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Stephan Leyhe, der Tunnel, die Medaille und die „Feierbiester“

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Vier Sportler im Trainingsanzug zeigen ihre Medaille
Eines der begehrten Anhängsel der Sportwelt: Constantin Schmid (von links), Stephan Leyhe, Markus Eisenbichler und Karl Geiger zeigen ihre Bronzemedaille bei der Siegerehrung für das Teamspringen in Peking. © Tobias Schwarz/AFP

Wie hat Stephan Leyhe den Sprung-Krimi mit Happy End erlebt? Haben die Bronze-Gewinner in Peking die Sau rausgelassen? Man weiß es nicht genau. Aber die Medaillen haben sie jetzt.

Zhangjiakou - Der Jubel-Sprung auf Stufe drei des olympischen Podests auf der Medal Plaza in Zhangjiakou klappte schon synchroner als bei der Flower-Zeremonie im Skisprung-Stadion von Zhangjiakou. Constantin Schmid, Stephan Leyhe, Markus Eisenbichler und Karl Geiger strahlten um die Wette, als ihnen Samira Asghari, die sich als IOC-Mitglied besonders um Flüchtlingsfragen kümmert, und ein hochrangiges FIS-Mitglied aus China am Dienstagabend (Ortszeit) die Bronzemedaillen und die obligatorischen Blumen aushändigten.

Nach den Slowenen um die Prevc-Brüder hüpften Österreichs Adler um Stefan Kraft und Manuel Fettner auf das Podium. Für die Olympiasieger wurde ihre Hymne gespielt. Gratulation für die Mitstreiter und Gruppenfotos beenden das strenge Protokoll und lockern die Szenerie auf.

Vor der offiziellen Siegerehrung hatte für das Skispringer-Quartett die tägliche DOSB-Pressekonferenz mit den Medaillengewinnern auf dem Programm gestanden. Stephan Leyhe verriet, dass er sich während des Wettbewerbs zwar Schmids Sprünge jeweils noch angeschaut habe, dann aber „im Tunnel“ für seinen eigenen Flug verschwunden sei. Erst danach habe er wieder den Kopf frei gehabt, um sich über den Zwischenstand oder andere Details zu informieren.

Leyhe: Abgeschottet, aber nicht desinterssiert

Markus Eisenbichler lobte auch den fünften Mann Pius Paschke aus eigener Erfahrung vor vier Jahren („das hat schon an mir genagt“) , Karl Geiger regte an, vor Kritik an Olympia-Machern auch wieder einmal eine eigene Bewerbung einzureichen und Leyhe berichtete, dass es einen in der abgeschotteten Olympia-Blase trotz Social Media-Zurückhaltung „keineswegs unberührt“ lasse, was in der großen weiten Welt an Auseinandersetzungen drohe.

Für eine Schuhplattler-Einlage wie in Pyeongchang war nach dem Team-Wettbewerb am Abend zuvor selbst Eisenbichler zu groggy gewesen. Bei Nudeln mit Tomatensoße, einem kleinen Bier und ein wenig Tischtennis hatten müde deutsche Skispringer nach dem Bronze-Krimi den Tag ausklingen lassen.

Die Gitarre von Bundestrainer Stefan Horngacher war wie immer dabei; auch Paschke entlockte ihr einige Töne. Später soll es zu einem Treffen mit den Österreichern und anderen deutschen Olympioniken im Dorf gekommen sein. „Das Deutsche Haus hatten wir ja schon vor vier Jahren abgerissen“, schmunzelten die vier vielsagend.

Spontane Feier auf dem elterlichen Hof

Daheim in Schwalefeld wurde diesmal nicht wie nach den anderen großen Erfolgen in der elterlichen Küche gefeiert, sondern draußen im Freien im Hof. Dort wurde spontan ein Bierwagen aufgestellt, fanden sich die „Feierbiester“ und „Free Willis“ zum Gratulieren ein.

Auch der Vorstand des Ski-Clubs Willingen war erschienen, um „bei dem ein oder anderen Bier und tollen Gesprächen, immer mit Abstand“ (O-Ton Jürgen Hensel) auf den großen Sohn der kleinen Gemeinde und das Aushängeschild des Vereins anzustoßen. 3,5 Millionen Zuschauer (Marktanteil 34,8) hatten in der ARD zur Mittagszeit mit gefiebert. Ortsvorsteher Christopher Lesser versprach wie Ski-Club-Chef Hensel wieder einen Olympia-Empfang.

Anerkennung bekundete auch Petra Behle, die mit drei Medaillen die olympische Edelmetall-Wertung des SCW anführt. „Das ganze Team hat großen Kampfgeist bewiesen. Vor Stephan habe ich großen Respekt, dass er nach dem Aussetzen beim Einzel nicht aufgesteckt hat und erneut die Chance genutzt hat“, sagte die Biathletin. Petra Behle.

Paul Winter, der lange für Willingen gesprungen war, fand: „Coole Sache von den Jungs. Das hat sich das ganze Team verdient.“ Winter hatte bis Peking die Saisonvorbereitung und die Weltcups-Starts als Hospitant im Trainer-Team von Horngacher mitgemacht. „Ich bin ab Lahti wieder dabei“, ließ er wisen. In Finnland wid am 26./27. Februar wieder um Weltcup-Punkte gesprungen. Die Pause für die DSV-Adler ist nach der Rückkehr aus China nur kurz. (Werner Rabe)

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