Wie der Willinger Skispringer den Triumph von Bischofshofen verdaut

Die Tournee - Stephan Leyhes „erste große Einzelleistung“

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Freude rausgeschrieen: Stephan Leyhe (rechts) feiert mit Markus Eisenbichler das Podium bei der Vierschazentournee. 

Willingen – Noch ist dieser Winter nicht ganz so viel Wert wie der vorige. „Das kommt nicht ganz an Pyeongchang heran“, sagte Stephan Leyhe in eines der vielen Mikrofone, die sich ihm am Tag nach seinem 27. Geburtstag entgegenstreckten.

Aber der Skispringer aus dem Willinger Ortsteil Schwalefeld hat nach der olympischen Silbermedaille (Teamspringen) einen weiteren Meilenstein gesetzt: Dritter bei der Vierschanzentournee. „Da habe ich so ein Ding rausgehauen, mit dem ich selbst nicht gerechnet habe“, sagte Leyhe nach den 137 Metern des zweiten Durchgangs, die ihn von Platz elf auf vier klettern ließen. 

Später genoss der Willinger mit für ihn ungewohnten Gefühlsausbrüchen die Siegerehrung, während im Heimatort Fanclub und Familie bei Leyhes daheim feierten. Wieder in der Küche, wie damals, als der Junior in Pyeongchang auf dem Podest stand.

Ohne Podium aufs Podium

13, 7, 4, 4 waren Leyhes Platzierungen – Tournee-Bronze, auch ohne in einer Einzelkonkurrenz auf dem Podest zu sein. „Diesen Tag werde ich nie vergessen. Mir persönlich bedeutet das sehr viel, es ist meine erste große Einzelleistung“, sagt der Wahl-Schwarzwälder am Tag danach. Ein bisschen relaxen in Breitnau steht an, Mittwoch Krafttraining, am Donnerstag Anreise nach Val di Fiemme zum nächsten Weltcup. Zuvor galt es erst noch, diverse Geburtstags-Glückwünsche zu beantworten.

Es wird sein 104. – und der einer neuen Ära in seiner Karriere?. Die begann mit fünf Jahren. 2011 verließ er mit Abitur und als „Eliteschüler des Jahres“ die Uplandschule, zog nach Hinterzarten, wo er eine Zeit lang von Stefan Horngacher trainiert wurde; heute Erfolgsschmied Polens. Da hatte Leyhe gerade zum zweiten Mal mit dem DSV-Nachwuchs Silber bei der Junioren-WM gewonnen.

Die Weltcup-Zeit begann mit einem 13. Platz Ende 2014 in Engelberg. Leyhe wurde 2016 Team-Vizeweltmeister im Skifliegen sowie zuletzt 22. und 18. im Gesamt-Weltcup. Darin ist er nun Vierter und damit bester Deutscher. Die Tage als Mittelfeldmann und Reservist für Stars wie Andreas Wellinger scheinen gezählt.

"Mit Erwartungen komme ich klar"

„Es sagt sich immer so leicht: Man muss einfach weitermachen und nicht viel grübeln. Das klappt nicht bei jedem; bei mir hat sich das zum Glück gelohnt“, so Leyhe. Er und sein gleichaltriger Teamkollege Eisenbichler – er musste bei Olympia für Leyhe weichen – sind jetzt das Vorzeige-Duo im DSV-Team. 

Wobei das im Team keine Rolle spiele, verrät Leyhe. „Es ist auch nicht so, dass der Bundestrainer jetzt sagt, ich erwarte mehr von dir. Das wäre unnötig erzeugter Druck. Man kann das selber gut einschätzen. Klar werden die Erwartungen von außen höher. Aber meine eigenen ja auch. Damit komme ich klar“, sagt er.

Mit Platz zwei, dreimal Platz vier und zweimal Platz sechs hat Leyhe einen Teil des Saisonziels – konstant in die Top Ten – längst erfüllt. Einen weiteren – mehr Weltcuppunkte als im Vorjahr – auch. Damals 327, bisher 411. Dieser Winter könnte am Ende viel wert sein.

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