Traumnote 20 für Stephan Leyhe bei der Team-Goldmedaille 

Zehnter WM-Titel für den SC Willingen

Zeigt her die Goldmedaillen: Markus Eisenbichler, Stephan Leyhe, Richard Freitag und Karl Geiger aus Deutschland jubeln bei der großen Siegerehrung in Innsbruck. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Innsbruck/Willingen – Auch wenn die Traumnote 20 des tschechischen Sprungrichters Josef Slavik, übrigens die einzige an diesem goldenen Skisprung-Tag am Bergisel, aus der Wertung fiel, durfte Stephan Leyhe nicht nur darauf und auf seine 128,5 Meter im Finale stolz sei: er trug maßgeblich zum Weltmeistertitel im Team zusammen mit Karl Geiger, Richard Freitag und Markus Eisenbichler bei.

Es war gleichzeitig die zehnte WM-Goldmedaille in der über 100-jährigen Vereinsgeschichte des Ski-Clubs Willingen, plus einiger Juniorentitel. Die neun zuvor hatte Petra Behle errungen, die den 27-Jahre alten Schwalefelder betreut und managt und per WhatsApp gratulierte. „Ich wäre gern dabei gewesen und habe immer noch Gänsehaut“, schrieb die Biathlon-Olympiasiegerin.

Vater Volker Leyhe und einige „Free Willis“ standen in Innsbruck zum Gratulieren Spalier. Lange hatten sie zittern müssen, ob sie Stephan überhaupt erleben würden und sich schon auf die Normalschanze in Seefeld eingerichtet. Dort hat Leyhe, der mittlerweile in Breitnau im Schwarzwald lebt und trainiert im übrigen 2010 seinen ersten Alpencup gewonnen.

Schon bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang war er beim Gewinn der Silbermedaille erst in letzter Minute ins Team gerutscht – für den heutigen Doppel-Weltmeister „Eisei“ Eisenbichler.

Wellinger verdient sich Fairnesspreis

Der hatte sich anschließend einen Fairness-Preis verdient, tanzte im „Deutschen Haus“ einen Schuhplattler für das Silber-Quartett. Ähnlich fair reagierte dieses Mal Andreas Wellinger. „Es nervt mich wie Sau, dass ich nicht dabei bin. Aber das hindert mich nicht daran, mit den anderen zu feiern. Die haben das Ding gerockt. Tanzen kann ich leider nicht so gut wie Esei“, erklärte der Olympiasieger, der für Leyhe weichen musste.

Der Upländer hätte nach seiner Ausbootung fürs Einzelspringen auch sauer sein können, schließlich war er über viele Wochen der beständigste und beste DSV-Adler. Enttäuscht sei er schon gewesen, als er von seiner Streichung erfahren habe. „Aber in unserem Team ist es am schwersten, einen Platz in der Mannschaft zu bekommen.“ Fünf gute Springer – aber nur Platz für vier.

Die fliegenden Doppelzimmmer

Und während das eine Doppelzimmer Eisenbichler/Geiger („wir sind dicke Freunde“) mit Gold und Silber triumphierte, stand Leyhe an der Schanze, um das Einzelspringen in Ruhe zu verfolgen. Noch bei der Tournee war er am Bergisel Vierter, am Ende sogar hinter Eisenbichler Gesamtdritter geworden.„Manchmal sieht man von außen besser, warum einer weit springt“, sagte der Sportsoldat, als sein ständiger Zimmerkollege den Finaldurchgang verpasste und sich für ihn die Tür für den Mannschaftswettbewerb öffnete.

Wellinger hielt das nicht davon ab seinen Kumpel Leyhe („den Preußen“) nach dem Triumph mit über 50 Punkten Vorsprung zu herzigen. „Einfach nur geil“ und „Jeder von uns gönnt es dem anderen.“ Das ist das Erfolgsrezept der Truppe, die als „Abschlussklasse“ ihrem scheidenden Trainer Werner Schuster die Krönung bereitete. Alles, was jetzt noch auf der Normalschanze passiert, ist Zugabe. „Jetzt reißen wir die Bude ein“, kündigte Eisenbichler eine Feier-Nacht an. Doch Schuster relativierte schnell: „Skispringer sind keine Säufer, die fallen nach zwei Bierchen schon um.“ Und als Leyhe im Bayerischen Fernsehen verraten sollte, ob der Bundestrainer ein Feierbiest sei, bremste ihn Freitag aus. „Sei still. Das geht keinen etwas an.“

Erinnerungen an Alpencup

Auch die Willinger Delegation, angeführt von den SCW-Präsidenten Jürgen Hensel und Wilhelm Saure sowie Schanzenchef Andi Rohn und Vater Volker feierte ebenfalls vor Ort. Vor zwei Jahren bei der WM in Lahti stand Leyhe auch mit viel Windpech am Ende mit seinen Kollegen noch neben dem Podest. Diesmal ganz oben.

Derweil erinnerte ein Facebook-Post aus dem Bayerischen Wald an einen Alpencup vor rund zehn Jahren. Leyhe hatte gewonnen und Geiger war nur Vorletzter geworden. Und das Bayerische Fernsehen kramte ein Archiv-Stück heraus, in dem ein junger Markus Eisenbichler vom Alpencup träumte und seine Eltern gar nichts vom Olympiasieg oder WM-Titel wissen wollten. Die Zeiten haben sich geändert. (Werner Rabe)

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