr hinein. Der Zornausbruch des Präsidenten war weithin zu hören, stimmte aber den Security-Mann nicht um. Es musste telefonische Hilfe beantragt werden, um den hohen Gast zu legitimieren, sodass ihm wieder Einlass gewährt wurde.

Manch Skisprung-Star soll es dagegen schon gelungen sein, die Kontrollen zu umgehen und ohne Wissen ihrer Trainer während des Weltcup-Wochenendes auch mal kräftig zu feiern. (be)

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