Skispringen trotz Corona: Jürgen Hensel zieht positives Fazir

Weltcup 2022 wieder Ende Januar und mit Frauen

Die Tribüne der Trainer an der Mühlenkopfschanze beim Weltcup.
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Maskenball eins: Die Tribüne der Trainer an der Mühlenkopfschanze am Sonntag.

Der vorläufige Termin steht: Ende Januar 2022 soll in Willingen der nächste Skisprung-Weltcup starten. Ohne Corona (hoffentlich) und mit Frauen. Positiv fällt das aktuelle Fazit aus.

Willingen – Jürgen Hensel sitzt an diesem Montag in der Geschäftsstelle des Ski-Clubs Willingen, er ist ein wenig kaputt und hat eine FFP2-Maske auf. Immer noch. Oder nein: schon wieder. Der Präsident des Vereins und OK-Chef für den Skisprung-Weltcup hat die Mund-Nasen-Bedeckung in den letzten drei Tagen an der Mühlenkopfschanze nur abgenommen, vom Essen und Trinken abgesehen, um eine kurze Rede zu halten.

Ob der Chef Maske trägt oder nicht, ist in diesen Zeiten nicht egal. Im 26. Jahr des Nordischen Großevents im Upland stand erstmals Infektionsschutz überhaupt und dann gleich an sehr prominenter Stelle auf der To-Do-Liste. FFP2 war der große Gleichmacher. Sportler, Offizielle, Ordner, Pressevertreter, Helfer trugen den Coronavirenschutz im Gesicht, und Jürgen Hensel war dankbar dafür. Vor allem, was seine Leute angeht. Die Free Willis hätten sich eigentlich durchweg an das Maskengebot gehalten, sagt er. „Das hatte ich so nicht erwartet.“

Die Sache mit den Masken war Pflichtkomponente eines umfassenden Hygienekonzepts. Sein Kernbestandteil: die Schnelltests. Knapp 800 Testungen fanden an der Schanze statt, laut Hensel waren alle Ergebnisse negativ: „Das hat mich überrascht“

Das Konzept, das die Covid-19-Beauftragten Anett und Heiner Märkl (Freising) mit begleitet und vor Ort dankenswerterweise umgesetzt hätten, habe funktioniert: nicht sinnlos zu testen, sondern tägliche Abstriche nur bei den Personen zu nehmen, die während der Wettkampftage untereinander oder Kontakt mit den Sportlern hatten. „Die Moderatoren, die in der Sprecherkabine dicht an dicht sitzen, muss man gezielt testen, nicht aber die Weitenmesser, die mit drei Metern Abstand agieren, wo der Wind pfeift“, sagt Hensel.

Für die Springer galten andere Regeln: Sie mussten mit negativem PCR-Test anreisen und absolvierten am Anreisetag alle einen Schnelltest. Das Hygienekonzept fand großen Anklang. „Wir sind dafür sehr gelobt worden“, sagt Hensel, der am Freitag, dem Tag der Qualifikation, 60 Jahre alt wurde. Überhaupt habe es von der FIS, namentlich von Renndirektor Sandro Pertile sowie vom Deutschen Ski-Verband nur positive Resonanz gegeben. „Ich bin froh, dass es von unserer Seite gut gelaufen ist.“

Hensel: Die Jury hat einen tollen Job gemacht

Während Willingen seinen exzellenten Ruf als Veranstalter damit weiter aufpoliert haben sollte, dürfte der fanlose Weltcup Spuren in der Vereinskasse hinterlassen. Wie rot sind die Zahlen? Hensel winkt ab. „In drei, vier Monaten kann ich was dazu sagen, im Moment nicht.“

Die Atmosphäre war ohne Zuschauer durchaus bisweilen trostlos. Hensel verweist lieber auf die spannenden Wettbewerbe und die Qualifikation mit den „wahnsinnigen Sprüngen“ am Freitag: „als die Jury richtig Gas gegeben hat“.

Maskenball zwei: Präsident und OK-Chef Jürgen Hensel an der Mühlenkopfschanze.

Dass die Wettkampfwächter am Sonntag das vom Wind schwer zerzauste Springen über die Bühne brachten, verteidigt Hensel als richtige Entscheidung. „Es war klar, dass das zäh wird.“ Die Prognosen hatten den gefürchteten Wind aus Südost vorhergesagt, und es gab im Vorfeld ernsthaft den Plan, deshalb bereits am Freitag ein Wertungsspringen zu starten.

„Die Jury hat einen tollen Job gemacht, gerade Boris Sedlak an der Ampel“, sagt Jürgen Hensel und betont: „Es war noch fair.“ Das sehe man daran, wer auf dem Podest gestanden habe: der Weltcup-Führende Halvor Egner Granerud als Sieger, der Weltcup-Zweite Markus Eisenbichler auf Platz drei und dazwischen Piotr Zyla, der diese Saison auch schon einen Weltcup gewann.

„Blöd wäre gewesen, wenn die Nummer 35 der Weltcuprangliste und die 42 und die 58 vorne gewesen wären“, sagt Hensel. Außerdem habe kein Springer in der Luft rudern müssen oder sei gestürzt. Allerdings dürften Topflieger wie Kamil Stoch (27.) oder Marius Lindvik (26.) eine in Teilen andere Auffassung vertreten.

Und die Dauer des Durchgangs? 113 Minuten wurden in der ARD als neue Rekord-Geduldsprobe benannt. Hensel widerspricht: „Es gab schon viel längere.“ Eine kurze Google-Suche liefert keine Erkenntnisse – das Ranking der längsten Skisprung-Weltcups muss wohl erst noch erstellt werden.

Volles Haus für die Frauen geplant

Die Free Willis stehen hinter der Entscheidung des Ski-Clubs Willingen, die Weltcup-Springen Nummer 50 und 51 trotz des Zuschauerverbots am vergangenen Wochenende zu organisieren. Nicht alle wurden gebraucht. Der Verein hatte die Zahl der Helfer auf etwa 350 (von fast 1400) begrenzt. OK-Chef Hensel dankt den Freiwilligen: „Eigentlich hat keiner gesagt, wegen Corona komme ich nicht. Wir hoffen, dass alle Verständnis hatten und uns auch im kommenden Jahr unterstützen.“

Dann, so wünschen sich alle, wieder bei einer richtigen Sprung-Party ohne Corona-Begleitmusik. Sie soll erstmals als Mixed stattfinden: Frauen- und Männer-Weltcup bei ein und derselben Veranstaltung. Terminiert sind die Springen im vorläufigen Kalender der FIS für 2022 erneut auf das letzte Januar-Wochenende (28. bis 30.).

„Wir wollen das so gestalten, dass auch die Frauen vor vollem Haus springen“, sagt Hensel. Er sei mit den zuständigen Renndirektoren der FIS, Sandro Pertile (Männer) und Chika Yoshida (Frauen), bereits im Gespräch, um den Skispringerinnen eine Kulisse mit 23 000 Zuschauern zu bieten.

Männer-Bundestrainer Stefan Horngacher äußerte sich recht positiv zum geplanten Geschlechterdoppel. „Warum sollen die Frauen nicht mitspringen“, sagte er. Schwierig könne die Logistik werden, es würden zusätzliche Container zum Umkleiden gebraucht. Ohne Corona „sollte das kein großes Problem sein in Willingen. Da gibt’s genug Platz“, so Hornmacher gegenüber der WLZ. Ohnehin seien die Willinger vom Schanzenteam „begeisterte Leut, die sich da reinhängen. Großen Respekt vor allen, die freiwillig so ein Event organisieren.“

Am kommenden Wochenende wird’s eine Nummer kleiner. Der Ski-Club richtet dann vier Springen im Continental Cup aus.

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