Freie Anzugwahl für Schwimmer

+
Britta Steffen in ihrem neuen Superanzug.

Rom - Deutschlands Schwimmer dürfen bei den Weltmeisterschaften in drei Wochen in Rom ihre Anzüge frei wählen.

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) wird vorerst keinen neuen Ausrüster-Vertrag abschließen. Angestrebt ist nach Angaben des DSV vom Dienstag ab dem Jahr 2010 eine “Pool-Lösung“ mit verschiedenen Anbietern. Damit soll den Schwimmern mit Blick auf Olympia 2012 in London eine möglichst optimale Förderung ermöglicht werden.

Der bisherige Ausrüster adidas hatte den Vertrag mit dem DSV Ende vergangenen Jahres nach Kritik aus dem Athletenkreis fristlos gekündigt. “Für die Weltmeisterschaften in Rom wird es keine Vorgabe des Verbandes hinsichtlich des Wettkampf-Anzuges im Schwimmen geben“, stellte DSV-Präsidentin Christa Thiel am Dienstag fest. Der DSV sei sich bewusst, dass damit eine massive finanzielle Einbuße für den Verband einhergehe. Die Anzüge dürfen bei der WM allerdings kein Hersteller-Logo aufweisen. Positiv reagierte Bundestrainer Dirk Lange auf die Anzug-Freigabe: “Das begrüße ich sehr, wir haben nun eine Regelung für die WM .“

Der DSV schließt zwar für die Zukunft einen Einzelvertrag nicht aus, präferiert aber eine Pool-Lösung. “Jeder soll die Chance haben, seine Leistungsmöglichkeiten auszuschöpfen“, sagte Generalsekretär Jürgen Fornoff, “Streitereien wie in der Vergangenheit darf es nicht mehr geben.“ Was natürlich im Umkehrschluss bedeutet: Bei schlechten Leistungen entfällt damit die Ausrede Anzug für den Athleten. Die Freigabe fast aller High-Tech-Anzüge durch den Weltverband FINA hatte schon bei den deutschen Meisterschaften vergangene Woche in Berlin zu einer Rekordflut mit drei Welt-, drei Europa- und 13 nationalen Bestmarken geführt.

Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen war in drei Tagen gleich zweimal zu Weltrekorden über 100 Meter Freistil geschwommen. Dabei übten Athleten deutliche Kritik an der Technisierung des Schwimmsports. Wer sich mit der Weltspitze messen wolle, habe aber keine andere Wahl als mitzumachen. Für die WM in Rom wird ein Rekordfestival erwartet. Eine Pool-Lösung würde den Schwimmern die geforderte Selbstbestimmung in der Anzugfrage einschließlich persönlicher Verträge geben und zugleich die finanzielle Abhängigkeit des Verbandes von nur einem Ausrüster beenden. Die finanzielle Basis könnte auf mehrere Beine gestellt werden. Nach dem Ausstieg von adidas war der DSV unter finanziellen Druck geraten und musste harte Sparmaßnahmen einleiten. Der adidas-Vertrag brachte dem DSV jährlich rund eine Million Euro an Geld- und Sachwerten. Der Streit wurde außergerichtlich beigelegt.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare