Upländer Skispringer bedauert wie viele andere, dass Bundestrainer am Saisonende aufhört

Leyhe: "Schuster hat Skispringen 11 Jahre geprägt"

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Viele Jahre Seite an Seite: Stephan Leyhe und  Bundestrainer Werner Schuster.

Willingen – 1995 war er zum ersten Mal beim Weltcup in Willingen. In zwei Wochen wird es zum vorerst letzten mal am Mühlenkopf sein; zumindest als Bundestrainer Skisprung in Deutschland: Werner Schuster hört nach elf Jahren als auf.

Der Kleinwalsertaler, der bei der Willinger Weltcup-Premiere 1995 noch als aktiver Skispringer für Österreich am Start gewesen war, wird seinen im Frühjahr auslaufenden Vertrag nicht verlängern und damit beim Willinger Kult-Weltcup vom 15. bis 17. Februar zum letzten Mal in dieser Funktion im Waldecker Upland sein.

Und es gab nach der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag in Oberstdorf niemanden, der die Entscheidung nicht bedauerte. Auch Stephan Leyhe nicht. „Er hat gute Gründe genannt und das muss man respektieren. Er hat das deutsche Skispringen in den letzten elf Jahren geprägt. Ich wünsche ihm für seine Zukunft alles Gute“, sagte der Schwalefelder in Oberstdorf, wo er mit Schuster und Andreas Wellinger auf dem Podium saß.

Horst Hüttel, Sportlicher Leiter Skisprung und Nordische Kombination, erklärte: „Wir haben gemeinsam in den letzten elf Jahren viele große Erfolge feiern dürfen. Die Basis dafür war die extrem engagierte und hochprofessionelle Arbeit von Werner Schuster. Daher bedauere ich die Entscheidung, respektiere sie aber auch. Wir wollen mit Werner Schuster auch zukünftig zusammenarbeiten und sprechen gemeinsam über mögliche Konzeptionen. Bis zur Cheftrainerklausur in April werden wir hierzu Konkretes vermelden.“

Schusters Abgang kommt keineswegs aus heiterem Himmel. Immer wieder hatte er betont, auch mit Blick auf seine Söhne Jonas (15) und Jannick (12) kürzertreten zu wollen. „Mein Jüngster kennt mich im Winter nur aus dem Fernsehen“, so Schuster.

„Es war eine wahnsinnig intensive Zeit über die vergangenen elf Jahre. Jetzt ist der Zeitpunkt, eine intakte Mannschaft zu übergeben“, sagte der Coach, der beim DSV mit seinen Springern fast alles erreicht hat, was zu erreichen war: Weltmeistertitel, Olympiasiege, Weltcup-Erfolge. Allein der Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee blieb seinen Schützlingen in dieser Zeit versagt.

Vor einigen Wochen hatten Markus Eisenbichler und Stephan Leyhe, der das Ausscheiden Schusters wie alle Athleten bedauert, hinter Japans Ryoyu Kobayashi die Plätze zwei und drei belegt.

Familienvater Schuster, der seinen Abschied mit dem hohen Aufwand begründete, erklärte, nun drei Möglichkeiten zu haben, dazu gehöre auch eine weitere Zusammenarbeit mit dem DSV. „Da ist etwas zusammengewachsen. Das ist eine interessante Option“, sagte er.

Denkbar sei zudem eine Rückkehr an das Skigymnasium Stams oder eine komplette Auszeit. „Ich bin seit 21 Jahren Berufstrainer. Es könnte mir eine Pause gut tun.“

Nachfolge: Horngacher Kandidat Nr. 1

Heißester Kandidat auf seine Nachfolge ist der derzeitige polnische Nationaltrainer Stefan Horngacher, der zuvor auch Assistent bei Schuster und dem DSV gewesen ist. Bei Schusters Landsmann, der im Schwarzwald verheiratet ist, läuft der Vertrag in Polen aus. Polens Skispräsident Apoloniusz Tajner und Sportdirektor Adam Malysz, erklärten zum Thema Horngacher, es werde angestrebt, den Österreicher als Trainer zu halten.

Weitere Kandidaten als Nachfolger: der ehemalige Skiflug-Weltmeister Roar Ljökelsöy aus Norwegen, der bereits zum DSV-Stab gehört, der Schweizer Nationalcoach und ehemalige deutsche Kader-Springer Ronny Hornschuh oder sogar Ex-Weltmeister Martin Schmitt, der das Trainerdiplom in der Tasche hat. Schmitt hatte zuletzt aber erklärt, zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Verfügung zu stehen.

Schuster war 2008 als Nachfolger von Peter Rohwein aus der Schweiz zum DSV gekommen. Gemeinsam mit dem Sportlichen Leiter Horst Hüttel führte er das deutsche Skispringen kontinuierlich zurück in die Weltspitze. Größte Erfolge waren der Olympiasieg 2014 mit der Mannschaft, der WM-Titel und der Triumph im Gesamtweltcup 2014/15 durch Severin Freund sowie der Olympiasieg 2018. (be/red)

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