56.800 Zuschauer beim Skisprung-Weltcup

Skispringen Willingen: Deutsches Duo jubelt - Leyhe erlebt Achterbahnfahrt

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Diese Deutschen lösten den meisten Jubel in Willingen aus: Markus Eisenbichler (rechts) bejubelte gestern seinen zweiten Platz an der Mühlenkopfschanze mit Karl Geiger. Der hatte am Samstag gewonnen.

Willingen – Viel mehr hätte das Skisprung-Fest an der Mühlenkopfschanze nicht gebraucht: Platz eins und zweimal Platz zwei für Deutschland, ein Weltcup ohne ernsthafte Zwischenfälle und eine Besucherzahl, die die Erwartungen des Skiclubs Willingen übertraf.

Am Samstag brachte Karl Geiger das Publikum in Wallung, als er mit einem Sprung nahe heran an den Schanzenrekord von 152 Metern etwas überraschend als Sieger triumphierte und eine Reihe von Favoriten hinter sich ließ. Der Oberstdorfer gewann vor Kamil Stoch aus Polen und dem Japaner Ryoyu Kobayashi.

Auch am Sonntag zum Abschluss in Willingen wäre beinahe bei der Siegerehrung wieder die deutsche Hymne gespielt worden. Markus Eisenbichler, der tags zuvor noch zur großen Enttäuschung aller im ersten Durchgang ausgeschieden war, schob sich mit einem starken zweiten Sprung noch an drei Polen und zwei Norwegern vorbei und wurde nur noch von Kobayashi abgefangen.

Der Vierschanzentournee-Sieger aus Japan war insgesamt der stärkste in den Einzelspringen. Mit 146 und 144 Metern hatte er am Sonntag um mehr als 20 Punkte klar die Nase vorn. Eisenbichler landete knapp vor Piotr Zyla (Polen) auf dem Silberrang. 

Aus dem deutschen Lager überzeugten auch Richard Freitag und Geiger als Vierter beziehungsweise Sechster.

Der Überflieger: Ryoyu Kobayashi gewann die Extraprämie als Sieger von Willingen5

Den Sieg und 25.000 Euro Prämie im Wettbewerb „Willingen 5“ sicherte sich ebenfalls Kobayashi. Geiger wurde hauchdünn hinter dem Polen Zyla Dritter.

Leyhe: "Schwer zu sagen, woran es liegt“

Nur einer musste ausgerechnet in Willingen Trübsal blasen: Stephan Leyhe. Der Lokalmatador aus Schwalefeld schockte seine Fans, als er am Samstag das Finale der besten 30 verpasste. 

„Die Sprünge waren solide gut“ – „der Sprung hat mich geärgert“ – „wirklich nicht gut, aber dann ganz ok“: Leyhes Bilanz bei seinem Heimweltcup war durchwachsen. Nach Platz zwei mit dem Team, aber 35. und 22. im Einzel nannte er das Wochenende eine „Achterbahnfahrt“. 

Im vergangenen Jahr hatte er mit Platz 16 sein bislang bestes Ergebnis auf der Mühlenkopfschanze geliefert. Diesmal wurde mehr erwartet, von den Zuschauern, aber auch von ihm selbst. Immerhin war der Sportler des SC Willingen mit regelmäßigen Landungen in den Top Ten in diesem Winter bislang der beständigste deutsche Adler. 

Das war das Skispringen am Samstag im Video:

Die 128 und 132,5 Meter als Schlussspringer im Teamwettbewerb waren eine gute Basis, auf die sich aufbauen ließ. Entsprechend war die Vorfreude auf die Einzel. „Da will ich meine Sprungtechnik verbessern, um die nächsten Aufgaben in einer guten Form zu bestreiten“, dachte er auch schon an die bevorstehende Weltmeisterschaft. 

Das Feilen am Absprung ging freilich nach hinten los. Der Gesamtsiebte des Weltcups hatte schon bei 125 Metern Bodenkontakt und verpasste als 35. den Finaldurchgang. „Ich war am Freitag und in der Probe immer ein bisschen scharf über dem Eck“, wollte der Willinger geduldiger sein. „Aber dann war ich zu geduldig, habe dabei zu viel Geschwindigkeit verloren und bin einfach runtergefallen.“ 

Noch immer etwas wert:Stephan Leyhe haderte mit seinem Auftritt beim Heimspiel. Bei den Fans waren die Autogramme des Lokalmatadoren dennoch heiß begehrt. Und trotz Enttäuschung erfüllte Leyhe sie geduldig.

Werner Schuster durfte sich später über den Sieg von Karl Geiger freuen, hatte gleichzeitig aber auch viel Aufbauarbeit zu leisten. „Stephan ist im Januar sehr konstant gesprungen“, meinte der Bundestrainer, „aber im Februar haben sich kleine Fehler eingeschlichen, die sich in Willingen besonders auswirken“. Gleichzeitig habe man Leyhe auch angemerkt, „dass ihn die Erwartungen hier in seiner Heimat beschäftigen“. 

Der 27-jährige Schwalefelder verneinte dies aber noch einmal vehement, schob es auf flugtechnische Probleme: „Ich bin schon zum vierten Mal hier, daran lag es nicht. Der Wurm ist schon in Lahti reingekommen.“ Der verkroch sich auch gestern nicht. 

Leyhe erreichte zwar mit 133 Metern das Finale, aber er musste dort schon als dritter Springer wieder ran und reihte sich mit 135,5 Metern als 22. ein. „Es ist schwer zu sagen, woran es liegt“, rätselte er ob der zu frühen Landungen, „mir fehlen ja momentan sechs, sieben Meter pro Sprung.“ 

So hatte er unfreiwillig viel zu früh Zeit für seine Fans, „die Autogramme hätte ich aber lieber später geschrieben“. Das soll schon bei der anstehenden WM wieder so sein. Leyhe: „Denn ich habe das Skispringen definitiv nicht verlernt.“

Das war der Freitag beim Skispringen im Video:

50.000-Zuschauer-Marke geknackt

Insgesamt mehr als 56.000 Zuschauern pilgerten von Freitag bis Sonntag an die Mühlenkopfschanze; 50.000 war die angepeilte Zahl des Ski-Clubs Willingen, der ein durchweg positives Fazit zog. 

Auch die Polizei war mit dem Ablauf sehr zufrieden.

Am Samstag war das Stadion mit 23.500 Zuschauern ausverkauft, zum Abschluss sahen 20 200 Fans das zweite Einzelspringen. 

Der Freitag war mit mehr als 13.000 Zuschauern besser besucht als in früheren Jahren. Zufrieden war auch die Polizei: Sie sprach von einem weitgehend reibungslosen Ablauf und friedlichem Verhalten. Das ÖPNV-Angebot nutzten an den drei Tagen rund 5200 Gäste. (schä/ni)

Skispringen in Willingen - die Bilder vom Sonntag

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Skispringen in Willingen: Die Bilder vom Freitag

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