Vierschanzentournee

«Er kann's einfach»: Geiger verblüfft die Skisprung-Welt

Auftaktsieger
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Bringt den deutschen Skispringern mit seinem Auftaktsieg in Oberstdorf Schwung: Karl Geiger. Foto: Daniel Karmann/dpa

Freibergsee, Flugschanze, Oberstdorf-Haus: In seiner Heimat kennt Karl Geiger eigentlich jede kleine Ecke. Nur die oberste Podeststufe war ihm bislang unbekannt. Der Auftakt-Triumph unmittelbar aus der Corona-Quarantäne gibt Auftrieb für das ganz große Tournee-Ziel.

Garmisch-Partenkirchen (dpa) - Im Hochgefühl des Heimsieges konnte Karl Geiger den freien Skisprung-Tag besonders gut genießen. Nach knapp zweistündiger Auto-Alpentour bezog das deutsche Team um Hoffnungsträger Geiger die gewohnte Hotel-Wohlfühloase in Garmisch-Partenkirchen.

In Garmisch soll an Neujahr (14.00 Uhr/ARD und Eurosport) der nächste Schritt zum ersten deutschen Vierschanzentournee-Sieg seit 2002 gelingen soll. Im Allgäu machte sich bei den Beteiligten das Gefühl breit: Wer wie Geiger direkt aus der Corona-Quarantäne kommen und in Oberstdorf gewinnen kann, dem ist definitiv auch der prestigeträchtige Gesamtsieg zuzutrauen.

«Auf den Karl kann man sich immer verlassen. Wenn der Karl in seinem Tunnel drin ist, kann er das abrufen. Momentan schwebt er auf einer sehr guten Welle», sagte Bundestrainer Stefan Horngacher, der nach dem ersten deutschen Tournee-Einzelsieg seit Dezember 2015 spürbar erleichtert war. Beim Heimspiel in Oberstdorf, das in normalen Zeiten über 25 000 Fans ansteuern, laste immer ein besonderer Druck auf dem deutschen Team, betonte der Trainer.

Nach Geigers Sieg und dem fünften Platz von Markus Eisenbichler hofft Horngacher für die nächsten drei Stationen auf eine weitere Steigerung. «Ziel ist es eher, langsam zu beginnen und immer stärker zu werden. Das werden wir weiterhin verfolgen. Die anderen werden auch nochmal aufs Pedal steigen, da müssen wir mit», forderte der Chefcoach.

Geiger selbst erinnerte sich nach seinem Rührstück in der Heimat an die eigene Kindheit. «Als kleiner Junge stand ich unten an der Schanze und bewunderte die Springer während der Tournee. Bei der WM 2005 durfte ich als Fahnenkind dabei sein», schrieb Geiger. Die Fahne von Kasachstan habe er damals getragen. Im Dezember 2020 stand er - vor coronabedingt leeren Rängen - plötzlich selbst auf der höchsten Podeststufe. «Zuhause! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl! Ein Heimsieg, den ich mir immer erträumt habe.»

Das Phänomen Geiger verblüfft in diesem Winter die Skisprung-Welt. In Kurzfassung lesen sich die vergangenen fünf Wochen des 27-Jährigen so: Pause wegen anstehender Geburt der Tochter, Skiflug-Weltmeister, Geburt der Tochter, positiver Corona-Test, Quarantäne, strahlender Sieger in Oberstdorf. Routinier Severin Freund ist fasziniert. «Was er diese Saison macht, ist für mich eine der beeindruckendsten Leistungen ever. Wie er es macht, keine Ahnung. Aber es ist absolut grandios.» Warum stoppen die Unterbrechungen Geigers Rhythmus so gar nicht? «Er kann's einfach», antwortet Freund.

Im Kampf um den begehrten Tournee-Adler ist vor dem Jahreswechsel ein Quintett um den Führenden Geiger bestens im Rennen. Der Pole Kamil Stoch (Zweiter), die Norweger Marius Lindvik und Halvor Egner  Granerud (Ränge drei und vier) sowie Eisenbichler liegen ebenfalls noch auf Kurs, die Abstände sind noch nicht allzu groß. «Es sind einige, die wirklich auf sehr hohem Niveau springen. Es ist immer schwierig zu gewinnen», merkte Horngacher an. Umso wertvoller war Geigers Erfolg am Schattenberg.

Doch neben der bewegenden Heimsieg-Story hat sich auch Zimmerkollege Eisenbichler eindrucksvoll zurückgemeldet. Nach dem Fabelflug auf 142 Meter im zweiten Durchgang ließ «Eisei» einen Urschrei los. Zuvor hätte er beinahe den Sprung in den zweiten Durchgang verpasst. Mehr noch als über seine Tagesbestweite freute sich der impulsive Bayer aber für Geiger. «Er ist einfach so ein cooler Hund. Ich habe mich eigentlich genauso gefreut, wie wenn ich da oben gestanden hätte. Das finde ich in unserem Team einfach geil.»

Nach der Pause geht es am Silvestertag (14.00 Uhr/ARD und Eurosport) mit der Qualifikation auf der großen Olympia-Schanze in Garmisch weiter. Für Geiger und Eisenbichler ist dies nur Pflichterfüllung und ein lockerer Ausklang eines turbulenten Jahres. Zum Start 2021 wollen sich die deutschen Skispringer dann für ihre Sommerarbeit belohnen und nicht nur in Oberstdorf, sondern auch am Ende in Bischofshofen ganz oben stehen.

© dpa-infocom, dpa:201229-99-846371/4

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