ISU-Arzt Kuipers: Pechstein hat manipuliert

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Claudia Pechstein, die Olympia in Vancouver 2010 durch ihre Dopingsperre verpasste, soll laut Kuipers tatsächlich manipuliert haben.

Maastricht - Der niederländische Sportmediziner denkt trotz medizinischer Gutachten zahlreicher Blutexperten an einer Manipulation der Blutwerte von Claudia Pechstein. Kuipers selbst ist unheilbar krank.

Der zuständige ISU-Arzt Harm Kuipers ist von der Schuld Claudia Pechsteins weiterhin überzeugt und hat erneut den Zorn der fünfmaligen deutschen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin auf sich gezogen. „Ich bleibe dabei, ich bin überzeugt, dass sie manipuliert hat“, sagte der niederländische Sportmedizinier und ehemalige Eisschnelllauf-Weltmeister der Tageszeitung „AD-Sportwereld“. In dem Interview offenbarte Kuipers auch, dass er unheilbar an Prostatakrebs erkrankt ist.

Pechstein habe vier Prozesse geführt und alle verloren. Die Biographie der Berlinerin werde er nicht lesen. „Dann bekomme ich das Gefühl, auch ein Buch schreiben zu müssen, was einen ganz anderen Inhalt hat.“

Als Mitglied der medizinischen Kommission des Eissport-Weltverbandes ISU hatte Kuipers 2009 bei der Mehrkampf-WM in Hamar (Norwegen) bei der Dopingkontrolle Pechstein Blutproben entnommen. Die Analysen dieser Blutproben führten zu Pechsteins zweijähriger Sperre.

Claudia Pechstein kritisierte die neuerlichen Aussagen scharf. „Professor Kuipers ist nur noch zu bedauern. Als Arzt hat er bei der Interpretation meiner Laborwerte komplett versagt“, teilte Pechstein mit: „Unter den Experten in der Anti-Doping-Szene wird er für immer als derjenige in Erinnerung bleiben, der das Fehlurteil gegen mich zu verantworten hat.“

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Ihr Manager Ralf Grengel verwies auf Pechsteins Arzt Professor Stefan Eber und den Hämatologen Professor Winfried Gassmann, die den Niederländer zu einer „öffentlichen wissenschaftlichen Diskussion“ auffordern würden.

„Gerne reisen sie dafür auch in die Niederlande. Bislang ist Kuipers jegliche Erklärung schuldig geblieben, wann, wo, womit und wie Claudia manipuliert haben soll“, sagte Grengel: „Doch Kuipers wird sich einer solchen Diskussion kaum stellen, da ansonsten offensichtlich würde, dass die Sperre ein klares Fehlurteil war und immer noch ist.“

Unabhängig vom Fall Pechstein meinte Kuipers, dass Dopingsünder zu hart bestraft werden. „In meinen Augen ist Doping ein Vergehen und kein Verbrechen. Ein nichttalentierter Eisschnellläufer wird auch mit Doping kein Weltklassesportler. Es hilft nur marginal. Darum finde ich kürzere Strafen in Verbindung mit Geldstrafen angemessener. Das verhindert auch eine Prozesslawine, und der Sportler erhält schneller eine neue Chance. Wird er jedoch noch einmal erwischt, dann hat er nichts gelernt, und dann ist eine lange Sperre gerechtfertigt“, sagte Kuipers, der unheilbar an Prostatakrebs erkrankt sein soll.

Kuipers hatte Mitte März die Einzelstrecken-WM in Inzell besucht. Dort gewann Pechstein zweimal Bronze. „Sie hat ihre Strafe abgesessen und darf wieder starten. Respekt, dass sie mit 39 Jahren zu solchen Leistungen fähig ist“, sagte der 63 Jahre alte Hochschullehrer der Universität Maastricht.

Unabhängig vom Fall Pechstein meinte Kuipers, dass Dopingsünder zu hart bestraft werden. „In meinen Augen ist Doping ein Vergehen und kein Verbrechen. Ein nichttalentierter Eisschnellläufer wird auch mit Doping kein Weltklassesportler. Es hilft nur marginal. Darum finde ich kürzere Strafen in Verbindung mit Geldstrafen angemessener. Das verhindert auch eine Prozesslawine, und der Sportler erhält schneller eine neue Chance. Wird er jedoch noch einmal erwischt, dann hat er nichts gelernt, und dann ist eine lange Sperre gerechtfertigt“, sagte Kuipers.

sid

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