Schanzenchef im Skiurlaub unerwartet verstorben - "Ein Profi im Ehrenamt"

Ski-Club Willingen trauert um Wolfgang Schlüter

+
Ein Schock für Willingen sechs Wochen vor dem Weltcup: Schanzenchef Wolfgang Schlüter verstarb völlig überraschend während seines Urlaubs. 

Willingen – Wolfgang Schlüter ist tot. Die traurige Nachricht verbreitete sich in Windeseile in Willingen und unter den Ski-Club-Mitgliedern. Der Schanzenchef am Mühlenkopf verstarb plötzlich und unerwartet in der vorigen Woche während des Skiurlaubs in Schruns im Vorarlberg.

Als Eismeister der Willinger Kurbetriebe erst vor einigen Monaten in Ruhestand gegangen, wollte der 64-Jährige mit seiner Familie vor der heißen Phase im Weltcup-Countdown noch einmal ausspannen.

Nicht nur für seine Ehefrau, die beiden Töchter, Schwiegersöhne und vier Enkel geschah etwas völlig Unerwartetes und Unfassbares.

„Ein Profi im Ehrenamt – aber mehr noch ein guter Freund, vorbildlicher Free Willi, der sein ganzes Schanzenteam auch in den schwierigsten Situationen mit seiner stets humorvollen Art für die Schanze und den Weltcup begeistern konnte, ist von uns gegangen. Wir sind alle sehr traurig und in Gedanken bei seiner Familie“, fasste Präsident und OK-Chef Jürgen Hensel in bewegten Worten zusammen, was alle fühlten.

Wolfgang Schlüter verlor nie die Nerven

Seit 2006 war Wolfgang Schlüter Schanzenchef wie schon sein Vater Heinrich in den 60er-Jahren. 54 Jahre war Wolfgang Schlüter Mitglied im Ski-Club Willingen. „Als Knecht“ habe er schon als Kind an der Schanze mit gearbeitet und sein Wissen und seine Erfahrung später nicht nur an der Mühlenkopfschanze, sondern auch bei befreundeten Ski-Clubs in Klingenthal, Oberstdorf und Titisee-Neustadt mit eingebracht.

Er verlor nie die Nerven – ob der Schnee ausblieb, mit Schneekanonen und Lanzen produziert werden oder mit unzähligen Lkw-Fuhren aus Skihallen, der Arena AufSchalke oder Fischfabriken herangekarrt werden musste.

Wolfgang Schlüter wusste immer, was zu tun war und konnte sein Team motivieren. Für Fernsehen, Radio oder Zeitungen gab er Interviews und erklärte jede Situation rund um Anlauf und Aufsprunghang. Die Eisspur, die er Weltcup für Weltcup hinzauberte, war sein ganzer Stolz, das Lob der Skispringer und FIS-Funktionäre hatte er sich mehr als verdient.

Nicht wenige der Technischen Delegierten des Weltverbandes FIS bezeichneten ihn im internen Kreis als den besten Schanzenchef der Welt. Auch FIS-Direktor Walter Hofer und DSV-Sprungexperte Rudi Tusch zollten immer wieder Lob, wenn in Willingen gesprungen werden konnte, während andernorts Veranstalter passen mussten.

Obmann und rechter Verteidiger

Als Fußballer verdiente sich Wolfgang Schlüter seine sportlichen Sporen. Rechter Verteidiger war seine Position. Als Fußball-Obmann zu Oberliga-Zeiten und später als Obmann der Altherren ließ ihn das runde Leder nicht los. Die Begeisterung dafür gab er an einen talentierten Enkel weiter. 

Einer der beiden Schwiegersöhne, Tobias Cramer, ist Trainer von Hessen Kassel und wie der andere, der langjährige Chef Anlauf Michael Groß, auch als „Free Willi“ im Weltcup-Team. Dort hinterlässt Schlüter mehr als eine große Lücke.

Schlüters Stellvertreter Andi Rohn, ein Schulfreund aus Kindertagen, stürzte sich mit dem engsten Helferkreis in die Arbeit an der Mühlenkopfschanze, um die Trauer zu verdrängen und den Weltcup-Countdown in seinem Sinne fortzusetzen. Das Team will alles dafür tun, dass „Willingen/5“ vom 15. bis 17. Februar in Wolfgang Schlüters Sinn wieder ein Kult-Weltcup wird – auch wenn menschlich ein Schatten auf das Topereignis gefallen ist. (be)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare