Moderator Jürgen Bangert erzählt

Weltcup in Willingen ohne Zuschauer – Jagdhorn statt Vuvuzelas

Alleinunterhalter vor leeren Rängen: Stadion-Moderator Jürgen Bangert bläst zur Unterstützung der Springern ins Horn.
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Alleinunterhalter vor leeren Rängen: Stadion-Moderator Jürgen Bangert bläst zur Unterstützung der Springern ins Horn.

Wir wünschen euch gute Unterhaltung. Für diesen Satz übernimmt beim Weltcup in Willingen seit Jahren das Sprechertrio Gunnar Puk, Jürgen Bangert und DJ Tony Kaufmann die Verantwortung. Doch wer war diesmal „euch“?

Willingen – Normalerweise richten sie ihre Worte vor allem an die Fans an der Schanze und im Festzelt. Doch die Klänge ihrer Musik drangen in diesem Jahr nicht in zehntausende Zuschauerohren, sondern sie hallten von den leeren Rängen auf die Stimmungsmacher vom Mühlenkopf zurück. Wenig Stimmung, trotz Stimmungsmusik.

Bangert hatte vorher gesagt, dass er sich das noch gar nicht vorstellen kann, wie es für das Sprecherteam werden wird. Nur eins wusste er bereits: „Wir werden diesmal keine Laola-Wellen sehen.“ Und er befürchtete, dass „es sehr einsam wird“.

Doch so schlimm hat es der gebürtige Willinger, der als Radiomoderator und Comedian bei den NRW-Lokalradios arbeitet, dann doch nicht empfunden: „Es war wie erwartet, extrem anders als sonst, aber wir hatten trotzdem viel Spaß, vor allem im Sprecherteam untereinander“, erzählt der 47-Jährige am Sonntagmorgen. Aller Anfang fiel Bangert an diesen drei Tagen trotzdem schwer. „Bisher war es so, ich komme ins Stadion und da sind schon viele Fans. Das hat mich innerlich schon gepusht. Diesmal kam ich dahin, niemand da und ich musste mich erst einmal selbst in Gang bringen. Und es hat schon eine Weile gedauert, bis wir begriffen hatten, da kommt jetzt keiner mehr, wir müssen jetzt loslegen und unsere eigene Party machen.“

Die Fete im kleinen Kreis scheint gelungen zu sein. Die Mühlenkopf-Stimmungsmacher mussten sich diesmal auch eine andere Zielgruppe suchen. Skispringer, Medienleute und Helfer statt Zuschauer.

Von denen bekommt er natürlich nicht mal so eben ein lang gezogenes „Ziiiieeeehhhh“ geliefert. Also übernahm Bangert diese Aufgabe lauthals selbst. Er hat auch das ansonsten unüberhörbare Vuvuzela-Tröten-Getute aus dem Publikum als Alleinunterhalter so gut es ging ausgeglichen.

„Ich habe mir mein Jagdhörnchen mitgebracht und es zur Freude anderer immer mal wieder zum Klingen gebracht“, sagt Bangert. Seine Mannschaft hatte im Vorfeld eine Musikwunschanfrage an die Sportler geschickt. „Das machen wir jeder Jahr, aber nicht jeder antwortet darauf“, betont Bangert. So war es auch diesmal. Das kann er gut verstehen, denn nicht jeder Skispringer habe Lust, solch eine Anfrage zu beantworten.

Das sei auch eine Typfrage, es gebe Springer, die motiviere so etwas zusätzlich und sie hörten dann auch an der Schanze auf die Musik, die dann während ihres Auftritts gespielt werde und andere seien so stark auf ihren Absprung fokussiert, dass sie nicht mitbekämen, was um sie herum passiere. Einige Springer hätten auch mal freundlich genickt oder die Hand zum Gruß oder Dank gehoben, als sie an dem neu errichteten Sprecherhäuschen vorbeigegangen seien, berichtet Bangert.

Mehr Kontakt zu den Sportlern war aber auch für ihn diesmal nicht drin, denn das schnelle Interview zwischendurch war verboten. Die Sprecher haben vor allem über die Sozialen Medien Kontakt zu den verbannten Weltcup-Anhängern gehalten, etwa auf der Facebook-Seite „Skisprung-Party Willingen“, auf der sie Grüße und Musikwünsche äußern durften. „Wenn die Fans schon nicht rein durften, haben wir gedacht, kommen wir zu ihnen raus, sodass sie trotzdem noch mehr mitkriegen als nur das Springen im Fernsehen.“

Und ein Ziel scheint das Sprecher-Trio an diesen zuschauerfreien Weltcup-Tagen erreicht zu haben: Es wollte mit der Unterhaltung nicht albern rüberkommen und nicht mit Gewalt versuchen, etwas zu ersetzen, was einfach nicht stattfinden kann. Zuschauerapplaus vom Band abzuspielen kam für Bangert und Co. auf keinen Fall in Frage, aber die Takte der Hymne des FC Liverpool schon und diese dann mit viel Lautstärke in die leeren Zuschauerränge hinein singen: You’ll never walk alone – Ski-Club Willingen. (rsm)

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