Radsport

Armstrong vor Schiedsgerichtsverfahren

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Foto: Das Verfahren gegen den siebenfachen Tour de France Sieger Lance Armstrong ist auf dem Weg.

Washington - Der Ton im Dopingstreit um den siebenfachen Tour-Sieger Lance Armstrong wird rauer. Eine Kommission empfahl der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA die Einleitung eines Verfahrens. Armstrong diskreditierte ein Mitglied des Gremiums via Twitter.

Die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA steht vor einem offiziellen Verfahren gegen Lance Armstrong - und dieser scheut im Kampf um seinen Ruf auch vor persönlichen Diffamierungen nicht mehr zurück. Ein dreiköpfiges Kontrollgremium empfahl der Agentur am Freitag nach Sichtung der vorliegenden Beweise, die Anklage gegen den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger voranzutreiben. Dem 40-Jährigen, der alle Vorwürfe zurückweist, wird jahrelanges Doping und Handel mit illegalen Substanzen vorgeworfen.

Vor zwei Wochen hatte die USADA Armstrong sowie dessen ehemaligem Teamchef Johan Bruyneel und vier anderen Betreuern und Ärzten ein 15-seitiges Schreiben zugeschickt. Darin ist unter anderem von EPO-, Testosteron-, Kortison- und Blutdoping die Rede, das die Beschuldigten in den Teams US Postal, Discovery Channel, Astana und RadioShack über mehrere Jahre betrieben haben sollen.

„Alle Angeschriebenen haben das Recht auf eine öffentliche Verhandlung vor einem Schiedsgericht", teilte die USADA mit. In einem Prozess würden dann Beweise vorgelegt und Zeugen vernommen. Sollte Armstrong wie erwartet gegen die Vorwürfe vorgehen, wird sich ein Schiedsgericht mit der Affäre befassen. Bei einer Verurteilung könnte der Texaner mindestens einen seiner Tour-Siege aberkannt bekommen.

Über sein bevorzugtes Kommunikationsmittel Twitter lancierte Armstrong indes eine heftige Attacke gegen ein Mitglieder der dreiköpfigen Kontrollkommission, den Jura-Professor Clark Griffith. Gegen diesen läuft derzeit ein Verfahren wegen des Verdachts auf Exhibitionismus. „Wow. USADA sucht sich ja Leute aus", twitterte Armstrong dazu. Im Internet wurde er wegen seines Tweets bereits scharf kritisiert.

Gegen seine Gegner ging Armstrong stets nicht zimperlich vor. Seinen ehemaligen Teamkollegen Floyd Landis etwa, der ihn bereits vor zwei Jahren des Dopings beschuldigte, hatte er mehrfach öffentlich als Lügner bezeichnet. Die USADA kann in einem Prozess nach eigenen Angaben zehn Zeugen aufbieten, darunter vermutlich neben Landis auch Armstrongs frühere Mannschaftskollegen Tyler Hamilton und Frankie Andreu sowie dessen Frau.

Armstrong ist seit Veröffentlichung der USADA-Vorwürfe vorläufig gesperrt. Er darf damit auch nicht bei Triathlon-Wettbewerben starten - seinem neuen Betätigungsfeld. Ex-Manager Bruyneel, die zweite Hauptperson in der Anklageschrift, verzichtet bei der diesjährigen Tour de France auf die Betreuung seines aktuellen Teams RadioShack-Nissan um die deutschen Starter Andreas Klöden und Jens Voigt.

dpa

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