Royer-Verpflichtung

Hannover 96 hat jede Position doppelt besetzt

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Locker machen für den Wechsel: Daniel Royer – links, hier mit Nationalmannschaftskollege Marc Janko – spielt morgen gegen Deutschland und in einer Woche für Hannover 96.

Hannover - Hannover 96 gibt es jetzt doppelt: Mit der Verpflichtung des österreichischen Nationalspielers Daniel Royer für das offensive Mittelfeld haben die „Roten“ jede Position im Team doppelt besetzt. Nicht irgendwie, sondern mit Bundesliga-Qualität.

Wer zweifelt, werfe einen Blick auf die beiden Aufstellungen. Die „A-Elf“ (die derzeitige Anfangsformation von Trainer Mirko Slomka) ist gut genug, Sevilla zu bezwingen. Und die „B-Elf“ – selbst sie müsste sich in der Bundesliga nicht verstecken.

Der Neue, der vom österreichischen Erstligisten SV Ried kommt, wird sicher bald versuchen, sich fürs „A-Team“ zu empfehlen. Schließlich verläuft seine Karriere gerade in einem enorm steilen Winkel nach oben. In zwei Jahren aus dem Nachwuchs von Sturm Graz über den Regionalligisten FC Pasching zur SV Ried, mit der er den Pokalsieg schaffte, im Juni das Debüt im österreichischen Nationalteam (schon drei Einsätze) und jetzt der Wechsel zu Hannover 96, wo er einen Vierjahresvertrag unterzeichnete. Dank einer Ausstiegsklausel aus dem kürzlich erst in Ried verlängerten Kontrakt ging das für gerade einmal 600 000 Euro Ablöse. Um in dem Zusammenhang auch gleich die Namensaussprache zu klären: Royer reimt sich auf „gar nicht so teuer“.

96-Manager Jörg Schmadtke hat sich Royer zuletzt in der vergangenen Saison im Duell mit Austria Wien persönlich angeschaut und ist sich seiner Sache sicher: „Ein junger, sehr erfolgshungriger Spieler. Er hat im letzten Jahr einen deutlichen Sprung gemacht und ergänzt uns hervorragend.“ Auch Martin Kind lobt: „Schmadtke und Slomka sind von ihm absolut überzeugt. Der passt zu uns: jung, entwicklungsfähig, Nationalspieler“, meinte der Klubchef. Der Neue selbst staunte nicht schlecht, wie schnell 96 kurz vor dem gestrigen Transferschluss Fakten geschaffen hat: „Vor zwei Tagen hätte ich überhaupt noch nicht damit gerechnet. Erst am Dienstagvormittag habe ich von dem Angebot erfahren, und dann habe ich nicht lange überlegen müssen“, sagte Royer beim Treffpunkt seines Nationalteams in Bad Tatzmannsdorf im Burgenland.

Royer schießt mit rechts wie mit links. Er ist flott auf den Beinen („Hannover spielt einen schnellen Fußball, das könnte mir entgegenkommen“) und ist schnell im Kopf, wie Fußballreporter aus Oberösterreich schwärmen. Seine fußballerische Grundausbildung hat er in seinem Geburtsort Schladming erfahren, als 14-Jähriger wechselte er zu Sturm Graz (wie auch der 96er Emanuel Pogatetz) und von dort 2009 für ein Jahr zum FC Pasching in die 3. österreichische Liga, wo auf die Regionalliga-Meisterschaft ein heilloses Lizenzchaos, die Auflösung des Teams, Royers Wechsel zur SV Ried und eine spektakuläre Saison folgten. Ried holte sich den österreichischen Pokal, überwand in der Qualifikation zur Europa League Bröndby IF mit 2:0 im Heimspiel und 2:4 im Rückspiel (mit einem Treffer von Royer), war dann aber im Play-off PSV Eindhoven (0:0 im Heimspiel, 0:5 im Rückspiel) unterlegen. Daraus ergibt sich der einzige kleine Makel des Transfers: Royer ist für den Rest der Saison in der Europa League für 96 nicht mehr spielberechtigt, da er schon für Ried im gleichen Wettbewerb am Ball war. Die lange Vertragsdauer (bis 2015), das Alter und das perspektivische Potenzial des Talents zeigen aber ohnehin an, dass Schmadtke mit ihm auf der Langstrecke plant.

Was er draufhat, kann Royer bei den „Roten“ erst vom Mittwoch der kommenden Woche an zeigen. Einstweilen ist er nämlich mit dem Nationalteam Österreichs auf Reisen – nach Gelsenkirchen. Morgen Abend (Anpfiff um 20.45 Uhr) zählt er beim Spiel gegen Deutschland zum Kader. Und aus dem kam wohl auch eine Entscheidungshilfe für den 21-Jährigen, der auch von Austria Wien und Red Bull Salzburg heftig umworben worden war: Pogatetz und Manuel Radlinger, beide spielen für 96 und Österreich, haben ordentlich für Hannover geworben. „Sie haben mir den Transfer empfohlen“, sagte Royer. Erleichtert wurde der Austausch sicher dadurch, dass alle drei von den gleichen Spieleragenten betreut werden: Stars & Friends.

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