FRAGEN & ANTWORTEN zur Übertragung

Wie Fernseh-Sender und Stadionsprecher den Weltcup präsentieren wollen

Viele Perspektiven bieten die Fernsehkameras beim Skispringen. In Willingen kommt eine hinzu – quasi auf Augenhöhe mit dem Springer filmt eine Kamera den Sprung aus dem Juryturm heraus.
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Viele Perspektiven bieten die Fernsehkameras beim Skispringen. In Willingen kommt eine hinzu – quasi auf Augenhöhe mit dem Springer filmt eine Kamera den Sprung aus dem Juryturm heraus; hier Stephan Leyhe beim Willinger Weltcup 2020.

„Geisterspringen“ statt Weltcup-Wahnsinn: Wenn vom 29. bis 31. Januar die weltbesten Skispringen in Willingen ihre WM-Generalprobe absolvieren, wird nicht nur der verletzte Stephan Leyhe fehlen. Auch die täglich bis zu 23 000 Zuschauer. Wie geht man mit dieser „Nicht-Atmosphäre“ um?

Willingen. Die Fernsehsender freuen sich auf bessere Einschaltquoten. Und die Veranstalter vom Ski-Club Willingen denken nicht daran, auf Unterhaltung per Stadionlautsprecher zu verzichten. Fragen und Antworten zu den Plänen der Verantwortlichen.

Schauen in diesem Winter mehr Menschen Skispringen im Fernsehen?

Die bisherigen „Geisterspringen“ hatten tolle Einschaltquoten. Das Neujahrsskispringen in Garmisch sahen allein fast acht Millionen – so viel, wie der Rekord am Mühlenkopf zu RTL-Zeiten mit Schmitt und Hannawald. Die Willinger dürfen angesichts dessen auf einen neuen TV-Rekord hoffen, und auch die Livestreams im Internet sind immer gefragter.

Wer überträgt in diesem Jahr den Weltcup aus Willingen?

Die ARD ist an der Reihe, außerdem sendet natürlich Eurosport ebenfalls wieder live aus dem Upland. Und Regisseur Thomas Strobl will alles versuchen, damit der Funke auch auf dem Sofa überspringt.

Neue Perspektive: Mit dem Springer auf Augenhöhe

Wo liegt die Herausforderung für die Fernsehleute – abgesehen von den Corona-RIchtlinien?

Springen ohne Publikum zu übertragen, ist durchaus anders; für Kameraleute und auch die Regie. Die meisten Perspektiven muss Strobl aus seiner Sicht „eng und nah fahren, damit die Tristesse des leeren Stadions die Übertragung nicht zu negativ beeinflusst“. Nachteil für die TV-Zuschauer: Häufiger als gewohnt könnten knallige Werbebanden ins Bild rücken. „Der Werbemittelaufbau überbaut uns die leeren Tribünen bzw. verdeckt sie, sodass sie nicht so störend wirken.“

Die Tribünen waren nach dem Weltcup 2020 – auch wegen Corona und weil sie nirgendwo anders gebraucht wurden – im Auslauf der Mühlenkopfschanze stehen geblieben. Wer konnte schon wissen, das 2021 nur die „Geister“ und die Kameras zuschauen werden.

Gibt es andere Einblicke für die TV-Zuschauer?

Ja. Mit 30 Kameras inklusive einer ebenso innovativen wie spektakulären Seilkamera übertrugen Strobl und sein rund 120 köpfiges Team im vorigen Jahr die Springen aus Willingen. Diesmal kommt noch eine weitere Perspektive hinzu: Eine zweite Kamera neben der Führungskamera auf dem Juryturm – von der Seite mit quasi 90 Grad auf Augenhöhe – soll vermitteln, wie waghalsig die Athleten in der Luft ihren Sport ausüben.

„Von dieser Perspektive erwarte ich mir, dass ich sehen kann, wie der Athlet auf dem Luftpolster liegt. Gleich nach dem Absprung möchte ich hier zeigen, wie bedingungslos sich der Sportler auf dieses vermeintliche Luftkissen schmeißt und sich davon nach unten tragen lässt“, sieht Strobl seine Bilder schon vor sich.

Welche Neuheiten ermöglicht die Technik außerdem?

Schon in Garmisch bekamen die TV-Zuschauer einen Service, der sich in Willingen weiter bewähren soll: Der Juryfunk zwischen dem neuen Weltcup-Direktor Sandro Pertile und seinem verlängerten Arm Borek Sedlak im Kampfrichterturm ist zu hören und bringt dem Zuschauer zuhause ein neues Spannungsmoment, wenn es um Wetter, Unterbrechungen und eventuell auch Disqualifikationen von Springern geht.

„Über diesen Funkverkehr ist der Zuschauer ganz nah dabei und erlebt die Entscheidungsebene direkt live mit. Die beiden sind rasch im Bild und es wird mit einer Grafik unterstützt“, erklärt Strobl.

Ein bisschen Remmidemmi aus dem Sprecher-Hüttchen

Wird es im Stadion eine im TV hörbare Begleitung in Form von Moderation und Musik geben oder segeln die Springer in der Stille ins Strycktal?

TV-Zuschauer und Kameras können sich ganz auf die Springer konzentrieren. Aber mit einem Ohr sollen sie soviel „normale“ Willingen-Stimmung wie möglich mitbekommen. Das Sprecherteam am Mühlenkopf mit Gunnar Puk, Jürgen Bangert und DJ Tony Kaufmann von den NRW-Lokalradios hat ein neues Sprecher-Hüttchen bekommen, das auch genutzt werden soll.

Will auch im leeren Stadion für Stimmung sorgen: Gunnar Puk, die Stimme vom Mühlenkopf.

„Ein bisschen „Remmidemmi“ will das Trio schon machen. Vor allem die letzten zehn Springer jedes Durchgangs sollen sich akustisch nicht einsam fühlen in der Luft. „Wir jagen alles durch die Lautsprecher, was wir in den letzten Jahren aufgezeichnet haben“, verrät Gunnar Puk. Eingespielt werden sollen nicht nur eingängige Partylieder, sondern auch Anfeuerungen der Zuschauer, wie etwa ein kräftiges „Ziiiiieeeh“.

Im Internet bei Spotify gibt es übrigens unter dem Stichwort Skisprung-Party Willingen eine Playlist für die Fans, die sich zu Hause in Stimmung bringen wollen. (schä/be)

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