Silber im Judo

Bischof jubelt trotz der Niederlage

+
Foto: Ole Bischof konnte seinen Olympiatitel nicht verteidigen. Dafür holte der Deutsche die Silbermedaille.

London - Auf den Mann kann man wirklich bauen. Vier Jahre nach seinem Gold-Coup von Peking hat sich Judoka Ole Bischof in London Silber erkämpft. Damit erlöste der Routinier das insgesamt schwächelnde deutsche Judo-Team. „Ein Traum“, jubelte Verbandschef Frese.

Gold verloren, Silber gewonnen. Im Finale in der ausverkauften Nord-Arena des Londoner "ExCel" fehlten dem deutschen Vorzeige-Judoka Ole Bischof ein paar wichtige Körner zum Sieg. Jae-Bum Kim, der 27 Jahre alte Weltmeister von 2010 und 2011, machte im Halbmittelgewicht bis 81 Kilogramm dem Schwaben sofort die Hölle heiß. Er setzte schnell eine technische Wertung und gewann schließlich durch Juko ungefährdet das Revanche-Duell von Peking. "Nach dem Halbfinale hab' ich mich mehr gefreut. Doch das hat wohl zu viel Kraft gekostet", gab Bischof zu. "Wenn du im Finale stehst, willst du natürlich gewinnen, aber ich freu' mich auch über Silber. Kim war einfach besser, ich hatte keine Chance. Jetzt hat er den Titel. Ich kann mir vorstellen, wie er sich nach der Niederlage in Peking gefühlt hat", ergänzte der 32-Jährige mit einem Schmunzeln. Bischofs Trainer Detlef Ultsch ließ dennoch nichts auf seinen Schützling kommen: "Wir werden feiern. Wir haben ein sehr starkes Finale gesehen. Vor vier Jahren hat der Ole gewonnen, dieses Mal der Kim. Wenn man das Finale verfolgt, hat der Richtige gewonnen. Keine Frage. Ich bin dennoch sehr, sehr stolz auf Ole, dass er diese Leistung gebracht hat." Mit einer Gold- und einer Silbermedaille bei Olympia hat Bischof in jedem Falle deutsche Judo-Geschichte geschrieben. Schon in Peking war er der einzige Mitteleuropäer, der in den asiatischen Kampfsportarten Gold holen konnte. Der Mann mit dem markanten Kurzhaarschnitt nutzte anschließend seine Popularität zu zahlreichen Ausflügen in das TV- und Showbusiness. Er kommentierte MTV-Awards, holte Oliver Pocher auf die Matte, schlug sich mit Entertainer Stefan Raab - und verlor kläglich. Er war bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und beim Ex-Bundespräsidenten Horst Köhler zu Gast. Und er warb für seine traditionsreiche Sportart, die er keinesfalls unpopulär findet. "Randsportart ist für mich die Formel 1. Das machen ja nur 20 bis 100 Leute. Judo machen dagegen in Deutschland schon wahnsinnig viele Leute - 200000 bis 250000", sagte er einmal. Und er wusste, dass es ohne Fleiß keinen Preis gibt. "Ich habe meinen Teil getan. Ich habe viel gearbeitet, hart trainiert. Ich bin dahin gegangen, wo es wehtut", erklärte Bischof vor den Spielen. Am Dienstag sollte sich die Schinderei auf der Matte und im Kraftraum auszahlen. Der Reutlinger, der mit dem TSV Abendsberg zehnmal deutscher Mannschaftsmeister geworden ist, agierte bissig, marschierte mit drei Siegen durch die Gruppenphase. Er meisterte dabei im zweiten Kampf auch einen Rückstand gegen den jungen und vor allem schnellen Kasachen Ramila Bosbajew, den er schließlich in der Verlängerung mit Festhalte gewann. Im Viertelfinale schickte Bischoff den Japaner Takahiro Nakai per Armhebel vorzeitig von der Matte. Schließlich zog er in einem heißblütigen Duell mit dem böse dreinblickenden US-Amerikaner Travis Stevens, Bischofs Vereinskollege in Abendsberg, die Kampfrichter auf seine Seite. Weil keiner der beiden Hitzköpfe eine Wertung erringen konnte, musste die Jury entscheiden. "Das geht in Ordnung. Ole war offensiver", kommentierte Trainer Ultsch den Finaleinzug seines Schützlings. "Wir haben das Regelwerk sehr offen interpretiert. Aber ich war nicht derjenige, der diese Gangart aufgezogen hat", meinte der Sieger zum Halbfinale. Im letzten Kampf suchte Bischof dann allerdings vergeblich nach einer Lösung. "Es ist unglaublich, was einem durch den Kopf geht. Ich wollte Kim packen, aber es hat nicht geklappt." Gefeiert wird trotzdem. Keine Frage.

Jens Trommer

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare