Nachruf

Einstiger Tour-de-France-Sieger Laurent Fignon an Krebs gestorben

- Laurent Fignon ist tot: Die vergangene Tour de France begleitete der zweifache Toursieger als Fernseh-Kommentator mit leiser, brüchiger Stimme. Am 12. August hatte der Ex-Radprofi seinen 50. Geburtstag gefeiert - knapp drei Wochen später erlag er seinem Krebsleiden.

„Ich möchte nicht mit 50 sterben“, hatte der krebskranke Laurent Fignon vor Beginn der vergangenen Tour de France gesagt. 18 Tage nach seinem runden Geburtstag ist der zweifache Tour-Sieger dem Bauchspeicheldrüsen-Krebs erlegen. Das bestätigte am Dienstag der französische TV-Sender France 2, für den der Ex-Profi Fignon - früheres Erkennungszeichen: Nickelbrille und langer blonder Pferdeschwanz - die Schlüsseletappen der 97. Frankreich-Rundfahrt mit leiser und brüchiger Stimme kommentiert hatte.

Sein dramatischer Kampf gegen den Krebs fand im Juli in der Öffentlichkeit statt. Fast jeden Tag vor einem Millionenpublikum. „Ein Tumor drückt auf eine Stimmlippe. Deshalb höre ich mich so an. Ich hoffe, dass ich wieder gesund werde und die Stimme zurückkommt“. So hatte der Toursieger von 1983 und 1984 der Zeitung „Le Parisien“ sein hörbares Handicap erklärt. Der profunden Kompetenz seiner Renn-Analysen tat das keinen Abbruch.

Kahlköpfig saß er bei der Tour zum Auftakt in Rotterdam und danach in den Alpen und Pyrenäen auf dem Kommentatoren-Stuhl. Er war in seinen Beurteilungen kompromisslos und auch zu Späßen aufgelegt. Eigentlich ging es bei der TV-Übertragung immer lustig zu. Ernster wurde es am letzten Tag in Paris, als er sich von den Zuschauern und seinem Kommentatoren-Team verabschiedete. Er bedankte sich dafür, dass er trotz seiner Krankheit die Chance erhalten hatte, wie in den Jahren zuvor, vom Topereignis des Welt-Radsports hautnah zu berichten.

„Das ist ein Schock, gerade weil es einen aus meiner Generation traf. Ich bin mit Fignon öfter Rennen zusammen gefahren, 1987 als ich bei der Vuelta Zweiter wurde, war er Dritter. Er war sehr ehrgeizig, im Umgang aber unkompliziert - ein netter Kerl“, erinnerte sich Ex- Profi Reimund Dietzen (51) an seinen ehemaligen Kontrahenten. Sportlich war Fignon bei der Tour vor 21 Jahren zur tragischen Figur geworden.

In der Endabrechnung nach mehr als dreiwöchiger Tortur war er Greg LeMond um lumpige acht Sekunden unterlegen - der knappste Rückstand der Tourgeschichte. Am 23. Juli 1989 verlor Fignon das abschließende Zeitfahren über 24,5 Kilometer von Versailles auf die Champs Elysées. LeMond hatte gegen den guten Zeitfahrer aus Paris in einer unglaublichen Triumphfahrt 58 Sekunden gutgemacht: Fignon weinte, die Radsport-Nation Frankreich trauerte.

Mit Lance Armstrong war Fignon seit dessen Krebs-Diagnose 1996 befreundet. Nach Vermittlung des Texaners hatte sich Fignon zu Beginn des Jahres von einem Spezialisten in den USA behandeln lassen. „Ich habe meine Ärzte angewiesen, mir nicht mitzuteilen, wie hoch meine Überlebenschancen sind. Ich kämpfe weiter“, hatte Fignon, der 1989 auch den Giro d’Italia gewann, vor dem Tourstart erklärt.

Im Vorjahr hatte er ein Buch mit dem übersetzten Titel „Wir waren jung und unbekümmert“ veröffentlicht. In den folgenden Interviews nahm er auch Stellung zu möglichen Zusammenhängen zwischen eigenen Doping-Praktiken während seiner aktiven Zeit und seiner Krankheit. Die Dosen und Medikamente, die damals laut Fignon üblich gewesen seien, „sind im Vergleich zur heutigen Praxis ein Witz, behaupteten die Ärzte“.

dpa

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