Ticketrückverkauf ohne Probleme nahezu abgeschlossen

Weltcup-Vorbereitungen starten – auf Willinger wartet besondere Aufgabe: Testen für Olympia

Winterruhe: Der Schnee ist „gefallen“, nun können die Arbeiten für den Weltcup in Willingen beginnen.
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Winterruhe: Der Schnee ist „gefallen“, nun können die Arbeiten für den Weltcup in Willingen beginnen.

Nein, am Schnee mangelt es nicht. Zwei große weiße Haufen warten derzeit im Auslauf der Mühlenkopfschanze in Willingen darauf, verteilt zu werden. Das Weltcup-Springen, diesmal für Männer und Frauen, rückt näher.

Willingen – Schneemangel bedeutete bis vor zwei Jahren für die Organisatoren des Ski-Clubs Willingen stets höchste Alarmstufe, aber vielleicht würden sie ihn heute sogar lieber eintauschen gegen die Erlaubnis, Zuschauer ins Stadion zu lassen. Dann hätten sie das Geschehen selber in der Hand.

Corona und die Politik haben den Willingern genau wie im Vorjahr die Tribünenleere aufgezwungen. Auf die Frage, wie lange der Verein einen Weltcup ohne Publikum finanziell aushalten könne, möchte Präsident und OK-Chef Jürgen Hensel nichts sagen.

Er gibt aber schon zu, dass bei einem Weltcup ohne Zuschauer, bei ihm und seinen Free Willis ein paar Prozent weniger Motivation vorhanden sei, um all diese Arbeiten anzugehen. „Diese Gedanken verfliegen aber auch schnell wieder“, betont der Präsident, „wir freuen wir uns natürlich auf ein Wiedersehen mit den Sportlern, Trainern, Fis-Leuten und anderen Funktionären. Schon allein für sie lohnt sich diese Arbeit.“

Eine neue „Riesenaufgabe“ für den Ski-Club

Diesmal werden alle Helfer getestet. Corona hat auch die Tätigkeitsfelder in der Weltcup-Vorbereitung verändert. Das Hygienekonzept vom Vorjahr müssen die Willinger nur in einigen Punkten leicht verändern. „Wir testen diesmal alle Helfer, im vergangenen Jahr haben wir ja nur die getestet, die in einem Gebäude waren. Das bedeutet mehr Tests kaufen und auch mehr testen“, sagt Hensel und erwähnt so beiläufig, eine Aufgabe, die beim Erzählen immer größer wird.

Da die Teams nach dem Weltcup in Willingen direkt weiter zu den Olympischen Spielen nach Peking fliegen, hat der Verein den Mannschaften samt Betreuern angeboten, sie könnten an der Schanze den PCR-Test machen, den sie für die Einreise nach China benötigten. Dafür haben die Willinger ein mobiles Labor geordert, das eine Zulassung für China besitzt. Dort wird der Test abgenommen und die Probe untersucht. „Das ist eine Riesenaufgabe, dafür haben wir zwei Mann abgestellt, Michael Groß und Oliver Bader kümmern sich darum.“

Das Testergebnis wird abschließend per Mail versandt. Das ist für die Willinger eine verantwortungsvolle Aufgabe und keiner von ihnen möchte sich vorstellen, dass ein Testfehler einem Springer die Olympia-Teilnahme kostet. „Deswegen sind wir natürlich sehr darauf bedacht, dass sich in Willingen niemand mehr ansteckt“, betont Hensel. Für diese Aktion entstehen dem SC Willingen aber keine Kosten, denn jede Mannschaft zahlt ihre PCR-Tests aus der eigenen Kasse.

Neues Computerprogramm für Pistenwalze

Während der Ticketrückverkauf ohne Probleme nahezu abgeschlossen ist beginnen am heutigen Samstag die Arbeiten an der Schanze. Die Kartenkäufer seien sehr geduldig gewesen, manche hätten das Geld auch gespendet, lobt Hensel und er weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Das Schanzenteam beginnt am Wochenende mit der Schneebelegung des Anlaufturms. Die Pistenwalze nimmt einen Tag später ihre Arbeit auf und verteilt den Schnee auf dem Hang.

Dafür wurde ein Computerprogramm gekauft. „Damit kann man die Schneehöhe festlegen und dann bringt die Walze diese Höhe überall gleichmäßig auf. Dadurch geht kein Schnee mehr sinnlos verloren.“

Springerinnen sollen sich gleichberechtigt fühlen

Die Frauen kommen. Einen Weltcup für Männer und Frauen zu veranstalten, damit betreten die Willinger Neuland. Was ist hier organisatorisch zu bedenken? „Es werden im Springerlager 15 Container mehr aufgestellt und auch die Anzahl der Toiletten und Hotelbetten werden erhöht“, erzählt Hensel.

Die Frauen sollten eigentlich auch vor einer großen Zuschauermenge springen, betont Hensel, deshalb sei das Programm zeitlich dicht getaktet worden. Die Frage, ob das Publikum beide Geschlechter beim Skispringen annimmt, kann bei diesem Weltcup nicht beantwortet werden. Eine mögliche Gefahr, dass Zuschauer künftig nicht mehr kommen, weil sie durch dieses Zuatzprogramm nun noch länger in der Kälte stehen müssen, sieht Hensel nicht.

Auch Qualifikationssiegerin erhält Prämie

Für ihn ist das Frauen-Skispringen eher eine Bereicherung der Veranstaltung und das möchten die Willinger den Athletinnen auch zeigen. „So weit ich weiß, haben die Frauen bei keinem Weltcup ein Preisgeld für die Qualifikationssieg erhalten, bei uns bekommen sie 2000 Euro“, sagt der OK-Chef. Außerdem haben die Willinger ihrem Weltcup-Logo eine zusätzliche Farbe gegeben, die die Frauenteilnahme signalisieren soll und kleine Geschenke, wie etwa ein Handtuch, bekommen alle. Die Frau soll sich in Willigen gleichberechtigt fühlen.

Hensel freut sich natürlich besonders auf einen Springer: Stephan Leyhe kehrt wieder an den Mühlenkopf zurück, wo er 2020 seinen bislang einzigen Weltcup-Sieg landete. Diesen Erfolg wird Leyhe bei seinem „Heimspiel“ vermutlich nicht wiederholen können. Der Kreuzbandriss zwang ihn zu einer einjährigen Pause „Er ist überraschend stark zurückgekommen“, lobt Hensel den Mann aus den eigenen Reihen. Aber ob es Leyhe erneut zu den Olympischen Spielen schaffen wird, darüber möchte der SCW-Präsident lieber nicht spekulieren. (rsm)

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