Bundestrainer Schuster nominierte Andreas Wellinger anstelle des Upländers fürs Einzel

Enttäuschung für Stephan Leyhe: Skispringer muss bei WM-Start zuschauen

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Einen nachdenklichen Stephan Leyhe traf man (wie hier in Innsbruck) zuletzt häufiger an. Die ganz großen Weiten fehlten; auch beim Training auf der WM-Schanze. Bundestrainer Schuster bevorzugt Andreas Wellinger. 

Seefeld/Innsbruck – Er ist der beständigste deutsche Skispringer des Winters. Doch nun scheint es seine leichte Formkrise bei den Weltcups in Oberstdorf, Lahti und Willingen um den Saisonhöhepunkt zubringen

Stephan Leyhe ist nicht für das erste WM-Einzelspringen auf der Großschanze am Bergisel in Innsbruck nominiert worden. Bei dem Wettbewerb am Samstag (14.30 Uhr) gehen nun Olympiasieger Andreas Wellinger, Richard Freitag, Karl Geiger und Markus Eisenbichler an den Start – sofern sie am Freitag die Qualifikation überstehen.

Leyhe war in diesem Winter schon auf dem Podest und belegte bei der prestigeträchtigen Vierschanzentournee den dritten Gesamtrang. Zuletzt hatte der „Upland-Adler“ aber in seinen Leistungen etwas nachgelassen. 

Auch beim Heim-Weltcup, wofür Schuster noch vor zwei Tagen im ARD-Interview Verständnis hatte: „Stephan hat in Willingen einen enormen Stellenwert. Es ist eine Wahnsinns-Stimmung, alle sind so stolz auf ihn. So richtig kann er sich gar nicht losreißen von diesen Erwartungen. Aber er hat in seiner Grundtechnik nicht nachgelassen. Und nach diesem mentalen Stahlbad von Willingen geht es nach Innsbruck, wo er eines seiner besten Saisonresultate gemacht hat. Er wird weiter eine Stütze für unser Team sein“, sagte Schuster in diesem Interview. 

Gleichwohl fiel seine Entscheidung gestern überraschend anders aus: „Nach einer intensiven Diskussion haben wir uns für Richard und Andreas entschieden. Richard hat einen starken Aufwärtstrend. Andi hat zwar nicht die Ergebnisse wie Stephan Leyhe vorzuweisen, aber er weiß, wie man Medaillen gewinnt“, begründete der Bundestrainer die Entscheidung. 

Als erster Streichkandidat galt eigentlich eher Teamkollege Wellinger. Für den Bayern sprach wohl in erster Linie seine Stärke bei Großevents: Sowohl bei der WM in Lahti 2017 als auch bei Olympia 2018 landete Wellinger in beiden Einzel-Wettbewerben auf dem Podest. Für die Besetzung in der Teamentscheidung am Sonntag sei noch keine Entscheidung gefallen, so Schuster: „Sollte im Einzel irgendetwas nicht klappen, weiß ich, dass ich in Stephan einen Topmann in der Hinterhand habe.“

Eisenbichler im zweiten Training super

Der Willinger „Upland-Adler“ war bis zum Skifliegen in Oberstdorf sehr stark und kam nicht richtig ins Fliegen , zeigte danach auch auf seiner „Problemschanze“ in Lahti Schwächen und konnte auch beim „Heimweltcup“ in Willingen nicht überzeugen. 

Im zweiten Training am Donnerstag überzeugte Eisenbichler im ersten Durchgang mit 125 m ebenso wie Karl Geiger mit 124 m. Beide traten zum zweiten nicht mehr an, in dem Ryoyu Kobayashi (132,0) einmal mehr dominierte. Freitag 121,5+119,5, Wellinger 121+118 und Leyhe 118+121 ungefähr lagen gleich auf, doch Bundestrainer Werner Schuster entschied sich für Freitag und Wellinger und ihre ansteigende Form.

„Die Skiführung nach 30, 40 Metern muss ich noch verbessern, da fehlt es mir dann an Höhe“, meinte Leyhe, der bei der Vierschanzentournee am Bergisel noch Vierter geworden war.

Ob er im Team noch eine Chance bekommt, hängt sicherlich vom Abschneiden des DSV-Quartetts am Freitag ab. Bisher war er in allen Mannschaftsspringen des Winters dabei, drei Mal sogar als Schlusspringer. Ansonsten muss er auf die Normalschanze in Seefeld mit Einzel und Mixed hoffen. (be/dpa)

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