Steile Triathlon-Karriere

Erst Maschsee, dann Hawaii

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„Schwimmen hatte ich ja in der Jugend gelernt“: Frank Leßmeister freut sich auf Hawaii.

Hannover - Als Mittvierziger geht für Frank Leßmeister ein Traum in Erfüllung. Der Hannoveraner, der von Beruf Lehrer ist, hat sich für die Ironman-Weltmeisterschaft qualifiziert. Dabei ist er in dieser Ausdauerdisziplin ein ausgesprochener Spätstarter.

Die letzten Tage der Sommerferien sind für Frank Leßmeister richtig stressig verlaufen. Das hatte ausnahmsweise nichts mit dem opulenten Trainingsprogramm zu tun, in das er wöchentlich normalerweise bis zu 20 Stunden investiert. Der 44-Jährige, der an der Schillerschule in Hannover Latein und Geschichte unterrichtet, musste kurzfristig eine Flugreise mit einem Ziel organisieren, von dem wohl jeder Triathlet träumt: Hawaii. Am 13. Oktober ist die Insel im Pazifik wie alle Jahre Schauplatz der Ironman-Weltmeisterschaft - und Leßmeister wird zu den rund 1800 Startern gehören. „Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagt der Hobbysportler.

Die Qualifikation hat er Mitte August im schwedischen Kalmar geschafft, sozusagen auf den letzten Drücker. Das war der letzte Ironman in Europa, bei dem dieses Jahr Startpunkte für Hawaii vergeben wurden. Wer in seiner Altersklasse unter die ersten vier kam, hatte es geschafft. Leßmeister war der Beste bei den 45- bis 49-Jährigen. Die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rad und den abschließenden Marathonlauf absolvierte er in 9:08 Stunden. Für einen Freizeitsportler eine außergewöhnliche Leistung, der auch Kalmar-Sieger Jan Raphael Respekt zollt. „Ich weiß, was Frank drauf hat und wie ehrgeizig er ist“, sagt der Profi aus Hannover, der sich auf die Langdistanz spezialisiert hat. „Dass dann auch noch so ein Ergebnis herauskommt: alle Achtung.“

Zumal die Triathlonkarriere von Frank Leßmeister ungewöhnlich ist. Erst Ende 2010 entdeckte er diesen Sport so richtig für sich. Nach 20 Jahren, in denen Laufen die Hauptrolle gespielt hatte, wollte er mal etwas Neues probieren. „Schwimmen hatte ich ja in der Jugend gelernt“, sagt er mit einem Augenzwinkern, „da fehlte nur noch das Rennrad, um loslegen zu können.“

Zwei Jahre gut strukturiertes Training haben ausgereicht, um das zu schaffen, wovon die meisten anderen Ausdauersportler ihr Leben lang vergebens träumen. Sicher ist das auch eine Frage des Talents. Bei Leßmeister, der von der Detmolderin Ute Mückel, bis vor wenigen Jahren eine erfolgreiche professionelle Langdistanz-Triathletin, trainingsmethodisch betreut wird, kommen aber auch viel Disziplin und gesundes Selbstvertrauen hinzu.

Dass er das besonders zeitaufwendige Radtraining mitunter etwas vernachlässigt, wie er einräumt: geschenkt. Jedenfalls dann, wenn es so läuft wie in Kalmar. Leßmeister war auf dem Rad Sechstbester seiner Altersklasse; seine Ironman-Gesamtzeit nach seiner Premiere 2011 in Regensburg verbesserte er um eine volle Stunde. „Es macht wohl etwas aus, dass ich in allen drei Disziplinen recht ausgeglichen bin“, sagt der gebürtige Pfälzer, der seit 2004 in Hannover lebt.

Hier hat er voriges Jahr beim Maschsee-Triathlon mit einem 2. Platz im Rennen über die olympische Distanz aufhorchen lassen, mit nur knapp neun Minuten Rückstand auf Raphael. Am Sonntag ist Leßmeister wieder dabei. „Insgesamt ein toller Wettkampf“, sagt er, „das macht richtig Spaß.“ Deshalb ist er hier vor drei Jahren auch schon dreimal gestartet - an einem Wochenende bei drei verschiedenen Wettbewerben.

Der bevorstehende Maschsee-Triathlon bedeutet ihm jedoch mehr als die Wettkämpfe in den Jahren zuvor; jetzt ist die Regenerationsphase nach dem kräftezehrenden Wettkampf in Kalmar vorbei. „Ich will am Sonntag alles geben“, sagt Leßmeister, für den nun die letzte intensive Trainingsphase beginnt, die für ihn besonders wichtig ist. Denn Hawaii hat er jetzt nicht nur mehr im Hinterkopf, sondern fest gebucht.

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